Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Kokoro

Kokoro – Der verborgene Klang der Dinge

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Der Autor Igort ist ein bekannter Name der internationalen Comic-, Verlags- und Musikszene und auch in Deutschland sind bereits zahlreiche Comics von ihm erschienen. Kokoro ist dabei keinesfalls das erste Mal, dass er sich der japanischen Kultur zuwendet. Igort hatte bereits einen Reisebericht über seinen Aufenthalt in Japan veröffentlicht. Dieser ist wie auch einige andere Igort-Titel ebenfalls bei Reprodukt erhältlich.

ECKDATEN ZUM TITEL

Text & Zeichnungen
: Igort
Originaltitel: Kokoro – Il suono nascosto delle cose
Genre: Autobiografie, Historisch
Verlag: Reprodukt
Preis: 24€

abgeschlossen in einem Band

Weitere Informationen & Leseprobe

Wie war’s?

Der Band ist horizontal ausgerichtet. Der Grundgedanke dahinter war, dass es zunächst ein Bilderbuch werden sollte. Es sollte horizontal ausgerichtet werden, damit die Größen mit dem Aquarellblock, den er normalerweise verwendet, übereinstimmen. Es sollten Bilder in ihrem Ursprung gezeigt werden. Ohne Beschnitte, ohne Verkleinerungen. Im Bearbeitungsprozess fügten sich immer mehr Fragmente hinzu und es wurde zu einer Sammlung aus Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen. Die auf spontane, instinktive Weise entstehen. Fragmente, die nach dem Kokoro miteinander verbunden sind, ein Wort, das auf Japanisch Herz bedeutet, aber einen größeren Sinn hat, als wir es im Westen gewohnt sind. Es ist Sitz der Gefühle, Emotionen, des Geistes.

Zum Großteil beinhaltet Kokoro auf der rechten Seite eine große Aquarell-Zeichnung, während auf der linken Seite kleine Textfragmente und kleinere Zeichnungen zu finden sind, die das Geschriebene und gezeigte unterstützen. Ebenso gibt es aber auch Doppelseiten, die komplett durch beeindruckende Zeichnungen Igorts gefüllt werden.

Kokoro ist eine Reise durch die Kultur Japans und hat dabei viel zu bieten: Sei es Musik, Literatur, das spirituelle Verständnis oder aber die Welt der Manga. Das Fundament bilden Erinnerung sowie die Begegnungen mit einigen wichtigen Vertretern der japanischen Kultur: Von Regisseur Yasujiro Ozu über Mangaka Katsuhiro Otomo, dem Musiker Ryuichi Sakamoto, hin zur “Queen des Mangas” Rumiko Takahashi und den ruhigen, zurückgezogenen Tadao Tsuge. Dazwischen eingeflochten sind Begegnung mit einigen typisch japanischen Phänomenen wie Kawaii und Ganguro sowie der Welt der japanischen Geister und Monster, den Yokai.

Igort verpasst es dabei nicht, auch auf den Wandel der japanischen Kultur einzugehen, welche diese insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg durch Einflüsse der Besatzungsmacht Amerika erlebte. Anschaulich vermittelt an großen Persönlichkeiten wie zum Beispiel den Autor Osamu Dazai oder aber Tadao Tsuge. Er ist der jüngere Bruder von dem bekannteren Yoshiharu Tsuge und berichtet Igort in einem Treffen von seiner Kindheit und seinem Schaffen als Mangakünstler sowie den Themen, die ihn und seinen Bruder damals umtrieben.

Was das Buch so authentisch macht, ist vor allem die Tatsache, dass Igort nicht nur ein bloßer Tourist ist. Als einer der ersten westlichen Comiczeichner durfte Igort in den 1990er Jahren für einen japanischen Manga-Verlag arbeiten und lebte sechs Jahre in Tokio. Eben dadurch bekommt der Leser auch Einblick hinter die Kulissen eines Verlages und das Arbeitspensum, welches Redakteure und andere Verlagsmitarbeiter absolvieren. Ebenso spürt man Igorts Leidenschaft und seine Bereitschaft, in das kulturelle System Japans einzutauchen und es zu verstehen. Eine Leidenschaft, die er die Leser*innen über das gesamte Werk spüren lässt.

Eine Leidenschaft, die er auch für seine Zeichnungen zu haben scheint. Insbesondere die großen Aquarelle besitzen eine dichte Atmosphäre, die eine regelrechte Sogwirkung entwickeln. Die Bandbreite ist dabei unterschiedlich: Mal Industrielandschaft, mal alte Geister, bekannte Persönlichkeiten oder aber Szenen aus Ghibli-Filmen.

Was Igort im Inneren liefert, spiegelt Reprodukt im Äußeren wider. Der Band kommt in einem edel wirkenden Hardcover. Zudem ist das Buch komplett in Farbe gehalten und auf mattem, festem Papier gedruckt.

Fazit & Bewertung

Kokoro ist eine Reise in das Innere Japans, das auf Fragmenten von Bildern, Informationen, Notizen und Reiseerlebnissen basiert und manchmal mit autobiografischen Elementen gespickt ist. Auch deshalb lässt das Werk den Leser tief in die japanische Kultur blicken. Wer sich mit Japan beschäftigt, dem dürften einige Dinge sicherlich nicht neu sein, dennoch können auch diese Leser*innen durch persönliche Ergebnisse Igorts Neues entdecken.

Auch wenn es sich bei Kokoro keineswegs um einen Manga handelt, ist der Band aus meiner Sicht auch Mangaleser*innen wärmstens zu Empfehlen. Nicht nur erzählt Igort von Treffen mit Größen der japanischen Mangageschichte, sondern gewährt auch einen Blick in die Verlagswelt und die Arbeitsweisen.

Kokoro ist ein Werk, welches sich hervorragend eignet, um mehr über Japan zu erfahren, oder um einfach in den wundervollen, atmosphärischen Aquarellen von Igort zu schwelgen.

Vielen Dank an Reprodukt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Schreibe einen Kommentar