Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Rezension - Dorohedoro (Band 2)

Dorohedoro (Band 2)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Q-Hayashida gab ihr Manga-Debüt mit Maken X Another, einer Adaption des Videospiels Maken X aus dem Jahr 1999, die im Monthly Magazine Z veröffentlicht wurde. Während dieser Zeit begann sie auch mit ihrer eigenen Serie Dorohedoro, die bis heute ihre längste Arbeit sein sollte.

Der Manga lief vom November 2000 bis zum September 2018 in der Gessan vom Verlagshaus Shogakukan. Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Reihe vor allem nach dem Netflix-Anime im Jahr 2020.

Auf Deutsch erscheint die Serie seit August 2021 bei Manga Cult. Im ersten Band werden drei Bände enthalten sein, die übrigen Bände bestehen aus jeweils zwei Bänden der Originalausgabe. Damit wird die deutsche Veröffentlichung am Ende elf Bände umfassen.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu Band eins rein.

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Text/Zeichnungen: Q-Hayashida | Originaltitel: Dorohedoro | Übersetzung: Sascha Mandler | Verlag: Manga Cult | Zielgruppe: Seinen | Genre: Fantasy, Action | Preis: 15,00€ | Großformat | In elf Sammelbänden abgeschlossen | Weitere Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Caiman und Nikaido kehren zum Loch zurück, wo es Doc und Kasukabe gelingt, Nikaido von ihrer tödlichen Pilzkrankheit zu heilen. Auch Fujita kehrt in das Loch zurück, um Caiman endlich selbst zu töten. Er ist nahe dran, als er für ein Baseballspiel zwischen dem Zentralkrankenhaus und der Heiwa-Klinik rekrutiert wird, aber seine Pläne ändern sich, als er einen alten Freund entdeckt. Währenddessen verwandelt sich Noi in der Dimension des Zauberers durch einen kleinen Unfall in ein abscheuliches Monster. Es ist an Shin, sie aufzuhalten, bevor sie alle umbringt.

Alle sind auf der Suche nach einem bestimmten Menschen: Überzeugt davon, dass Risu der Schlüssel zu seiner Vergangenheit (und seinem Kopf) ist, macht sich Caiman auf eigene Faust auf den Weg in die Dimension der Magier. Während er Risu jagt, findet er heraus, dass sich die Magier auf die “Blaue Nacht” vorbereiten. Ein Fest, bei dem sie ihre Partner finden.

In der Zwischenzeit sucht Risu nach seinem alten Partner Aikawa, um herauszufinden, was er über die Leute wissen könnte, die ihn getötet haben. Shin und Noi werden beide von Magiern gejagt, die sie schon lange als Partner begehren. En sucht derweil unerbittlich einen Magier, der die Zeit manipulieren kann. Und Fujita ist auf der Suche nach… nun ja, jedem Partner, der ihn haben will.

Der Reiz dieser Serie ist schwer in Worte zu fassen, weil alles so eigenwillig erscheint. Die Handlung entwickelt sich nach einer geheimnisvollen inneren Logik, die schwer vorhersehbar und dennoch befriedigend ist.

Auch im zweiten Band zeigt sich wieder, dass Q-Hayashida einen einzigartigen Stil des Erzählens hat. Die Mangaka erforscht ihre Welt und obwohl es einen roten Faden gibt, scheut sie nicht davor zurück, auch mal vom Weg abzukommen, eine Pause einzulegen und Stränge zu zeigen, die völlig losgelöst von der Haupthandlung zu sein scheinen. Das große Ganze fügt sich letztendlich aus einzelnen Szenen und Handlungsschnipseln zusammen.

Nikaidos Aufenthalt im Krankenhaus führt die Leser*innen in einer Rückblende zurück in die Zeit, in der gezeigt wird, wie die Feindseligkeit zwischen den Zauberern und den Bürgern des Lochs entstanden ist. Ist diese Sequenz vorbei, stürzt die Mangaka die Leserschaft in eine wilde Actionsequenz, in der es drunter und drüber geht. Dann ist da noch ein Baseballspiel, was zunächst wie große Zeitverschwendung oder leichte Zwischenunterhaltung wirkt, aber dennoch in gewisser Weise dazu führt, dass sich die Geschichte vorangetrieben wird.

Im Laufe dieses Bandes muss Caiman sich zu einer Entscheidung durchringen, ob die Tatsache, dass Nikaido möglicherweise eine Magierin ist, ihre Beziehung auf irgendeiner Weise verändern könnte. Gleichzeitig trifft er die Entscheidung, noch einmal alleine in die Welt der Magier zu gehen und sich undercover auf Spurensuche zu begeben. Dort muss der Protagonist lernen, sich in einer anderen Gesellschaft zurechtzufinden, ohne jeden zu ermorden, den er trifft, weil er Magier ist.

Obwohl er Magier immer noch hasst, versteht er langsam, dass es nicht viele Unterschiede zu geben scheint: Die Menschen in dieser anderen Dimension sind in die Mächtigen, die Mittelschicht und die Unterdrückten unterteilt sind und den Machtlosen scheint es nicht viel besser zu gehen als dem Durchschnittsbewohner des Lochs.

Darüber hinaus erfahren wir eine Menge über Shin und Noi und werfen einen Blick in ihre jeweiligen Geschichten. Dadurch bekommen beide Charaktere deutlich mehr Tiefe und ihre jeweiligen Motive sind für die Leserschaft nachvollziehbar. So ist Shin im Loch aufgewachsen, als Sohn einer Magierin und eines normalen Mannes. In Anbetracht der damaligen feindseligen Situation gegenüber Zauberern wurde Shin schnell verraten.

Shin wendet sich dadurch schließlich vom Loch ab und schwört Rache zu nehmen. Nach seiner Flucht in die Magierwelt kreuzt sein Weg sich schließlich mit dem von Noi, die ebenfalls ein festes Ziel vor Augen hat, dieses letztendlich aber für Shin opfert.

Wir erhalten einige konkrete Hinweise darauf, wer und was für die Verwandlung von Caiman in einen Echsenmenschen verantwortlich war.

Q-Hayashidas detaillierter und doch “schmutziger” Stil passt perfekt zu der Welt und der Geschichte. Sie verwendet starke und dennoch detaillierte Linien, die der post-apokalyptischen und surrealen Welt Leben einhauchen. Die Geschichte ist sehr roh und gewalttätig, womit sie in einer perfekten Symbiose mit dem Zeichenstil steht.

Auch die Monstergestaltung ist ein Highlight der Serie, wobei sich sechs Fuß große Kakerlaken und Mensch-Echsen-Hybriden als ebenso faszinierend wie grotesk erweisen.

Fazit

Blutrünstig und gewalttätig, aber auch witzig und fesselnd, das ist Dorohedoro!

Spätestens im zweiten Band der Sammel-Edition wird klar, dass Q-Hayashida einen ganz eigenwilligen Stil hat. Die Mangaka erforscht ihre Welt und obwohl es einen roten Faden gibt, scheut sie nicht davor, auch mal vom Weg abzukommen und über etwas völlig Nebensächliches zu berichten. Oder um es mit ihren Worten zu sagen: Es bleibt chaotisch!

Dennoch ist es ein spannender Titel, mit einer besonders gelungenen Atmosphäre, die sehr gut durch den grafischen Stil der Mangaka gut umgesetzt wird.

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Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1

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