Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Manga-Rezension: Dorohedoro (Band 1)

Dorohedoro (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Dorohedoro von Mangaka Q-Hayashida startete bereits im Jahr 2000 und erschien über 18 Jahre in verschiedenen Seinen-Magazinen vom Shogakukan-Verlag. Der Manga wurde seit dem Januar 2002 bis zum November 2018 in insgesamt 23 Bänden veröffentlicht.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Reihe vor allem nach dem Netflix-Anime im Jahr 2020. Auf Deutsch erscheint die Serie seit August 2021 bei Manga Cult. Im ersten Band werden drei Bände enthalten sein, die übrigen Bände bestehen aus jeweils zwei Bänden der Orginalausgabe. Damit wird die deutsche Veröffentlichung am Ende elf Bände umfassen.

Neben der regulären Ausgabe gibt es eine auf 666 Exemplare beschränkte Limited-Edition. Neben einem Neon-Schutzumschlag liegen darin drei Artprints bei.

Q-Hayashida gab ihr Manga-Debüt mit Maken X Another, einer Adaption des Videospiels Maken X aus dem Jahr 1999, die im Monthly Magazine Z veröffentlicht wurde. Während dieser Zeit begann sie auch mit ihrer eigenen Serie Dorohedoro, die bis heute ihre längste Arbeit sein sollte.

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Text/Zeichnungen: Q-Hayashida | Originaltitel: Dorohedoro | Verlag: Manga Cult | Zielgruppe: Seinen | Genre: Fantasy, Action | Preis: 15,00€ | Großformat | In elf Sammelbänden abgeschlossen | Weitere Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Die Welt von Dorohedoro ist zweigeteilt: Auf der einen Seite gibt es die Welt der Magier und auf der anderen Seite die Welt der Nicht-Magier: “Das Loch”. Diese beiden Welten sind voneinander getrennt, und die einzige Möglichkeit, von der einen in die andere zu gelangen, besteht darin, eine Tür erscheinen zu lassen. Dazu sind dank ihrer Magie nur die Zauberer in der Lage. Die Magier gehen ins Loch, um an den Einwohnern zu experimentieren, von denen die meisten nicht in der Lage sind, sich gegen Magie zu wehren.

Das Loch ist das Jagdrevier von Caiman, der ein Opfer eines solchen Magie-Überfalls ist. Caimans Kopf wurde in eine riesige Eidechse verwandelt, und er hat keine Erinnerung an das Leben vor seiner Verwandlung. Deshalb hat er sich auf die Suche gemacht, um den Zauber, der ihm auferlegt wurde, rückgängig zu machen.

Auf dem Weg dorthin hofft er, so viele Zauberer wie möglich gewaltsam auszuschalten. An seiner Seite hat Caiman seine Freundin Nikaido, die selbst ein Geheimnis hütet. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Zauberern im Loch den Kampf anzusagen. Damit haben sie sich allerdings auch zur Zielscheibe gemacht.
Nachdem sie sich mit dem falschen Zauberer angelegt haben, werden Caiman und Nikaido von En verfolgt, zu dessen magischen Fähigkeiten es gehört, Menschen und Gegenstände in Pilze zu verwandeln. En schickt zwei seiner Cleaner, Shin und Noi, um Caiman zu töten und die Identität des Zauberers herauszufinden, der Caiman mit dem Echsenkopf-Fluch belegt hat.

Die Prämisse von Dorohedoro ist so skurril wie sein Name. Dorohedoro spielt in einem Universum, in dem Cyberpunk und Fantasy zu einer explosiven Mischung verschmelzen.

In den ersten Panels von Dorohedoro sehen die Leser*innen, wie Caiman einen Magier verschlingt. In seinem Inneren scheint eine weitere Person zu sein, die feststellt, dass der Verschlungene nicht derjenige ist, den man sucht. Caiman spuckt den Magier wieder aus und fragt, was der Mann in seinem Mund zu ihm gesagt hat. Als dieser wiederholt, was ihm gesagt wurde, kommt Caiman zu dem Schluss, dass “er nicht mehr gebraucht wird” und zerschneidet den Magier in Stücke. Der schafft es, in einem letzten Akt seiner Begleitung durch eine Tür zur Flucht zu verhelfen.

Mit diesen wenigen Panels zeigt die Mangaka, dass sie in ihrem Manga nicht vor Gewaltdarstellung zurückschreckt. Das Loch ist ein dunkler Ort, voller Gewalt und Leid, in dem es auch ohne die Angriffe durch die Magier um das nackte Überleben geht. Die Darsgtellung geht Hand in Hand mit der Darstellung des Lochs, einem schmutzigen, durchnässten Ort, an dem alles schäbig und verkommen ist, einschließlich der Tatsache, dass Menschen oft Gegenstand von Experimenten der Magier sind und in groteske Monster verwandelt werden.

Q-Hayashida konzentriert sich in dem ersten Teil der 3-in-1-Ausgabe vor allem auf diesen Ort und stellt ihn der Leserschaft vor. Durch all das Leid, was Caiman und Nikaido tagtäglich erleben, ist es so mehr als nachvollziehbar, dass sie auf Rache aus sind. Was zunächst wie eine Splatter-Rachegeschichte aussieht, bekommt mit den Seiten immer mehr Tiefe und es werden immer mehr Schichten in dem Wordbuilding sichtbar.

Der Mangaka ist es gelungen, eine guterdachte Welt zu erschaffen: Die Dualität zwischen den beiden Welten ist sehr interessant, ebenso wie der Hass der Bewohner der jeweils anderen Welt.

Verfolgt man zunächst vor allem auf Caiman und Nikaido, wendet sich Q-Hayashida mit der Zeit auch den Magiern um Gruppenführer En zu und verpasst es dabei nicht, auch ihnen Tiefe zu verleihen. Im ersten Omnibus-Band erfährt die Leserschaft einiges über die Cleaner Shin und Noi und man kann nicht anders, als auch sie auf eine kuriose Art und Weise ins Herz zu schließen. Jeder Magier hat eine ganz besondere Kraft, die sich von den anderen unterscheidet, und die Autorin zeigt viel Fantasie, wenn es darum geht, die magischen Fähigkeiten ihrer Figuren zu entwickeln.

Die Tatsache, dass man zwei verschiedenen Gruppen folgt, führt allerdings auch dazu, dass von der Leserschaft viel Aufmerksamkeit verlangt wird, denn die Szenenwechsel gestaltet Q-Hayashida oft mit einem harten Schnitt. War man in einem Panel noch im Loch, spielt der nächste Panel in der Welt der Magier.

Der erste Sammelband strotzt vor einer spannungsreichen Geschichte und weiß bereits mit vielen Entwicklungen, Geheimnissen und Wendungen zu überzeugen, die die Leser*innen an der Stange halten. In Dorohedoro geht es um Zauberer, um Unterdrückte, um Familie, um Rache, um Geheimnisse und um Bandenkriege.

Die Zeichnungen passen perfekt zu der Welt und der Geschichte. Sie sind rau und lebendig. Q- Hayashida verwendet starke und dennoch detaillierte Linien, die der post-apokalyptischen und surrealen Welt Leben einhauchen. Die Geschichte ist sehr roh und gewalttätig, womit sie in einer perfekten Symbiose mit dem Zeichenstil steht.

Obwohl sich ein Großteil der Begeisterung für Dorohedoro darauf konzentriert, wie wild und gewalttätig die Reihe ist, kann es leicht untergehen, dass Q-Hayashida auch in ihrem Paneling einen hervorragenden Job macht. So findet man in der Sammelausgabe zahlreiche clever und kreativ angelegte Seiten. Auf einer Seite bildet die Mangaka in zahlreichen kleinen Panels die Heilung eines Charakters ab. Auf einer anderen Seite verfolgen die Leser*innen in nur einem großen Panel die Suche von Caiman und Nikaido nach einer bestimmten Person.

Der Band wird von Manga Cult im üblichen Großformat gebracht und weiß trotz über 500 Seite durch ein gutes Handling zu überzeugen. Die Seiten sind dick genug, dass nichts von der anderen Seite durchscheint, aber nicht zu schwer, so dass der Band unnötiges Gewicht tragen muss. Positiv hervorzuheben ist auch die Bindung. Der Band kann weit aufgeschlagen werden, ohne dass man als Leser*in einen gebrochenen Buchrücken befürchten muss. Der Einband ist mit einem Spottlack-Effekt auf dem Schuppenmuster versehen.

Fazit

Q-Hayashida liefert im ersten Band von Dorohedoro einen interessanten und mitreißenden Auftakt ab. Die Mangaka wirft ihre Leser*innen in eine dunkle, skurrile und wilde Welt und entwickelt eine spannende Geschichte mit frischen Charakteren.

Mich konnte der Auftakt definitiv packen und ich bin schon gespannt, womit uns Q-Hayashida im zweiten Sammelband überraschen wird.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Manga Cult zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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