More than a Doll - Band 1

Wakana Gojo liebt Puppen und deren Herstellung über alles, verheimlicht das Hobby aber aus Angst vor Ablehnung vor seinen Mitschülern. Umso erschrockener ist er, als Marin ihn eines Tages vor der Nähmaschine erwischt. Doch anstatt ihn auszulachen, hat sie ganz andere Pläne.

Ich gebe zu, als der Titel angekündigt wurde, war ich nicht wirklich begeistert. Insbesondere die Genre-Zuordnung Ecchi auf einigen Portalen sorgte vor allem für Abneigung, da es in den meisten Fällen eher nicht mein Fall ist. Nachdem ich mich aber mehr mit der Reihe beschäftigt habe und einige positiven Stimmen zum ersten Band kamen, habe ich der Reihe eine Chance gegeben.

More than a Doll ist eine Seinen-Reihe von Mangaka Shinichi Fukuda, für den es zugleich der erste Titel auf dem deutschen Markt ist. In Japan läuft die Reihe seit 2018 im Young Gangan-Magazin und wurde bislang in sechs Sammelbänden veröffentlicht. In Deutschland hat sich jüngst Egmont Manga die Lizenz für den Titel gesichert.

ECKDATEN ZUM MANGA
Text&Zeichnungen: Shinichi Fukuda
Originaltitel: Sono Bisque Doll wa Koi o Suru
Zielgruppe: Seinen | Genre: Romance, Slice of Life
Verlag: Egmont Manga
Preis: 7,50 €

Weitere Informationen & Leseprobe

Worum geht’s?

Wakana Gojo mag Puppen über alles und freut sich darauf, irgendwann einmal die Werkstatt seines Großvaters zu übernehmen, der auf zeremonielle Hina-Puppen spezialisiert ist. Er fühlt sich insbesondere in der Herstellung der Kleider schon sehr wohl. Er liebt, was er tut, aber seiner Leidenschaft freien Lauf lassen kann er nicht und nach einem Erlebnis in seiner Kindheit versteckt er sein Hobby vor anderen.

Dann aber tritt Marin in sein Leben, die ihn durch Zufall an einer Nähmaschine sieht. Sie ist begeistert von seinem Hobby und seinen Fähigkeiten in der Kleidungsherstellung und möchte unbedingt, dass er ihr bei ihrem aktuellen Cosplay hilft.

Wie war’s?

Gojo ist ein Einzelgänger, spricht nie viel mit anderen Mitschülern, hat keine Freunde und schon gar keine Erfahrung mit Mädchen. Als Marin ihn versehentlich anstößt, ist Gojo sichtlich nervös und weiß nicht, wie er reagieren soll. Doch als Marin dann auf sein Geheimnis stößt, stellt sich heraus, dass sie das Selbstbewusstsein hat, welches ihm fehlt und zwischen den Beiden entwickelt sich eine Freundschaft.

Während Gojo alles liebt, was mit Puppen und Nähen zu tun hat, ist nämlich Marin in diesem Bereich eher unbegabt. Die selbstbewusste Schülerin ist von seinem Können beeindruckt und fackelt nicht lange, um ihn in ihr aktuelles Cosplay-Projekt einzuspannen. Gojo weiß zunächst nicht, wie er reagieren soll, doch als er sieht, dass Marin genauso leidenschaftlich für Cosplay ist wie er für Hina-Puppen, stimmt er zu.

Der erste Band hat eine sehr ruhige Handlung und nach der ersten Begegnung des nach außen sehr ungleichen Paar, geht es vor allem darum, dass sie gemeinsam das erste Kostüm für Marin gestalten und Materialien für das Cosplay einkaufen. Gojo ist dabei sofort Feuer und Flamme und springt so manches Mal über seinen Schatten, um seiner Mitschülerin das perfekte Kostüm entwerfen zu können.

Dennoch gelingt es dem Mangaka, schon in diesem Band seinen Figuren eine gute Tiefe und markante Charaktereigenschaften zu geben. Marin Kitagawa ist ein superhübsches Mädchen und sehr beliebt bei den Mitschülern, hat aber auch einen weichen Kern und scheut sich nicht davor, über die Dinge zu reden, die sie faszinieren. Gojo indes hat genau davor Angst: Seit einer Erfahrung in den Kindertagen fürchtet er sich, dass jemand über sein ungewöhnliches Hobby und seiner Faszination zu Hina-Puppen erfährt. Doch als die Beiden aufeinanderstoßen, merkt man, dass er in durch sie neuen Mut schöpfen kann. Als Marin es erfährt, begegnet sie ihm nicht mit Abneigung, sondern zeigt sich stattdessen glücklich und fasziniert.

Auch im weiteren Verlauf merkt man, dass Gojo sich anders als Marin sehr große Gedanken darüber macht, was die Menschen um in herum von ihm denkt. Nachdem Gerüchte in der Schule aufkommen, möchte er Marin aus dem Weg gehen, die hingegen hält davon gar nichts: Gojo ist nun einmal ihr Freund und da hält sie es für völlig natürlich, mit ihm zu reden. Egal, ob dadurch vielleicht jemand die Zwei für ein Paar halten könnte.

Das Thema des leidenschaftlichen Hobbys ist der rote Faden im ersten Band und wird häufiger aufgegriffen. Dabei erfährt man auch, dass nicht nur Gojo mit seinem Hobby auf Abneigung steht, sondern dass auch Marin sich manchmal schwertut, jemand zu finden, der ihre Begeisterung gleichermaßen teilt. So erklärt sie ihm, dass es zwar einige in ihrem Umfeld gibt, die sagen, dass sie etwas “interessant” finden, wenn sie davon berichtet, dass aber selten jemand so weit gegangen sei wie Gojo und sich auch tatsächlich angesehen hat, was sie mitbringt.

Gefasst machen muss sich der Leser in der Reihe auf kleinere Fanservice-Momente. Marin wird häufig sehr erotisch dargestellt und ist über große Längen des ersten Bandes eher spärlich bekleidet. Dennoch sind es bislang keine peinlichen Fanservice-Szenen, die man unter anderem aus einigen Shonen-Manga kennt und die abgedroschen wirken. Der Mangaka baut seinen Fanservice gekonnt in die Handlung ein, so dass es nicht billig wirkt, sondern lediglich erotisch angehaucht wird. Während der Manga in den USA als “explizit” gekennzeichnet wurde, hat Egmont auf eine Alterseinstufung verzichtet.

Der Zeichenstil von Shinichi Fukuda passt sehr gut zur Thematik der Reihe. Es ist ein eher feiner, filigraner Stil, der einen Hang ins Niedliche hat. Auch einige Verzierungen durch Rasterfolie lassen sich finden. Obwohl der Manga der Zielgruppe Seinen zugehört, ist die Panelgestaltung doch eher untypisch. Während Seinen-Titel sich häufig durch abgetrennte, klare Panels kennzeichnen, setzt Fukuda auf unterschiedliche Panelgrößen und Formen, die nicht immer durch Linien umrandet sind, sondern auch mal ohne Linien auskommen und überlappen können.

Egmont Manga bringt den Titel in einem normalen Taschenbuch-Format, dafür aber mit einer schönen Coververedlung, bei der einige Elemente mit Spotlack überzogen oder durch einen Reliefdruck herausstechen. Neben einer Farbseite gibt es in dem Band eine spezielle Postkarte, auf der Marin abgedruckt ist und der Hintergrund mit einem weichen Stoff überzogen wurde.

Fazit & Bewertung

More than a Doll konnte mich im ersten Band positiv überraschen. Ich bin nicht gerade der große Fanservice-Liebhaber und hatte den Manga nur nach ein paar positiven Meinungen überhaupt auf dem Schirm. In den ersten Band hineingesehen zu haben, habe ich keinesfalls bereut. Wenn für meinen Geschmack einige erotische Szenen für diese frische Geschichte nicht nötig waren, haben sie mich aber auch nicht völlig genervt und ich habe in der Summe diesen Band einfach genossen. Ich bin gespannt, wohin die Reihe noch gehen wird und freue mich bereits darauf, Band zwei zu lesen.

Empfehlen würde ich den Band vor allem denjenigen, die gerne Romcom-Manga lesen und sich auch nicht daran stören, dass die Handlung sehr langsam voranschreitet. Durch den Fanservice aber sollte man dem Thema Erotik offen gegenüberstehen.

Vielen Dank an Egmont Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.