Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Saraba, yoki hi - Solange wir zusammen sind (Band 1)

Saraba, yoki hi – Solange wir zusammen sind (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Yuki Akaneda ist dem deutschen Publikum vor allem durch ihre Boys-Love-Reihe I Hear the Sunspot bekannt, welche sie unter dem Pseudonym Yuki Fumino veröffentlicht. Mit Solange wir zusammen sind findet nun ein etwas anderes Werk den Einzug in die deutschen Verkaufsregale. In der Reihe geht es zwar auch um Liebe, allerdings auch Tabuthemen.

Ein Punkt, weshalb ich lange darüber nachgedacht habe, ob ich den Manga ausprobieren möchte. Letztendlich wollte ich der Reihe aber eine Chance geben und schauen, wie sie mit der Thematik umgeht. An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass ich in der Rezension in euren Augen vielleicht spoilern könnte, was leider nicht anders ging, um wirklich über den Titel zu sprechen.

In Japan erscheint die Reihe seit Februar 2015 im Magazin Comic it von ASCII Mediaworks und bringt es in der Sammelausgabe inzwischen auf sechs Bände. Hierzulande erscheint die Reihe bei Carlsen Manga.

Story&Zeichnungen: Yuki Akaneda | Originaltitel: Saraba, yoki hi | Zielgruppe: Josei| Genre: Drama, Slice-of-Life | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 7,00€ | Mehr Informationen & Leseprobe

Wie war’s?

Akira und Keiichi Hirose sind ein junges Paar mit einer rosigen Zukunft. Zumindest äußerlich. Als sie in eine neue, ruhige Nachbarschaft ziehen, werden sie von den Nachbarn freudig aufgenommen und für ein frisch verheiratetes Paar gehalten. Keiichi geht dem Beruf eines Redakteurs in einem Kinderbuchverlag nach, während Akira in einem Kindergarten arbeitet. Nach außen scheinen sie ein perfektes Paar zu sein. Doch schnell zeigt sich, dass sich hinter der Fassade mehr hinter der Beziehung verbirgt. Während sie versuchen, glücklich miteinander zu leben, scheint etwas mit ihnen nicht zu stimmen. Denn den gleichen Nachnamen tragen die beiden Liebenden nicht, weil sie eine Ehe verbindet, sondern weil sie Schwester und Bruder sind.

Die Leser*innen werden in dem ersten Band mit einer sehr einfühlsamen und ruhig gezeichneten Geschichte empfangen, die über mehrere Zeitabschnitte erzählt wird. Im ersten Kapitel folgen wir einem jungen Paar, welches gerade zusammengezogen ist und in einer neuen Umgebung Fuß fasst. Aber man merkt von Anfang an, dass sie etwas verbergen. Nach und nach offenbart die Mangaka, was sich wirklich hinter der Beziehung verbirgt und es fällt schwer, sich nicht etwas unwohl in der Thematik zu fühlen. Doch Yuki Akaneda versucht nicht, Inzest zu verherrlichen, sondern eine komplexe Beziehung zu schildern. Dies gelingt vor allem durch die folgenden Kapitel, in denen sie in die Vergangenheit blickt und der Leserschaft zeigt, wie sich die Geschwister auch auf einer anderen Ebene immer näherkamen. Wobei die Geschichte die Abnormität der Gefühle der beiden Individuen deutlich macht und nichts romantisiert.

Der Mangaka gelingt es, sich dem Thema respektvoll zu nähren, und bietet einen nüchternen, subtilen und manchmal angedeuteten Erzählstil. Nur wenn man die Figuren genau beobachtet, versteht man, was sie verbindet, und sehr schnell bekommen viele Worte eine Doppeldeutigkeit. Yuki Akaneda trifft keinerlei Werturteil über ihre beiden Hauptfiguren. Sie spricht sich weder dafür noch dagegen aus, sondern skizziert stattdessen ruhig und unvoreingenommen deren Leben, ihren Alltag, ihre Entscheidung und ihre Gefühle. Gefühle, die sich langsam entwickelt haben und schließlich nicht mehr zu verleugnen waren.

Sie erzählt die Geschichte sowohl aus dem Blickwinkel von Akira als auch von Keiichi, wodurch die Leser*innen zu beiden Gefühlswelten einen Zugang finden können. Ein wenig chaotisch wirkt es, da noch eine dritte Figur einzuführen, deren Bedeutung im weiteren Verlauf der Geschichte noch abzuwarten ist.
Ein Kapitel in der Highschool-Zeit wird aus der Sicht von Akiras bester Freundin Tamaki erzählt, die selbst eine schwierige Phase erlebt und mit familiären Problemen und Druck an der Schule konfrontiert wird. Auch ihren Weg erzählt die Mangaka gefühlvoll und unaufgeregt. Gleichzeitig erhält man so eine Betrachtungsweise von außen auf das Geschwisterpaar.

Visuell passt Yuki Akanedas Zeichenstil perfekt zum Ton der Geschichte. Ihr Stil ist sehr fein und filigran, wirkt dadurch eher skizzenhaft und schon fast zerbrechlich. Akaneda schafft es, die menschlichen Interaktionen und Emotionen gut darzustellen. Die Mangaka versteht es, eine Menge Gefühle in wenigen Bildern mit einer seltenen Subtilität und Sensibilität zu vermitteln, was dazu beiträgt, ein heikles Thema gut zu präsentieren.

Auch in der Verarbeitung hebt Carlsen Manga hervor, dass es sich hierbei um keinen Mainstream-Titel handelt. Die Reihe wird – wie inzwischen einige Titel im Katalog des Hamburger Verlagshauses – in einem speziellen Umschlagpapier ausgeliefert, welches dem eines Aquarellpapiers ähnelt. Darüber hinaus gibt es eine Farbseite zum Beginn des Bandes.

Fazit

Ich hatte viel Angst, dass mir die spezielle Thematik des Titels nicht zusagen könnte. Doch die Mangaka schafft es, sich durch eine sensible und subtile Erzählweise der Komplexität der Beziehung anzunähern und ein schwieriges Thema gekonnt und ohne Werturteil zu skizzieren.

Der erste Band hat gut in die Figuren eingeführt und nun bleibt abzuwarten, wie sich die Mangaka in den Folgebänden mit der schwierigen und herausfordernden Thematik auseinandersetzen wird.

Wer melancholische, gefühlvoll erzählte Geschichten mag, für den wird Solange wir zusammen sind vielleicht der richtige Titel sein. Sollte man sich mit dem Thema Inzest schwertun, so lohnt sich zunächst der Blick in die Leseproben, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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