Yokai-Geschichten sind etwas, mit dem man mich immer kriegen kann. Nachdem ich auf Ghostly Things aufmerksam wurde, war für mich schnell klar, dass ich die Reihe testen möchte. Die Cover sind wunderschön und atmosphärisch gestaltet. Doch kann der Inhalt mit dem Äußeren mithalten? Dem möchte ich heute in meiner Rezension auf den Grund gehen.

Ghostly Things erschien in Japan unter dem Titel Ayashikotogatari von Februar 2018 bis April 2020 im Magazin “Mag Comi” des japanisches Verlags Mag Garden. In der Sammelausgabe ist der Titel in drei Bänden abgeschlossen. Die Lizenz für den deutschen Markt sicherte sich Carlsen Manga.

Für Mangaka Ushio Shirotori ist Ghostly Things ihre erste offizielle Veröffentlichung auf dem japanischen Markt. Aktuell arbeitet sie an einem neuen Titel im Fantasy-Bereich.

Story&Zeichnungen: Ushio Shirotori | Originaltitel: Ayashikotogatari | Zielgruppe: Shonen | Genre: Drama, Mystery, Slice-of-Life | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 7,00€ | Mehr Informationen & Leseprobe

Inhalt

Da ihr Vater in Übersee auf Forschungsreise ist und ihre Mutter schon lange vermisst wird, zieht Oberschülerin Yachiho Takahara ganz alleine in ein altes Haus, welches ihr Vater gekauft hat. Dort soll es Gerüchten zufolge spuken. Aber irgendwo soll sich auch die “Schrift des Totenreichs” befinden, die Yachiho unbedingt finden möchte. Schnell aber muss sie feststellen, dass an den Gerüchten mehr dran ist, als sie zunächst vermutet.

Wie war’s?

Yachihos Vater ist in Übersee und sie bezieht alleine ein neues Haus, in welchem es angeblich spuken soll. Es dauert nicht lange und sie erfährt, dass an den Gerüchten wirklich etwas dran ist. Yokai gibt es in dem Haus gleich einige und noch dazu scheint sich dort der Übergang in die Geisterwelt zu befinden, welcher von einem Yokai mit dem Namen Moro bewacht wird.

Nachdem Yachiho ihren ersten Schreck überwunden hat, lernt sie Moro und die Yokai näher kennen und beginnt mit ihnen in einer Art Koexistenz zu leben. Auch stellt sie Moro als ihre Assistentin ein. Neben ihrer Tätigkeit an der Seite von Moro ist Yachiro auf der Suche nach einem speziellen Buch, welches einer der Vorbesitzer hinterlassen hat und ihrem Vater und ihr helfen soll, ein Geheimnis um ihre Mutter zu lüften.

Die ersten Kapitel verlaufen recht ruhig und die Leser*innen und Yachiho werden in die mystische Umgebung des Hauses eingeführt. Umso mehr der Manga voranschreitet, desto mehr scheint sich Yachiho, sich wirklich voll einzubringen und hilft den Yokai, wo immer sie kann.

Zur Mitte des ersten Bandes werden einige übergreifende Handlung mit hineingenommen, die in den folgenden Bänden noch für Spannung sorgen könnten. Die Leser*innen erfahren etwas mehr über einen der vorherigen Besitzer des Hauses, der auch die Fähigkeit besaß, Yokai zu sehen. Wenig später tritt mit Kamo-san ein neuer Charakter auf. Er ist ein junger Mann, der mit dem früheren Besitzer eng befreundet war und früher Yokai liebte. Diese Einstellung aber hat sich inzwischen völlig verändert und er scheint den Wesen nur noch Verachtung entgegenzubringen. Er sieht sie als etwas an, was nicht beschützt, sondern benutzt werden sollte. Wie es zu dieser Veränderung kam, ist bisher noch nicht enthüllt. Klar ist aber, er ist wie Yachiho auf der Suche nach einem mysteriösen Buch, welches sich in dem Haus befinden soll.
Auch um Moro gibt es ein Geheimnis, auf welches bisher noch nicht näher eingegangen wurde.

Der Manga besitzt zwar einen übergreifenden Handlungsstrang, ist ins ich aber recht episodisch aufgebaut. In jedem Kapitel gibt es einen Yokai, um den sich Moro und Yachiro intensiv kümmern. Das Tempo, in dem die Handlung voranschreitet, ist dabei aber ein wenig unregelmäßig. Es gibt Elemente und Kapitel, die werden sehr schnell erzählt, ebenso gibt es Kapitel, die ein langsames Erzähltempo haben und sich in Richtung Slice-of-Life bewegen. Leider trifft das schnelle Tempo häufig auf die, für die übergreifende Handlung relevanten, Kapitel zu, denen man mehr Aufmerksamkeit hätte schenken können.

Mit Yachiho hat man in diesem Shonen-Titel eine weibliche Protagonistin. Sie es ein freundliches, mutiges Mädchen, die über den Band wächst und sich immer mehr für die Geister in ihrem Haus interessiert. Sie strebt eine Koexistenz mit den Naturgeistern an und passt sich schnell an die seltsamen Gegebenheiten in dem alten Haus an. Dennoch schafft sie es nicht, Eigenschaften mitzubringen, mit der sie die Leser*innen mitreißen kann. Yachiho ist zwar durchaus sympathisch, aber auch sehr generisch. Neben ihr gibt es zahlreiche Nebenfiguren, einschließlich Moro und Kamo, bei denen bislang aber nur an der Oberfläche gekratzt wurde und die noch nicht viele Eigenschaften besitzen, die sie auszeichnen.

Ushio Shirotoris Zeichenstil passt sehr gut zu der Geschichte. Der Stil ist auf der einen Seite klar und deutlich aber was Hintergründe angeht auch recht einfach. Die wenigen, auftretenden Menschen sind individuell gestaltet. Auch das Design der Geister, wenn es sich auch an bekannten Yokai-Designs orientiert, passt sehr gut zur Geschichte und dem Zeichenstil von Shirotori. In der Summe gibt es einige sehr große Panels, die die Aufmerksamkeit der Leser*innen gekonnt auf sich ziehen können.

In der Ausstattung hat sich Carlsen Manga für die Umsetzung im Taschenbuchformat entschieden. Als Extra hat der Manga eine Farbseite zu Beginn des Bandes erhalten. Auch das darauffolgende Inhaltsverzeichnis ist farblich gestaltet.

Fazit

Für mich war der erste Band von Ghostly Things solides Mittelmaß. Es gibt Dinge, die mich dabei halten und über die ich mehr erfahren möchte. Gleichzeitig fehlt es an einigen Stellen aber doch an Tiefe und da die Reihe nur auf drei Bände kommt, ist nicht damit zu rechnen, dass sich noch viel tun wird.

Empfehlen würde ich Ghostly Things Fans von ruhigeren Yokai-Geschichten, die eine entspannte Atmosphäre mit einem Hauch von Mystery suchen.

Vielen Dank an Carlsen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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