Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

The Decagon House Murders (Band 1-3)

The Decagon House Murders (Band 1-4)

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Obwohl Anime- und Manga-Fans ihn eher als den Autor der Horrorgeschichte Another kennen, ist The Decagon House Murders wahrscheinlich das literarische Werk, für das Yukito Ayatsuji in Japan am besten bekannt ist. Es wurde erstmals 1987 in Japan veröffentlicht. Eine deutsche Übersetzung des Romans gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Zuzuordnen ist der Roman dem Krimi-Genre Honkaku. Es ist vom goldenen Zeitalter der Detektivgeschichten à la Agatha Christie inspiriert und die Geschichten sind als Rätsel für die Leserschaft konstruiert. Dabei verstecken sich alle Hinweise im Text, so dass es in der Theorie möglich ist, den Fall während des Lesens vor der eigentlichen Aufklärung zu lösen.

Der Manga ist von Hiro Kiyohara gezeichnet, der auch bereits den Roman Another von Ayatsuij adaptierte und von dem auf dem deutschen Markt einige weitere Mangaveröffentlichungen erschienen sind. Der Manga lief vom August 2019 bis zum April 2022 in der Afternoon von Publisher Kodansha und ist in fünf Bänden abgeschlossen.

Auf dem US-Markt erscheint der Titel derzeit im digital-frist-Lineups des Verlags als Ebook.

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Story: Yukito Ayatsuji  Zeichnungen: Hiro Kiyohara | Originaltitel: Jukkakukan no Satsujin |Zielgruppe: SeinenGenre: Mystery, Drama | Verlag: Kodansha| Preis: (Ebook-Version): 9,49€ | Printausgabe: – (da auf engl. Manga keine Preisbindung besteht, können die Preise variieren) | In fünf Bänden abgeschlossen

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Wie war’s?

Der Manga beginnt mit den Gedanken eines Charakters, der auf das unruhige Meer blickt und darauf aus ist, für “Gerechtigkeit” zu sorgen. Von dort aus folgen wir sieben Studenten des Mystery Clubs der K-Universität, die auf die einsame Insel Tsunojima reisen, auf der sechs Monate zuvor ein grausamer Mord und Selbstmord verübt wurde. Auf der Insel richtet sich die Gruppe im Decagon House ein, das von Nakamura Seiji entworfen wurde, der bei den brutalen Morden ums Leben kam.

Doch kaum sind sie abgereist, erhalten die Clubmitglieder, die nicht mitgefahren sind und unter denen Kawaminami ist, mysteriöse Briefe, die von Seiji Nakamura stammen sollen, der eigentlich auf der Insel zu Tode gekommen ist, und der den Club des Mordes an seiner Tochter Chiori beschuldigt. Ist Nakamura wirklich tot? Und wenn nicht, wer hat es dann auf die sieben Clubmitglieder abgesehen, die im Decagon House wohnen?

The Decagon House Murders ist eine interessante Lektüre und es ist spannend, nicht zu wissen, wer der Mörder ist, und auf die endgültige Enthüllung zu warten.

Der Manga wechselt zwischen den Geschehnissen auf der Insel und den Geschehnissen mit zwei Clubmitgliedern und einem Amateurdetektiv auf dem Festland. Eines der Clubmitglieder, das als Conan Doyle bekannt war, bevor es den Club verließ, ist entsetzt, als es eines Tages einen Brief von Seiji Nakamura erhält.

Dieser Brief setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die die Handlung in rasantem Tempo vorantreiben. Da man davon ausgeht, dass Seiji auf der Insel gestorben ist, stellt sich die Frage, wer genau die vor sechs Monaten gefundene Leiche war.

Sofort beginnen die Rädchen im Kopf des Lesers zu rattern; das Puzzle, das Ayatsuji zusammengesetzt hat, nimmt langsam Form an. Während die Studenten auf der Insel versuchen, herauszufinden, wer von ihnen der Mörder ist, und diejenigen auf dem Festland beginnen, die grausame Vergangenheit der Nakamuras zu enträtseln, wird der Leser sowohl mit neuen Informationen gefüttert als auch verwirrt zurückgelassen. Darin liegt die Genialität von Ayastujis Kultklassiker. Trotz einer Erzählstruktur, die dem Leser weit mehr Informationen liefert als jede einzelne Figur des Romans, ist man sich im Laufe des Mangas wohl nie sicher, wer es getan hat.

Schnell wird aber klar, dass es bei diesem Werk hauptsächlich um das Rätsel geht. Die Figuren, die größtenteils die Namen großer Krimiautoren als Spitznamen tragen, fehlt es an Tiefe. Der Leser erfährt wenig über die Hintergrundgeschichte der Studenten. Sie sind distanziert und haben kaum Emotionen. Jeder hat eine typische Persönlichkeit, und sie sind durchaus unterschiedlich. Doch das ist schon alles, was sie an Charakterisierung erhalten.

Im Großen und Ganzen sind die Dialoge zwischen den Figuren instrumentell, um dem Leser bei der Entschlüsselung der Handlung zu helfen.

Der Manga folgt zum großen Teil dem Originalwerk. Der größte Unterschied liegt in Chidoris Todesart. Im Buch stirbt Chiori bei einer Clubveranstaltung an einer Alkoholvergiftung, im Manga ertrinkt sie beim Kentern eines Bootes während eines Clubausflugs. Doyles Geschlecht wurde geändert und die Geschichte wurde von den späten 1980er Jahren ins Jahr 2018 verlegt.

Künstlerisch leistet Kiyohara gute Arbeit. Der Stil ist sauber und glatt und die Szenerie durchaus in vielen Panels detailliert. Die Charaktere sind ausdrucksstark und leicht voneinander zu unterscheiden. Es gibt eine Vielfalt an Körpertypen, wenn auch anzumerken ist, dass es doch in die Bishonen-Richtung geht. Gleichzeitig baut der Mangaka kleine Verweise ein. Doyle trägt zum Beispiel ein 221B-Sweatshirt. Leroux einen gelben Kapuzenpulli, der ein Hinweis auf Gaston Leroux’ Das Geheimnis des gelben Zimmers sein könnte.

Zwischen den Kapiteln eingestreut sind Informationen über die Autoren, welche die Studentengruppe als Spitznamen trägt. Während man davon ausgehen kann, dass die meisten Leute von Edgar Allen Poe und Agatha Christie gehört haben, wird Gaston Leroux heute nicht mehr in erster Linie mit dem Krimi-Genre in Verbindung gebracht und Ellery Queen und S. S. Van Dine sind häufig vor allem nur Krimi-Fans bekannt.

Fazit

The Decagon House Murders ist eine spannende, gruselige und unheimliche Geschichte, die interessant zu lesen ist und viele Rätsel für die Leserschaft bereithält. Durch das spezielle Krimi-Genre, in die das Originalwerk einzuordnen ist, mangelt es bewusst auch an Kontext, Emotionen oder Einblicken in die Charaktere.

Entsprechend ist der Titel vor allem für diejenigen etwas, für die es um das Rätsel geht und die nicht die ganze Hintergrundgeschichte der Charaktere erfahren müssen. Es ist grundsolide Spannungsliteratur, die ich auch weiterempfehlen würde und bei der ich gespannt bin, wie es endet und wer letztendlich der Mörder ist.

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The Decagon House Murders ist im umfassenden Katalog der Online-Comic-Plattform izneo enthalten. Auf izneo findest du ein großes Angebot an europäischen & amerikanischen Manga, Graphic Novels sowie Comics, welche du über verschiedene Endgeräte, wie Smartphone, Tablet oder sogar die Nintendo Switch lesen kannst. Dort, wie auch hier unter dem Beitrag, steht euch auch eine kostenlose Leseprobe zur Verfügung. So könnt ihr in Ruhe in den Titel hereinschnuppern.

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