Rezension - Mujirushi

Mujirushi: The Sign of Dreams von Naoki Urasawa ist ein mysteriöser Drama-Manga über einen Vater, seine Tochter und ein Bild im Louvre-Museum von Paris. Ich habe mir das neuste Urasawa-Werk auf dem US-Markt genauer angeschaut und möchte euch meine Meinung nicht vorenthalten.

Naoki Urasawa gilt als einer der ganz großen Mangaka und ist insbesondere für sein Storytelling bekannt. Zu seinen berühmtesten Werken gehören Monster, 20th Century Boys, Pluto und Billy Bat. Bevor im kommenden Jahr auf dem US-Markt seine aktuellste Serie startet, kommen die Leser in diesem Jahr noch in den Genuss von zwei Einzelbändern. Den Anfang macht Mujirushi. Ein Werk, welches in Zusammenarbeit mit dem Louvre Museum in Paris entstand. Urasawa ist dabei keinesfalls der erste Mangaka, der einen Manga für das Museum schreiben konnte. Vor ihm taten das unter anderem Jiro Taniguchi oder Hirohiko Araki.

Urasawa hat für seine Manga-Serien bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter unter anderem den Eisner Award, den Max-und-Moritz-Preis und den prestigeträchtigen Shogakukan Manga Award.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Naoki Urasawa
Originaltitel: Mujirushi
Kategorie: Seinen | Genre: Drama, Mystery
Verlag: VIZ
Preis: 19,00 € | Großformat (Preis kann abweichen, da es auf englische Bücher keine Preisbindung gibt.)

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Worum geht’s?

Kamoda ist dafür bekannt, dass er bei Geschäften nicht unbedingt ein glückliches Händchen hat. Er würde alles tun, um an schnelles Geld zu kommen und als jemand ihm erzählt, dass man ein bisschen sparen kann, wenn man die Steuer nicht zahlt, glaubt er das sofort. Von dem gesparten Geld möchte er seine Frau und seine Tochter mit auf eine Kreuzfahrt nehmen. Doch eine zufällige Steuerprüfung macht alle Pläne zu Nichte und der Familie droht der Bankrott. Bald darauf entdeckt Kamoda auch noch, dass seine Frau diese Kreuzfahrt doch macht, allerdings ohne ihn und seine Tochter Kasumi.

Er hofft, mit der Massenproduktion von Masken des umstrittenen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Beverly Duncan das Blatt zu wenden, doch auch dieses Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Er ist verzweifelt, doch dann entdeckt er ein Zeichen, welches ihn zu einem mysteriösen Direktor führt, der schwört, dass er alle Träume von Kamoda und Kasumi wahrwerden lassen kann.

Wie war’s?

Mujirushi ist ein typischer Naoki Urasawa. Wer glaubt, hier einen leichten Einzelband für zwischendurch lesen zu können, der ist definitiv an der falschen Adresse, denn schnell begibt man sich in ein kontrolliertes Chaos aus verschiedensten Subplots. Auf der einen Seite haben wir die Geschichte rund um den ruinierten Vater und seine Tochter. Dazu gesellt sich die Story rund um einen erfundenen US-Politiker, der eine bizarre Mischung aus Donald Trump und Hillary Clinton ist. Dann wäre da noch die Geschichte rund um den Direktor eines kuriosen Instituts und schließlich die Story um einen Kommissar, der auf der Suche nach dem Kopf einer Kunstschmuggler-Bande ist.

Mag am Anfang viel für einen Einzelband klingen, Urasawa gelingt es aber diese einzelnen Stränge gut zu verbinden und insbesondere die Geschichte um den kuriosen Direktor verwebt sich doch recht schnell mit der der Familie. Dennoch heißt es wachsam bleiben und wenn zum Ende die Auflösung kommt, dann fügen sich die Puzzleteile zusammen und alle Subplots ergeben plötzlich einen Sinn und scheinen nicht mehr so unnötig, wie man zu Beginn geglaubt hat.

Auf die einzelnen Plots möchte ich an dieser Stelle nicht ins Detail eingehen, da ich euch nicht spoilern möchte. Den Großteil des Handlungsraums nimmt die Geschichte der Familie ein, die sich aber schnell mit den anderen Handlungssträngen verbindet. Der Vater wird vom Direktor des Instituts zu einem bizarren Diebstahl (oder in seinen Augen einer Leihaktion) überredet und soll ein bekanntes Bild aus dem Louvre entwenden. Einen Aufhänger, der Urasawa nicht nur dazu nutzt, die Familie und all ihre Facetten zu portraitieren, sondern auch dazu, um den Leser den Louvre näherzubringen. Immerhin wurde der Manga ja eigens für dieses Museum geschrieben. Ich war zwar schon in Paris, den Louvre aber habe ich zu dem Zeitpunkt nicht von innen besichtigt und dennoch hatte man durch Urasawa das Gefühl mittendrin zu sein und bekommt einen tiefen Einblick in das Gebäude, deren Erschaffer und die Kunstwerke, die darin ausgestellt sind. Auch eine kleine Rundtour durch Paris darf nicht fehlen. Die Elemente fühlen sich dabei nie fremd an und sind perfekt in die Geschichte eingewebt.

Der Charakter, der sofort ins Auge sticht, ist der mysteriöse Direktor. Er ist ein exzentrischer Mann, mit Anzug und Krawatte, einem dünnen Oberlippenbart sowie prominent hervorstechenden Vorderzähnen. Wenn man vertraut mit einer bekannten, japanischen Animeserie ist, erkennt man ihn sofort als Iyami aus Osomatsu-kun. Aber selbst wenn man die Serie nicht kennt, macht alles einen Sinn, da der Charakter gut ausgearbeitet wurde und all seine Charakterzüge auch ohne Animehintergrund für den Leser erkennbar sind. Auch daneben sind die Charaktere trotz der Kürze der Geschichte gut ausgearbeitet und haben eine gewisse Mehrdimensionalität. Ihre Gefühle, Handlungen und Ziele lassen sich gut nachvollziehen.

Ein Erzählelement ist auch das Spiel mit den Sprachen. Insbesondere französische Phrasen werden benutzt, die entweder in Klammern noch einmal übersetzt sind oder man hat in der Handlung jemand, der diese Sätze quasi “live” für eine andere handelnde Person übersetzt. Auch die Nummerierung im Inhaltsverzeichnis ist in Französisch gehalten. Zusätzlich beginnt jedes Kapitel mit Iyamis Slogan “Sheeh!”

Der Zeichenstil von Naoki Urasawa ist sehr realistisch und kann Emotionen sehr gut darstellen. Die Figuren haben alle ihre Merkmale, an denen man sie erkennen und leicht unterscheiden kann. Es gibt viele einfache Panel, aber auch einige mit sehr detaillierten Hintergründen. Die Panels sind unterschiedlich groß gestaltet und durch einen Rahmen jeweils deutlich voneinander abgetrennt.

Die Aufmachung des Mangas ist gut gelungen und VIZ Media liefert eine gute Qualität im Großformat ab. Der Einband ist ein Softcover mit Klappbroschur. Die erste Seite ist ein Transparent-Papier, welches mit dem Titel bedruckt wird, aber einen Einblick auf die erste Farbseite gewährt (ähnlich wie im deutschen Monster-Sammelband). Apropos Farbseiten, davon gibt es in dem Band gleich einige, was ich sehr positiv finde.

Fazit & Bewertung

Mujirushi ist zwar nicht so stark wie andere Werke von Naoki Urasawa und ich würde es nicht für den Einstieg empfehlen. Für Fans des Mangakas aber könnte der Oneshot eine gute Ergänzung sein. Er ist nicht perfekt, sorgt aber trotzdem für Spaß beim Lesen und nimmt den üblichen Urasawa-Effekt mit, bei dem viele Subplots sich am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

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