Rezension - Der freie Vogel fliegt

Die sechsbändige Manhua-Reihe Der freie Vogel fliegt, erzählt in einer autobiografisch geprägten Geschichte über das Heranwachsen von Lin Xiaolu und ihren Freunden, die in der westchinesischen Stadt Chengdu leben.

Die beiden Autorinnen Jidi und Ageng gehören in China zu den wichtigsten Comickünstlerinnen ihrer Generation. Für dieses Werk haben sich die Beiden zu einem Team zusammengetan. In Asien hat Der freie Vogel fliegt bereits wichtige Auszeichnungen erhalten. So haben sie den Japan International Manga Award, den ICC Comic Award aus Südkorea und den China Animation & Comic Competition Golden Dragon Award erhalten. In Deutschland erscheint die Reihe bei Chinabooks.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu den ersten drei Bänden rein.

ECKDATEN ZUM TITEL
Text&Zeichnungen
: Jidi & Ageng
Genre: Drama
Verlag: Chinabooks
Preis: 24,90€ | A4-Format, Vollfarbe

In sechs Bänden abgeschlossen

Leseprobe und weitere Informationen zum Titel

WORUM GEHT ES?

Der Manhua handelt von Lin Xiaolu, die durch die Scheidung ihrer Eltern und ihrer lockeren Einstellung dazu von einem Tag zum anderen zu einer Außenseiterin wird. Xiaolu hat viel Fantasie und flüchtet sich in eine Gedankenwelt mit bunten Cartoon-Welt. In jungen Jahren lebt sie bei ihrem Vater und fühlt sich an der Mittelschule mehr als unwohl, nachdem sie nicht die Leistungen erbringen kann, die das System und ihr Vater von ihr erwarten. Erst als die Mutter wieder in ihr Leben tritt und sie auf eine Kunstschule wechselt, scheint sich ihr Leben zu bessern und sie kann ihre künstlerische Ader ausleben. Anschluss aber findet sie weiterhin nicht und erst die Begegnung mit einem Jungen namens Han Che, in den sie sich Hals über Kopf verliebt, sorgt dafür, dass sie sich langsam aus ihrer Fantasiewelt hinausbewegt.

Wie war’s?

Die Reihe Der freie Vogel fliegt findet in den Bänden vier bis sechs ihr Ende und wir begleiten Xiaolu ein letztes Mal auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Für die junge Schülerin geht es in die finale Phase ihrer Schullaufbahn und sie kämpft nicht nur gegen den enormen Prüfungsstress an, sondern steht auch privat vor Veränderungen. Es heißt, von vielen in den letzten Jahren gewonnen, Freunde Abschied nehmen. Und nicht nur einmal steht sie vor dem großen Rätsel des Erwachsenwerdens und der Liebe.
Liebevoll werden dabei nicht nur Xiaolus Gefühle betrachtet, sondern auch die Geschichten derjenigen Figuren aus ihrem Umfeld. So erhält der Leser einen mehrdimensionalen Blick auf viele Entwicklungen.

Aber nicht nur Abschiede stehen im Mittelpunkt, sondern auf Neuanfänge. Nicht nur für das Umfeld von Xiaolu, sondern auch für sie selbst. Ihre alten Freundinnen stehen bei den Prüfungen zwar nicht mehr an ihrer Seite, dafür aber kann sie eine neue Freundschaft schließen. Mit dieser neuen Freundin an ihrer Seite schafft es Xiaolu sich den harten Prüfungen zu stellen.

Die Charakterisierung ist dem Duo dabei einmal mehr außergewöhnlich gut gelungen. Xiaolu ist über die gesamte Reihe nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch in ihrer Persönlichkeit und ihrem Handeln. Auch durch den zeitweise doch intensiven Blick auf die Nebencharaktere bleiben diese nicht blass, sondern sind dem Leser nahe. Man kann ihren Schmerz und ihre Wünsche spüren.

Dem ganzen Geschehen wird insbesondere durch den Zeichenstil Leben eingehaucht. Ageng hat einen wundervolles Artwork, welches perfekt zu dieser Geschichte des Erwachsenwerdens passt. Während in den ersten Bänden knallbunte Fantasiewelten dominierten, werden diese hier zunächst weniger und bilden damit auch das Erwachsenwerden der Protagonistin ab. Zum Ende hin bekommen wir aber auch von diesen Bildern wieder etwas zu sehen und werden in eine wundervolle, farbenfrohe Welt in Xiaolus Gedanken entführt.

Die Bilder sind sehr kontrastreich und in Vollfarbe gestaltet. Insbesondere die Illustrationen, die über eine komplette Seite gehen, wissen zu begeistern durch ihre Ausdruckskraft, aber auch im Kleinen gelingt es Ageng sehr gut die Stimmung einzufangen und Gefühle auszudrücken.

Zum Ende des Bandes gibt es zudem eine kleine Zusatzgeschichte, in denen Ageng und Jidi erzählen, wie sie sich letztendlich kennengelernt haben und wie es zur Umsetzung von Der freie Vogel fliegt als Comic kam. Die Geschichte hat einen völlig anderen Zeichenstil, kann aber dennoch berühren und insbesondere Jidi lässt den Leser tief in ihre Seele blicken und zeigt auch die Etappen in ihrem Leben, die für sie eine schwere Zeit waren.

Die Reihe ist in einem DIN-A4-Format herausgebracht und komplett in Farbe. Es handelt sich um eine zweisprachige Ausgabe in Deutsch und Chinesisch, womit sich der Manhua auch für diejenigen eignen würde, die die Sprache gerade erlernen. Gelesen wird der Manhua in der westlichen Leserichtung.

Fazit & Bewertung

Die Reihe hatte mich bereits in den ersten drei Bänden begeistert. Xiaolu ist eine Protagonistin, mit der man sich als Leser identifizieren kann. Die Handlung ist über alle sechs Bände wunderschön und gefühlvoll erzählt und ich werde ganz sicher noch häufiger nach dieser Reihe greifen.

Die beiden Autorinnen treffen die richtigen Töne in ihrem Manhua und liefern eine interessante und herzliche Geschichte ab, die unter die Haut geht.

Vielen Dank an Chinabooks für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.