Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

She likes gay boys but not me (Band 1) - Rezension

She likes gay boys but not me (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

She likes gay boys but not me ist ein dreibändiger, abgeschlossener Manga. Der Titel beruht auf der gleichnamigen Light Novel von Naoto Asahara. Die Zeichnungen stammen von Akira Hirahara. Für beide stellt der Titel das Debüt auf dem deutschen Markt dar.

In Japan erschien der Manga in den Jahren 2019 und 2020 im Josei-Magazin Comic Bridge vom Verlag Kodokawa Shoten unter dem Namen Kanojo ga Suki na mono wa Homo Deatte Boku de wa Nai. Ein Jahr zuvor war von Kodokawa bereits die Novel veröffentlicht worden.

In Deutschland hat sich Hayabusa die Lizenz der Manga-Adaption gesichert. Eine deutschsprachige Novel-Veröffentlichung ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht angekündigt.

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Text: Naoto Asahara| Zeichnungen: Akira Hirahara| Originaltitel: Kanojo ga Suki na mono wa Homo Deatte Boku de wa Nai | Übersetzung: Carina Dallmeier | Verlag: Hayabusa | Genre: Drama, Slice-of-Life | Demografische Zielgruppe: Josei | Preis: 10,00€ | Großformat | Weitere Informationen

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Wie war’s?

Jun Ando ist ein High-School-Junge, der seine sexuelle Orientierung vor allen verbirgt, die er kennt, und sich nur seinem virtuellen Freund “Mr. Fahrenheit” anvertraut, den er auf einer Dating-Website kennengelernt hat und mit dem er täglich in Kontakt steht. Das Einzige, was Jun über diese mysteriöse Person weiß, ist, dass er HIV-positiv ist und immer den richtigen Spruch zur richtigen Zeit parat hat. Die einzige andere Person, die Juns Geheimnis teilt, ist sein Geliebter Makoto. Ein Mann mittleren Alters, der sein wahres Wesen hinter der Fassade eines braven Familienvaters versteckt.

Eines Tages trifft Jun auf seine Klassenkameradin Sae Miura, die gerade dabei ist, ein Boys- Love-Manga zu kaufen. Die verlegene Reaktion des Mädchens macht sofort deutlich, dass sie sich unwohl fühlt, dass sie dabei entdeckt wurde. Zumal sie mit Jun bisher nicht viel zu tun hatte. Jun aber ist nicht wirklich daran interessiert, sie damit aufzuziehen, dass sie eine Fujoshi ist.

Stattdessen interessiert er sich dafür, warum sie Homosexuelle so sehr mag, was das Mädchen dazu bringt, ihm zu vertrauen. Jun wiederum glaubt, in Sae eine Person gefunden zu haben, die ihm helfen kann, sein Leben normal zu leben, wie es seine Freunde und seine Familie von ihm erwarten.

Der Manga zeigt eine Realität, die in dem Genre Boys Love, über welches sich die beiden Charaktere schließlich kennenlernen immer vernachlässigt wird, weil sie den reinen Gefühlen der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten im Weg stehen könnten: Coming-out, Krankheit, Mobbing, Selbstmord, Selbstakzeptanz und Akzeptanz durch die Gesellschaft sind nur einige der vielen Themen, welche der Manga aufgreift.

Themen, die mit voller Wucht ausgesprochen werden. Es wird kein Blatt vor dem Mund genommen. Zu den Klängen von Queen verfolgt man Juns und Saes Reise auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt.

Die Erzählung ist klar, linear, spricht einen direkt an. Es sind Themen, die aktuell sind, auch wenn man vielleicht selbst nicht Teil der LGBTQ+-Community ist. Es ist die Geschichte über die Normen einer von Ignoranz und Vorurteilen geprägten Gesellschaft, in der man versucht “normal” zu sein. Ein Gefühl, was viele kennen. Aber wie Mr. Fahrenheit schon sagt. Was ist eigentlich dieses “Normal”?

Auf der anderen Seite des Computerbildschirms treffen die Worte des mysteriösen Mr. Fahrenheit Jun mitten ins Gesicht und zwingen ihn, darüber nachzudenken, was “Normalität” eigentlich ist. Jun hält es für normal, dass ein Mann eine Frau heiratet, mit ihr schläft und eine Familie gründet. Er ist davon überzeugt, dass er abnormal ist, ekelhaft, ein nutzloses Rädchen im großen Mechanismus, der den Zyklus des menschlichen Lebens regelt. Jun ist homosexuell, aber er will es nicht sein.

Jun hat beschlossen, der Welt seine sexuelle Orientierung nicht zu zeigen, weil er sie für einen Fehler hält.

Nach der Begegnung mit Sae wächst die Vertrautheit zwischen den beiden Klassenkameraden. Jun fühlt sich nicht zu Sae hingezogen, er findet sie zwar hübsch, aber sein Körper und sein Herz können nur Männer lieben. Eine Tatsache, die mit dem krampfhaften Wunsch nach Normalität kollidiert. Er möchte Sae als eine Frau betrachten, zu der er sich hingezogen fühlt, er möchte in ihr und mit ihr die ersehnte Normalität finden. Aber das kann er nicht.

Obwohl er weiß, dass es unmöglich ist, versucht er, die Erwartungen der Welt zu erfüllen. Das flüchtige Glück, das Jun annimmt, ist jedoch zu zerbrechlich und droht ihn aus der Hand zu gleiten. Er findet sich in dem Konstrukt, welches er für normal hält nicht zurecht.

Die Chatgespräche mit Mr. Fahrenheit zwingen ihn zum Nachdenken, um hinter das öffentliche Bild zu blicken, das er sich aufgebaut hat. Juns Geschichte ist glaubwürdig und rein in den Gefühlen, die er zum Ausdruck bringt, vor allem in denen, die er unterdrückt.

Asahara skizziert die Charaktere auf einfache und effektive Weise. Sie sind glaubhaft und ihre Handlungen sind für uns nachvollziehbar. Aber auch die Nebencharaktere funktionieren. Mr. Fahrenheit, der Jun unterstützt über Juns erwachsene Geliebten Makoto bis hin zu seinem sehr lebhaften Jugendfreund Kyohei. Jeder von ihnen hat eine Geschichte, die mit den Ereignissen von Jun und Sae verwoben ist und so die Botschaften und Themen, die der Roman behandeln will, erweitert.

Die Zeichnungen von Akira Hirahara können die Geschichte hervorragend umsetzen. Der Fokus liegt dabei vor allem in der Mimik. In Juns Augen spürt man den ganzen Schmerz, den er empfindet. Das Charakterdesign ist einzigartig und kann sich durchaus von anderen Manga-Werken absetzen. Die Figuren sind meist eher schlank, haben lange Beine und das Design der Gesichter mit großen Augen erinnert an den Manga der 90er. Die Panels sind durch Linien voneinander abgegrenzt und es lässt sich dem Fluss der Zeichnungen leicht folgen.

Durch die Chatgespräche mit Mr. Fahrenheit kommt der Faktor Text hinzu, indem der Gesprächsverlauf der beiden Figuren ebenfalls bebildert in Panels dargestellt wird, was gut gelingt.

Hayabusa setzt den Manga im Großformat um und bietet den Leser*innen als Extra im ersten Band vier Farbseiten, von denen eine das Inhaltsverzeichnis darstellt. Etwas schade ist, dass der Druck zum Teil durch die Seiten scheint und man so vor allem in hellen Abschnitten Linien von der jeweils anderen Seite erkennen kann.

Fazit

Mit She likes gay boys but not me bringt Hayabusa einen Titel auf dem deutschen Markt, der sich auf realistische Weise und mit der nötigen Sensibilität einem schwierigen Thema nährt, die einen nicht gleichgültig lässt.

Der Manga ist mitreißend erzählt, lässt tief in die Zerrissenheit eines Jugendlichen blicken und stellt die Frage, was dieses “Normal” eigentlich ist.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Hayabusa Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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