Sora wo Matotte (Band 2)

Sora wo Matotte (Band 2)

Werbung/Rezensionsexemplar
18. Juni 2026 · Deutsche Manga
Sora wo Matotte (Band 2)

In meiner Sora wo Matotte Band 2 Review entwickelt sich die ungewöhnliche Geschichte über Aktzeichnen zunehmend zu einem ernsthaften Künstler-Coming-of-Age-Manga. Zwischen Vorbereitungsschule, Konkurrenz und Selbstzweifeln sucht Haro nicht nur nach dem perfekten Bild, sondern auch nach seinem eigenen Blick auf Kunst und Schönheit.

Manga-Daten

Originaltitel
Sora o Matotte
Mangaka
Shin-ya Komi
Verlag
Panini Manga
Veröffentlichung
21.04.2026
ISBN
9783741647864
Sprache / Ausgabe
Deutsch
Übersetzung
Jens Ossa
Genre
Drama, Slice of Life
Demografie
Seinen
Preis
8,99 €

Passt der Manga zu dir?

Für dich, wenn …

  • … du Coming-of-Age-Geschichten über Kunst und kreative Selbstfindung magst
  • … du Geschichten über Talent, Konkurrenz und Leistungsdruck spannend findest
  • … du philosophische Gedanken über den menschlichen Körper und künstlerische Wahrnehmung schätzt

Eher nicht für dich, wenn …

  • … dich Aktzeichnungen und die häufige Darstellung nackter Körper grundsätzlich stören
  • … du eine schnelle oder besonders actionreiche Handlung erwartest
  • … dir typische Rivalen-, Mentor- und Prüfungsmanga-Motive zu bekannt vorkommen

Stimmung

sinnlich · ambitioniert · inspirierend

Themen

Kunst und kreative Selbstfindung · Talent · Scheitern und Neuanfang

Sora wo Matotte ist ein Manga, der zum Auftakt viel bot. Titel und Aufmachung ließen zunächst vermuten, dass uns mit Sora wo Matotte ein eher poetisches Künstlerdrama erwartet. Doch bereits nach den ersten Kapiteln zeigte sich, dass Shinya Komi einen deutlich ungewöhnlicheren Schwerpunkt setzt. Gerade dieser überraschende Fokus sorgt dafür, dass der Manga schnell aus vertrauten Erwartungen ausbricht und eine ganz eigene Richtung einschlägt.

In Japan erscheint Sora wo Matotte seit Mai 2023 im Seinen-Magazin Grand Jump. Auf dem japanischen Markt umfasst die Reihe inzwischen acht Bände. In Deutschland wird der Manga seit Februar 2026 veröffentlicht.

Wie war’s?

Mit dem zweiten Band von Sora wo Matotte verdichtet sich die Geschichte um Haro, Rei Kamio und die Suche nach einer eigenen künstlerischen Stimme. Während der erste Band vor allem die ungewöhnliche Ausgangslage etablierte, nämlich Haros Faszination für das Aktgemälde und sein Wunsch, die geheimnisvolle Rei als Modell zu zeichnen, rückt nun stärker der Weg zum Künstler in den Mittelpunkt. Haro will ein Kunst erschaffen, das ihm den Zugang zur renommierten Tokyo Geidai ermöglichen soll. Doch was zunächst wie ein klares Ziel klingt, wird schnell zu einer Auseinandersetzung mit Talent, Wahrnehmung, Konkurrenz und dem Wesen von Schönheit.

Der Band setzt Haros Entwicklung konsequent fort. Er beginnt, eine Kunstvorbereitungsschule zu besuchen, und trifft dort auf Kazari Shiki, ein Ausnahmetalent, an der er sich messen muss. Es geht nicht nur darum, wer besser zeichnet, sondern darum, wie unterschiedlich Menschen Schönheit sehen, begreifen und auf die Leinwand bringen.

Besonders stark bleibt auch im zweiten Band, dass Sora wo Matotte das Aktzeichnen nicht als bloßen Reiz oder Provokation nutzt. Natürlich ist das Thema Nacktheit ein auffälliger Aufhänger, und der Manga spielt auch bewusst mit dieser Irritation. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto klarer wird, dass es hier nicht um oberflächliche Erotik geht. Der Akt wird vielmehr als künstlerische Herausforderung verstanden. Einen Körper zu zeichnen bedeutet nicht, einfach Haut, Linien und Proportionen festzuhalten.

Eine besonders prägnante Aussage kommt durch den alten Mann aus dem Künstlerbedarfsladen, der für Haro fast zu einer mentorhaften Figur wird. Seine Erklärung, dass Aktzeichnen nicht bedeute, nur Haut zu malen, sondern auch alles, was diesen Körper umgibt, bringt den Kern des Mangas sehr schön auf den Punkt. Es geht um das Unsichtbare im Sichtbaren. Um das, was ein Körper ausstrahlt, was ihn geformt hat und was der Blick des Künstlers daraus macht. Diese Idee ist nicht sofort greifbar, bleibt aber gerade deshalb im Kopf.

Dabei gelingt es dem Manga, den Druck einer künstlerischen Ausbildung gut einzufangen. Die Tokyo Geidai steht als Ziel über allem. Sie ist nicht nur eine Schule, sondern ein Symbol für Anerkennung, Zukunft und künstlerische Legitimation. Wer dorthin will, muss mehr können als hübsch zeichnen. Diese Spannung gibt der Geschichte eine klare Richtung, ohne sie auf ein reines Prüfungsmanga-Schema zu reduzieren.

Auch die Nebenfiguren gewinnen in diesem Band mehr Kontur. Besonders Anna, die Mutter von Miina, wird zu einer interessanten Figur. Ihre Vergangenheit als Künstlerin, ihr Rückzug vom Malen und die Frage, warum sie ihre Kunst aufgegeben hat, bringen eine melancholische Ebene in die Handlung. Bei ihr wird spürbar, dass Kunst nicht nur Begeisterung bedeutet, sondern auch Schmerz, Überforderung und vielleicht Verletzungen, die nicht leicht zu überwinden sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass ihre Liebe zur Malerei nie vollständig verschwunden ist. Diese Ambivalenz gibt dem Band emotionale Tiefe.

Der Manga zeigt durch sie sehr schön, dass künstlerische Leidenschaft nicht immer geradlinig ist. Menschen hören nicht zwangsläufig auf zu malen, weil sie nichts mehr empfinden. Manchmal ist gerade das Gegenteil der Fall: Weil ihnen etwas zu viel bedeutet, wird es schwer, weiterzumachen. Diese Idee verleiht Annas Figur eine angenehme Tiefe.

Der Manga bewegt sich dennoch auf einem schmalen Grat. Einerseits geht es überzeugend um Schönheit, Kunst und den Blick auf den menschlichen Körper. Andererseits besteht bei einem solchen Thema immer die Gefahr, dass weibliche Körper zu sehr als künstlerische Projektionsflächen dienen. Band zwei versucht, dem entgegenzuwirken, indem er das Aktzeichnen philosophisch und handwerklich rahmt. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob die Reihe den Frauenfiguren dauerhaft genug Eigenständigkeit gibt oder ob sie vor allem als Spiegel für Haros künstlerische Entwicklung funktionieren.

Auch erzählerisch ist der Band nicht immer ganz frei von bekannten Mustern. Der Eintritt in die Kunstvorbereitungsschule, der geniale Rivale, der künstlerische Wettkampf, der Mentor mit tieferen Einsichten und die persönliche Krise auf dem Weg zum besseren Bild sind vertraute Bausteine. Sora wo Matotte erfindet den Künstler-Coming-of-Age-Manga nicht neu. Seine Stärke liegt eher darin, diese bekannten Elemente einer sinnlichen Beschäftigung mit Kunst zu füllen.

Der Band wirkt deutlich stärker, wenn er sich auf konkrete künstlerische Prozesse konzentriert. Haros Blick, seine Studien, seine Unsicherheit vor der Leinwand und die Frage, was ein guter Akt eigentlich sichtbar macht, sind die überzeugendsten Momente. Etwas schwächer ist der Manga dort, wo er sich zu sehr auf typische Rivalitätsdramaturgie stützt. Shiki funktioniert als Wand für Haro, aber als eigenständige Figur bleibt er vorerst noch eher ein archetypisches Genie.

Visuell bleibt Sora wo Matotte ein wichtiger Teil seiner eigenen Argumentation. Die gezeichneten Akte innerhalb des Mangas müssen glaubhaft machen, warum Haro von Schönheit besessen ist und warum sein Blick sich verändert. Das gelingt in vielen Momenten gut. Haros Bilder besitzen eine gewisse Nachwirkung, eine Mischung aus Zartheit, Spannung und körperlicher Präsenz. Besonders die Darstellung von Frauenkörpern wirkt nicht plump, sondern bemüht sich um eine Ästhetik.

Panini Manga bringt den Titel in seinem handelsüblichen Taschenbuchformat.

Fazit

Sora wo Matotte wirkt nach Band zwei nicht mehr nur wie eine ungewöhnliche Geschichte über ein Aktmodell, sondern wie ein ernsthafter Künstler-Coming-of-Age-Manga mit romantischen, philosophischen und psychologischen Untertönen. Die Reihe hat für mich durchaus noch Schwächen, aber sie beginnt, ihre eigene Stimme zu finden. Ich werde auf jeden Fall weiter dranbleiben.

Transparenzhinweis

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Panini Manga zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

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