Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

My Genderless Boyfriend 1

My Genderless Boyfriend (Band 1)

Carlsen startet im März 2021 mit seinem neuen Manga-Label durch. Bei Hayabusa soll das Hauptaugenmerk auf besonderen Romance-Geschichten liegen. Zu den ersten Titeln gehört My Genderless Boyfriend, den ich euch heute vorstellen möchte.

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Ich habe euch ja schon vor einiger Zeit erzählt, dass es mit Hayabusa einen neuen Player auf dem Mangamarkt in Deutschland gibt. Nun ist es auch bald soweit und die ersten Titel des neuen Programms werden ihren Weg in die Regale der Comic- und Buchläden finden. My Genderless Boyfriend habe ich bereits vor einiger Zeit in einem Marketingpaket freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt bekommen und heute möchte ich euch den Manga genauer vorstellen. In den Läden bekommt ihr ihn dann – wie auch alle anderen Titel des Auftaktmonats – spätestens ab dem 23. März 2021.

My Genderless Boyfriend stammt aus der Feder von Mangaka Tamekou und erscheint seit 2018 im Feel Young-Magazin des Verlags Shoudensha. Aktuell sind in Japan drei Sammelbände veröffentlicht worden und die Reihe läuft noch.

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Text/Zeichnungen: Tamekou | Originaltitel: Genderless Danshi ni Ai Sarete Imasu. | Verlag: Hayabusa | Kategorie: Josei | Genre: Comedy, Slice-of-Life | Preis: 10,00€ | Großformat | Weitere Informationen

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Inhalt

Wako und ihr Freund haben nicht gerade die traditionellste Beziehung: Wako arbeitet als Redakteurin und legt nicht viel Wert auf ihr Äußeres, während Meguru sich viel mit Mode und Make-up beschäftigt. Auch ist er ein angesagtes Genderless-Model und bekannter Influencer auf Instagram.

Wie war’s?

Was als Erstes ins Auge fällt, ist der Titel des Mangas, der in einigen Leser*innen falsche Erwartungen wecken könnte. Der Begriff genderless bezieht sich an dieser Stelle nicht darauf, dass sich Meguru weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnet, sondern auf einen Modestil. Dieser wird in Japan als generless kei bezeichnet, ist aber auch in sonstigen Ländern immer mehr zu finden. Der Style bedient sich an den Merkmalen beider Geschlechter und obwohl er sich an Mädchen und Jungs richtet, liegt die Aufmerksamkeit in erster Linie auf Männern, die sich schminken, farbige Kontaktlinsen oder hohe Schuhe tragen und ihren Style so kreieren, dass es offenbleibt, welchem Geschlecht sie sich zuordnen. Meguru identifiziert sich im Manga klar als Mann, der sich aber eben gerne zurechtmacht und Mode liebt.

Der erste Band von My Genderless Boyfriend enthält in der Summe zehn Kapitel, deren Aufbau in die episodische Richtung gehen. Jedes Kapitel fokussiert sich auf Szenen aus dem Alltag von Wako und Meguru. Wie sehen die beiden bei Verabredungen, wie sie sich kennengelernt haben, bei der Arbeit oder beim Shoppen im Ikea. Auch lernt man ein weiteres “genderless” Model kennen.

Durchzogen sind all diese Kapitel von einer friedlichen, herzerwärmenden Atmosphäre. Auch weil man auf ein Paar trifft, welches sich schon lange kennt und eine gefestigte Beziehung hat. Wako und Meguru sind seit ihrer Schulzeit zusammen und so gibt es bislang kein großes Drama. Wako arbeitet als Redakteurin, während Meguru in einem Kleidungsgeschäft arbeitet und einen Instagram-Account betreibt, auf den er bereits eine Menge Follower hat. Doch trotz seines Erfolgs bleibt Meguru bodenständig und hat in Sachen Liebe nur Augen für Wako. Was sich immer wieder in den einzelnen Episoden zeigt. Wako ihrerseits schwärmt von Meguru und auch wenn sie selbst nicht viel Wert auf ihr Äußeres legt, mag sie es, wenn er sich hübsch macht, bewundert seine neuen Sachen oder sucht selbst nach etwas, das ihm gefallen könnte.

Auch wenn der Titel nicht direkt dem LGBTQ-Genre zuzuordnen ist, gibt es doch einige kleinere Anspielungen auf Homophobie sowie der generellen Einordnungen von Personen zu einem bestimmten Geschlecht oder in eine bestimmte Geschlechterrolle. Es sind oft Anmerkungen, die das Gegenüber nicht böswillig meint, aber damit dennoch zeigt, wie sehr bestimmte Geschlechterrollen noch in den Köpfen der Menschen verankert sind.

Der Zeichenstil von Tamekou ist recht simpel gehalten, kann aber durch detaillierte Darstellungen der Mode und der Accessoires überzeugen. Die Hintergründe sind ebenfalls recht einfach, so dass der Fokus auf den Charakteren liegt. Die Mimik ist dabei sauber ausgearbeitet. Tamekou arbeitet recht viel mit Rasterfolie, um Schattierungen und Muster in den Flächen einzuarbeiten oder aber Panel zu verzieren. In diesen hat die Mangaka eine Vorliebe für relativ große Panel.

In Sachen Ausstattung hat Hayabusa einiges zu bieten. Der Titel wird im Großformat veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es in Band eins gleich drei Extras. Zum einen zwei Postkarten. Zum anderen eine sogenannte SNS-Card. Dabei handelt es sich um Karten, die einem Instagram-Post nachempfunden sind und jeweils einen oder mehr Charaktere zeigen, die auf einer halb durchsichtigen Folie gedruckt wurden. Diese Karten lassen sich somit nicht nur sammeln, sondern können auch kreativ in Fotos und Videos verarbeitet werden.
Etwas schade ist, dass der Druck zum Teil doch recht deutlich durch die Seiten scheint und so das Lesevergnügen getrübt wird.

Fazit

My Genderless Boyfriend ist eine süße und Rom-Com über ein männliches Model, das sich gerne geschlechtsneutral kleidet, und seine Freundin, einer Redakteurin. Der Band kann durch eine lockere, leichte Atmosphäre überzeugen und ist vor allem für Fans von Slice-of-Life-Geschichten mit einem soliden Comedy-Anteil genau das Passende.

Auch wenn ich zunächst etwas in eine andere Richtung erwartet habe, war ich mit dem Band sehr zufrieden. Es ist ein Titel, der sicherlich für nette Lesestunden sorgen kann.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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