[Anzeige, da Rezensionsexemplar]
Mit “Sora wo Matotte” startet bei Panini Manga ein Titel, der auf den ersten Blick leicht missverstanden werden kann. Der Titel und Aufmachung lassen einen doch eher vermuten, dass wir hier ein poetisches Künstlerdrama bekommen. Doch schon nach den ersten Kapiteln wird klar, dass hier ein ungewöhnlicher Fokus gesetzt wird, der durchaus überraschen kann.
Der Manga von Shinya Komi erscheint seit Mai 2023 in Japan im Seinen-Magazin Grand Jump und umfasst inzwischen acht Bände auf dem japanischen Markt. In Deutschland erscheint die Reihe seit Februar 2026.

Story & Zeichnungen: Shinya Komi | Originaltitel: Sora wo Matotte | Übersetzung: Jens Ossa | Genre: Slice of Life | Verlag: Panini Manga | Preis: 8,99€ | der Manga auf der Verlagsseite

Wie war’s?
Im Zentrum steht Haro, ein Oberschüler, der seit seiner Kindheit von der Aktmalerei fasziniert ist. Ausgelöst durch ein prägendes Erlebnis entwickelt er eine beinahe obsessive Leidenschaft dafür, weibliche Akte zu zeichnen. Was zunächst schnell missverstanden werden kann, entpuppt sich im Verlauf als ernst gemeinte künstlerische Motivation. Haro ist kein klassischer „perverser“ Protagonist, sondern jemand, der Schönheit durch Kunst festhalten möchte, auch wenn seine Art, dies auszudrücken, für sein Umfeld befremdlich wirkt.
Genau hier liegt eine der größten Stärken des Mangas. Sora wo Matotte schafft es, ein Thema, das leicht ins Unangenehme kippen könnte, als etwas Künstlerisches und Ästhetisches darzustellen. Die Aktmalerei wird nicht als etwas Voyeuristisches inszeniert, sondern als Ausdruck von Hingabe, Leidenschaft und persönlichem Wachstum. Gleichzeitig bleibt aber ein gewisser Reibungspunkt bestehen, da der Fokus auf dieses Thema stellenweise sehr präsent ist und nicht für alle gleichermaßen zugänglich sein dürfte.
Erzählerisch bewegt sich der Manga in einem bekannten Rahmen. Die Geschichte eines jungen Talents, das sich seinen Weg in die Kunstwelt erkämpfen will, erinnert in Teilen an andere Werke des Genres. Dennoch wirkt Sora wo Matotte zugänglicher und weniger erklärend. Während vergleichbare Titel oft stark ins Detail gehen, setzt dieser Manga mehr auf Tempo und emotionale Dynamik.
Die Figuren bringen eine gewisse Leichtigkeit mit, die immer wieder charmante Momente sorgt. Gleichzeitig gibt es aber auch emotionalere Szenen, die zeigen, wie ernst Haro seine Leidenschaft nimmt.
Visuell weiß der Manga ebenfalls zu überzeugen. Sowohl die Charaktere als auch die Hintergründe sind sorgfältig gestaltet und transportieren die Stimmung der Geschichte sehr gut. Vor allem die Darstellung von Kunst und Körpern wirkt ästhetisch und durchdacht, ohne ins Übertriebene abzurutschen. Man merkt, dass hier ein klarer Fokus auf die visuelle Wirkung gelegt wird.
Allerdings bleibt nicht alles vollkommen überzeugend. Inhaltlich bleibt der Manga stellenweise etwas vage. Einige Aspekte der Geschichte werden nur angerissen, ohne sofort klar zu werden, in welche Richtung sich alles entwickeln wird. Das kann neugierig machen, sorgt aber gleichzeitig für ein gewisses Gefühl von Unklarheit.
Seine starke Fixierung auf Aktmalerei wird zwar etabliert, wirkt aber nicht immer vollständig nachvollziehbar. Gerade zu Beginn hätte eine etwas tiefere Auseinandersetzung mit seinen Beweggründen geholfen, um eine stärkere emotionale Bindung aufzubauen.
Panini Manga bringt den Titel in seinem handelsüblichen Taschenbuchformat. Band eins ist zudem in einem Variant-Cover erschienen.
Fazit
Sora wo Matotte ist ein ungewöhnlicher Kunst-Manga, der mit einer eigenwilligen Prämisse überrascht, aber gerade dadurch auch neugierig macht. Die Mischung aus künstlerischem Anspruch, Humor und emotionalen Momenten funktioniert überraschend gut, auch wenn nicht alle Elemente vollständig ausgearbeitet sind und es für mich auch Panel und Szenen gab, die etwas “drüber” waren.
Wer sich aber auf das Thema einlassen kann und keine Berührungsängste mit Aktmalerei hat, findet hier einen Einstieg in eine vielversprechende Geschichte.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Panini Manga zur Verfügung gestellt worden ist.



