Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Blue Period (Band 6)

Blue Period (Band 6)

Blue Period hatte im letzten Jahr innerhalb kurzer Zeit mein Herz erobert und ich erwarte aktuell jeden neuen Band mit einer großen Vorfreude. Der Seinen-Titel läuft seit 2017 im Afternoon-Magazin von Verlagsriese Kodansha. Hierzulande ist die Reihe im Juni 2020 bei Manga Cult angelaufen.

Für Mangaka Tsubasa Yamaguchi ist Blue Period das erste größere Projekt. Auf dem deutschen Markt ist neben Blue Period auch der Einzelband She and her Cat von ihr erschienen. Dort ist sie als Zeichnerin für Makoto Shinkais Geschichte verantwortlich.

Text/Zeichnungen: Tsubasa Yamaguchi | Originaltitel: Blue Period | Verlag: Manga Cult | Kategorie: Seinen | Genre: Drama, Slice-of-Life | Preis: 10,00€ | Großformat | Weitere Informationen & Leseprobe

Inhalt

Die erste Aufnahmeprüfung an der berühmten Geidai-Universität ist geschafft und auf diejenigen, die bestanden haben, wartet nun eine angespannte zweite Prüfungsphase. Eine Phase, die von persönlichen Ängsten, neuen Herausforderungen und Entdeckungen geprägt ist.

Wie war’s?

Blue Period zieht die Leser*innen auch im sechsten Band in seinen Bann. Die Mangaka hat in den vorherigen Bänden den Arc rund um die nervenaufreibenden Prüfungen an der Geidai begonnen, die nun ihren Höhepunkt erreichen. Die Anspannung aller Prüflinge ist weiterhin spürbar und auch Protagonist Yaguchi gerät immer mehr an seine Grenze.
Der Prüfungsdruck setzt seiner Gesundheit zu und die Nesselsucht, die ihn schon zuvor plagte, zwingt ihn endgültig in die Knie. Auch sein mangelndes Selbstbewusstsein setzt dem Schüler zu.

Tsubasa Yamaguchi gelingt es außerordentlich gut, die Leser*innen spüren zu lassen, was die Charaktere empfinden, insbesondere dann, wenn sie unter Druck stehen. Die Emotionen sind in ihrem Artwork spürbar und all die Verzweiflung wird intensiv in den Panels dargestellt. Die Mangaka legt sehr viel Aufmerksamkeit in die Körperhaltungen ihrer Charaktere. Viele Emotionen werden durch die Körpersprache kommuniziert. Dadurch wird viel zwischen den gesprochenen Worten kommuniziert.

Besonders gelungen ist auch, wie Yamaguchi den kreativen Prozess darstellt. Eine Tatsache, in der viele Manga-Reihen mit derselben Thematik nicht mithalten kann. Von der Idee bis zum fertigen Bild geht sie auf viel ein und zeigt auch, dass eine Erinnerung, eine spontane Idee oder ein unbedeutendes Detail eine schiere Welle von Inspiration auslösen kann und damit das Bild in eine völlig andere Richtung treibt, als zunächst gedacht. Wie bereits in den vorherigen Bänden, bringt Yamaguchi den Leser*innen aber auch die Malerei und Grundtechniken näher. Dies wird gekonnt in die Prüfungssituation eingebaut und wirkt so nicht fehl am Platz.

Der Fokus in Band sechs liegt vor allem auf Yataro und seinen Hürden in Rahmen der Aufnahmeprüfung. Dennoch vergisst die Mangaka auch die anderen Charaktere nicht, auch, weil sie zum Teil im Gegensatz zu Yataros Umgang mit der Situation stehen. Haruka nimmt die Sache locker und lässt die Prüfung auf sich zukommen. Bei Maki hingegen ist der Druck, unter dem sie steht, ebenfalls spürbar. Immerhin hat sie in ihrer Familie große Vorbilder, die die Prüfungen mit Topergebnissen absolviert hatten.
Eine nicht ganz unwichtige Rolle nimmt auch Yotasuke ein, der einige Bände zuvor die Vorbereitungsschule verlassen hatte, nachdem er der Auffassung war, dass sie ihm nicht helfen kann. Er ist es, der Yataro helfend zur Seite steht, als dieser droht, es gar nicht erst bis zum Prüfungssaal zu schaffen. Auch zeigt sich, dass er inzwischen zu Yataro eine Respektbeziehung aufgebaut hat und dessen Fortschritte klar erkennt.

Die Mangaka geht einmal mehr einen harten Weg und zeigt den Leser*innen auf, dass harte Arbeit nicht immer belohnt wird. Nicht alle, seit Beginn der Reihe eingeführten Charaktere, schaffen es, die Prüfung zu bestehen. Egal, wie sehr sie sich zuvor bemüht haben und jede freie Minute nur diesem Ziel geopfert haben. Dadurch gelingt es ihr, dem Thema mit Respekt und Realismus zu begegnen. Auch wenn die Figuren fabelhafte Künstler*innen sind, können sie an kleinen Dingen scheitern.

Fazit

Blue Period hat es geschafft, seit dem ersten Band die Spannungskurve immer weiter anzuheben. Insbesondere in den letzten Bänden hat die Reihe noch einmal enorm zugelegt und die Mangaka konnte ihr Geschick, Emotionen abzubilden in der harten Prüfungsphase ausnutzen, um die Leser*innen die Anspannung wirklich hautnahe spüren zu lassen.

Ich habe die letzten Bände regelrecht verschlungen und bin gespannt, ob Tsubasa Yamaguchi es auch im zweiten Handlungsabschnitt schaffen wird, dieses Niveau beizubehalten.

Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1 | Band 2 | Band 3 Band 4 | Band 5

Schreibe einen Kommentar