Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Die Königin der 1000 Jahre - Rezension

Die Königin der 1000 Jahre (Band 1)

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Mit „Die Königin der 1000 Jahre“ erscheint ein Werk erstmals auf Deutsch, dessen Lizenzierung sicherlich viele überrascht haben dürfte. Leiji Matsumotos Science-Fiction-Klassiker stammt schließlich aus dem Jahr 1980 und verfügt aktuell auch über keine neue Anime-Adaption. Umso bemerkenswerter ist diese Veröffentlichung, zumal es sich dabei um Matsumotos erste Manga-Veröffentlichung auf dem deutschen Markt handelt. Dabei zählt der Mangaka zu den bedeutendsten Science-Fiction-Autoren seiner Zeit und hat das Genre nachhaltig geprägt und mitentwickelt.

Ursprünglich erschien „Die Königin der 1000 Jahre“ in Japan von 1980 bis 1983 in einzelnen Kapiteln in den Tageszeitungen Sankei Shinbun und Nishi Nippon Sports. Ab 1983 wurde die Serie schließlich vom Verlag Sankei Shuppan in Sammelbänden veröffentlicht. Bereits zuvor wurde der Stoff auch als Fernsehserie adaptiert. Diese lief in den Jahren 1981 und 1982 und entstand unter der Regie von Nobutaka Nishizawa auf Grundlage des Mangas.

Am 28. Februar 2023 folgte im Shogakukan-Verlag eine besondere Jubiläumsausgabe des Mangas in zwei Hardcoverbänden. Diese Sonderedition vereinte mehrere Anlässe: 70 Jahre Leiji Matsumoto als Mangazeichner, 40 Jahre seit der Erstveröffentlichung des Mangas sowie das Todesjahr des Künstlers selbst.

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Story & Zeichnungen: Leiji Matsumoto | Originaltitel: Shin Taketori Monogatari: 1000-nen Joou | Übersetzung: Jens Ossa | Genre: Science-Fiction| Verlag: Carlsen Manga | Preis: 24,00€ | mehr Informationen auf der Verlagsseite

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Wie war’s?

Der erste Band von Die Königin der 1000 Jahre führt in eine Geschichte ein, die klassische Science-Fiction-Elemente mit mystischen und philosophischen Motiven verbindet.

Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Hajime, der mit seinen Eltern in Tokio lebt. Als diese bei einer mysteriösen Explosion ums Leben kommen, zieht er zu seinem Onkel Professor Amamori, dem Direktor der Sternwarte von Tsukuba. Dort erfährt Hajime von einer beunruhigenden Entdeckung: Ein unbekannter Planet nähert sich der Erde und wird voraussichtlich am 9. September 1999 mit ihr kollidieren. Die Menschheit scheint dieser drohenden Katastrophe nahezu hilflos ausgeliefert zu sein.

Unterstützt wird Hajime von Yayoi Yukino, der Assistentin seines Onkels, die offenbar weit mehr weiß, als sie zunächst preisgibt. Zusätzlich taucht eine geheimnisvolle Untergrundorganisation auf, die sich Die Diebe der tausend Jahre nennt und im offenen Konflikt mit der rätselhaften Königin der tausend Jahre steht. Ohne es verhindern zu können, wird Hajime immer tiefer in diese Ereignisse hineingezogen und beginnt nach und nach, die wahren Ausmaße der Bedrohung sowie das Geheimnis um die Königin zu erahnen.

Leiji Matsumoto entwirft mit diesem Werk eine weit angelegte Science-Fiction-Vision, die kosmische Bedrohungen, politische Machtkämpfe und persönliche Schicksale miteinander verknüpft. Trotz des hohen Alters der Geschichte wirkt der zentrale Konflikt noch immer reizvoll. Die Vielzahl an Geheimnissen, rivalisierenden Fraktionen, Verrat und verdeckten Manipulationen sorgt grundsätzlich für Spannung. Besonders Fans klassischer Science-Fiction dürften den melancholischen Grundton und die epische Ausrichtung der Geschichte zu schätzen wissen.

Gleichzeitig macht sich das Alter des Werks jedoch deutlich bemerkbar. Sowohl das Erzähltempo als auch die Dramaturgie wirken aus heutiger Sicht stellenweise sperrig. Gleichzeitig zeigt sich jedoch sehr deutlich das Alter des Werks. Das Erzähltempo ist ungewöhnlich und aus heutiger Sicht oft befremdlich. Die Handlung schreitet stellenweise sehr schnell voran, ohne wichtige Informationen ausreichend zu erklären, während andere Passagen wiederum unnötig gedehnt wirken. Vieles bleibt kryptisch, nicht aus erzählerischer Raffinesse heraus, sondern weil Informationen schlicht nicht klar vermittelt werden. Auch können die Handlungssprünge ungewohnt werden. Es gibt keine handwerklichen Merkmale, wie man es bei modernen Manga gewohnt ist, die den Wechsel von Handlungsorten oder Zeitsprünge anzeigen, weshalb man sich mit einem simplen Seitenwechsel plötzlich ganz woanders befindet.

Auch die Figuren wirken insgesamt unausgereift und man spürt die damalige Phase in der Entstehung von Manga. Ihre Entscheidungen wirken häufig wenig nachvollziehbar. Oft scheinen sie offensichtliche Schlussfolgerungen nicht zu ziehen, obwohl diese bereits klar erkennbar sind. Dies verstärkt den Eindruck, dass bestimmte Entwicklungen vor allem dazu dienen, die Geschichte künstlich in die Länge zu ziehen. Gerade der Protagonist Hajime bleibt dabei überraschend blass und schwer greifbar. Trotz seiner zentralen Rolle fällt es schwer, eine emotionale Bindung zu ihm aufzubauen, da er oft passiv wirkt und wenig Eigeninitiative zeigt.

Stärker gelingt Matsumoto die Inszenierung von Yayoi Yukino. Sie fungiert als treibende Kraft der Handlung und sorgt für einige der interessantesten Momente des ersten Bandes. Durch sie erhält die Geschichte zusätzliche Tiefe und einen Hauch von Geheimnis, der neugierig macht und zum Weiterlesen motiviert.

Auch visuell ist “Die Königin der 1000 Jahre” klar als Werk seiner Zeit erkennbar. Der Zeichenstil ist noch eher “cartoonartig”. Leiji Matsumoto arbeitet mit klaren Linien, ausdrucksstarken Gesichtern und einem starken Fokus auf technische und kosmische Kulissen. Für Fans klassischer Mangaästhetik besitzt das Artwork einen hohen nostalgischen Wert. Diejenigen, die moderne, dynamische oder stark detaillierte Zeichnungen gewohnt sind, könnten den Stil jedoch als altmodisch empfinden.

Die Ausgabe von Carlsen Manga unterstreicht den Klassikerstatus des Mangas zusätzlich. Der Band erscheint im großformatigen Hardcover mit zahlreichen Farbseiten und einem beiliegenden Poster. Die hochwertige Aufmachung richtet sich klar an ein erwachsenes Publikum und Sammlerinnen und Sammler. Mit einem Preis von 24 Euro ist die Ausgabe kein Spontankauf, sondern eine bewusste Entscheidung.

Fazit

Insgesamt ist “Die Königin der 1000 Jahre” ein Werk, das man nur schwer nach heutigen Maßstäben bewerten kann. Erzählerisch weist der Manga deutliche Schwächen auf, insbesondere in Bezug auf Tempo, Klarheit und Figurenzeichnung.

Gleichzeitig ist seine Bedeutung für das Genre und sein Einfluss auf spätere Werke nicht zu unterschätzen. Wer Geduld mitbringt, sich auf eine andere Erzählweise einlassen kann und Interesse an der Entwicklung des Mediums Manga hat, wird hier ein Stück Science-Fiction-Geschichte entdecken. Für Jüngere oder Fans moderner Erzählstrukturen dürfte der Einstieg hingegen deutlich schwieriger ausfallen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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