Blade of the Immortal - Rezension Band 1

Blade of the Immortal erzählt die Geschichte des verfluchten Samurai Manji, der 1.000 böse Menschen töten muss, um seine Sterblichkeit zurückzuerlangen. Begleitet wird der von dem 16-jährigen Mädchen Rin, welches nach Rache trachtet. Ob das reicht, für eine Geschichte von 30 Bänden, dem möchte ich in meiner Rezension auf den Grund gehen.

Eine Sache, die einem begegnet, wenn man Manga sammelt, ist diejenige, dass einige vielgelobte und für den Mangamarkt bedeutende Reihen vergriffen sind. Wenn man sie seiner Sammlung hinzufügen möchte, dann heißt es oft, tief in die Tasche greifen. Die Preise werden auf Verkaufsplattformen in die Höhe getrieben, so dass man am Ende doch meist verzichtet. Umso glücklicher ist man als Fan dann, wenn eine Neuedition von einer Reihe angekündigt wird, die man schon länger im Blick hat.

Im Fall von Blade of the Immortal hat sich Manga Cult dem Klassiker angenommen, der schon vor einiger Zeit bei Egmont Manga erschien, inzwischen aber verlagsvergriffen ist. Geplant ist eine Umsetzung in 15 hochwertigen Doppelbänden. Der Zeitpunkt könnte dabei nicht besser gewählt sein, erschien doch jüngst die dritte Adaption von Hiroaki Samuras Manga. Nach einer Animeserie aus dem Jahr 2008 wurde der Manga 2017 in einer Live-Action-Adaption umgesetzt. In diesem Jahr folgte eine neue Anime-Adaption bei Amazon. In Japan erschien der Manga von 1993 und 2013 beim Kodansha-Verlag.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Hiroaki Samura
Originaltitel: Mugen no Juunin
Kategorie: Seinen | Genre: Fantasy, Historisch, Action
Verlag: Manga Cult
Preis: 25,00 € | Großformat

In 15 Bänden abgeschlossen
Weitere Informationen & Leseprobe zum Band

Worum geht’s?

Japan 1782: In der Tokugawa-Zeit wandert der Schwertkämpfer Manji durch’s Land und ist in so manchen Kampf verwickelt. Nach einer Begegnung mit einer mysteriösen 800 Jahre alten Nonne ist er mit „Blutwürmern“ infiziert, die jede Verletzung reparieren und ihn unsterblich machen. Nach einem Schicksalsschlag entscheidet sich Manji, dass er als Buße für all seine Morde gegen gute Menschen von nun an 1.000 böse Männer töten muss, um vom Fluch des Blutwurms befreit zu werden und sterben zu dürfen. Eine gute Gelegenheit ergibt sich, als Rin, ein junges Mädchen, dessen Familie ermordet wurde, ihn aufspürt und anstellt, um sie bei ihrer Rache zu unterstützen.

Wie war’s?

Das Erste, was in den Blick fällt, sobald man den Band in der Hand hält, ist der detaillierte Zeichenstil auf dem Umschlag und in dem Manga selbst. Samuras Artwork ist atemberaubend und jeder noch so kleine Panel scheint im Detail von dem Mangaka ausgearbeitet worden zu sein. Samura schraffiert Charaktere und Hintergründe mit Bleistift. Die dünnen Linien haben etwas rohes und kantiges, womit er dem Charakterdesign und den Panels sehr viel Tiefe verleihen kann.
In der Summe arbeitet Samura wenig mit Rasterfolien, sondern es gelingt ihm, einzig durch die Identität der Linien die Kontraste passend zu setzen. Auch in den Actionszenen weiß der Mangaka seinen Stil zu nutzen und schafft durch gezielt gesetzte Striche eine Dynamik in der Bewegung.

Der Mangaka setzt zudem häufig größere Panel ein, die bestimmte Szenen noch deutlicher in den Vordergrund rücken. In Kämpfen finden zudem häufig Double Splashs ihre Anwendung, heißt ein Panel, der sich über eine Doppelseite erstreckt. Einige dieser Artworks werden zudem mit einem geschmückten Rahmen versehen, der sie noch einmal gesondert hervorhebt und wie eine eigenständige Illustration wirken lassen. In der Summe hat Samura eine Panelabfolge, der sich leicht folgen lässt und die dem Zeitgefühl der jeweiligen Situation angepasst ist.

Das Storytelling braucht eine Weile, bis es nicht mehr wacklig wirkt. Das Konzept ist dabei aber durchaus interessant. Manji, ein Samurai hat hundert gute Menschen getötet und in seinem Körper befinden sich eigenartige Würmer, die dafür sorgen, dass er nicht sterben kann. Doch was sich zunächst wie ein Segen anhört, ist für ihn eher ein Fluch. Er beschließt, dass er jetzt 1.000 böse Menschen töten muss, um die 100 Todesfälle zu büßen, für die er verantwortlich ist. Durch eine Fügung kommt es zum Treffen mit Rin, die ihn beauftragt, sie zu beschützen und ihr zur Seite zu stehen, während sie Rache an den Mördern ihrer Eltern nehmen möchte.

Besonders in den ersten Kapiteln fällt es allerdings schwer, den Ereignissen zu folgen. Der Zeitpunkt der Ereignisse ist unklar, es wird zwischen der eigentlichen Geschichte und Rückblenden gewechselt, ohne dass es wirklich erkennbar ist und aus dem Nichts wird ein Mord eingestreut, der zum treibenden Faktor des Hauptcharakters werden soll, aber nicht wirklich den Raum im Storytellig erhält, den es bräuchte, um wirklich herauszustechen zwischen anderen Ereignissen in dem Band.

Sobald Samura diese Kapitel hinter sich bringt, ist die Geschichte fesselnd und leicht zu verfolgen. Beweggründe und Handeln der Charaktere sind gut herausgearbeitet und verständlich. Auch gibt es einige interessante, philosophische Überlegungen, die der Mangaka in den ersten Band einbaut: Besessenheit, die Last der Zeit und die der Rache. Der Erzählstil gleicht dabei bislang einem Episodischen. Es gibt zwar eine übergreifende Handlung, meist treffen die Beiden aber jeweils auf einen Gegner, den es zu besiegen gilt.

Manji, der männliche Hauptcharakter der Serie ist einer der typischen Antihelden, die jedoch einen weichen Kern besitzen und mit einem gewissen Pflichtbewusstsein ausgestattet zu sein scheinen. Er ist von früheren Kämpfen gezeichnet und besitzt eine Vielzahl von Narben an seinem Körper. Obwohl Manji selbst von sich behauptet, dass er nur in seinem eigenen Interesse handelt, gibt es häufig Situationen, in denen er dieses eben nicht tut und sein wahrer Charakter zum Vorschein kommt. Sein Name, Manji, ist die japanische Bezeichnung für die Swastika, weshalb sich dieses Symbol im Manga unter anderem auf seiner Kleidung wiederfindet. Anders als in der ersten deutschen Ausgabe verzichtet Manga Cult aus Respekt gegenüber dem ursprünglichen Symbol und dessen Bedeutung darauf, dieses zu retuschieren und einzig auf dem Einband wurde es verändert. Stattdessen wurde eine ausführliche Erläuterung an das Ende des Bandes angefügt, der über die Swastika, dessen Ursprung, und den Missbrauch im Nationalsozialismus aufklärt.

Das Anfügen der Informationen ist dabei insbesondere was geschichtlich und kulturell unerfahrene Leser*innen angeht gut umgesetzt und leicht verständlich, hätte aber durchaus auch an den Anfang des Bandes gepasst, um so die Leserinnen schon vor dem Lesen zu informieren.

Auch Rin ist als Charakter durchaus komplex umgesetzt. Sie ist ein sechzehnjähriges Mädchen, das gezwungen ist, zu beobachten, wie ihr Vater ermordet wird. Gezeichnet von den Gewalttaten verlässt sie kurz darauf auch ihre Mutter. Entschlossen zur Rache, aber vom Geschick mit dem Schwert her, unfähig, die Mörder zu besiegen, sucht sie die Hilfe eines Leibwächters. Auch sie hat kein nobles Ziel und wird von der Rache getrieben.

Sehr gut gelingen Samura auch die Antagonisten, die keinesfalls schwarz-weiß gezeichnet werden, sondern viel Tiefe und nachvollziehbare Beweggründe besitzen.

In der Aufmachung wird Blade of the Immortal seiner Einordnung als Perfect Edition durchaus gerecht. Die Reihe wird zwar nicht wie andere Klassiker bei Manga Cult in einem Hardcover in Übergröße herausgebracht, liegt dadurch aber auch besser in der Hand. Der Manga wird in der üblichen Manga Cult-Softcover-Größe gebracht und hat ein besonders hochwertiges und festes Papier erhalten. Als besonders Extra wurde für die Edition ein Umschlag gewählt. Dieser hat eine raue Struktur und wirkt sehr hochwertig. Unter dem Umschlag wurde das Cover ohne Titel-Text aufgedruckt. Am Ende des Bandes können sich die Leser*innen zudem über vier Farbillustrationen freuen.

Fazit & Bewertung

Blade of the Immortal legt in den ersten Kapiteln einen doch eher holprigen Start hin und man fragt sich, was an diesem Werk so herausragend sein soll. Doch sobald der Band seinen Rhythmus findet und vor allem chronologisch erzählt wird, wird man in die Erzählung hineingezogen und kann regelrecht in die außergewöhnlichen Zeichnungen von Hiroaki Samura versinken.

Die Aufmachung sorgt dafür, dass Blade of the Immortal sich auch äußerlich sehen lassen kann und zu einem Hingucker im Regal wird. Nachdem ich in die ersten Abenteuer von Manji und Rin eintauchen durfte, bin ich schon sehr gespannt, wohin der Weg der Beiden im nächsten Band führen wird.

Vielen Dank an Manga Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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