Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Two Sides of the Same Coin - Rezension

Two Sides of the Same Coin (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Hayabusa zeichnet sich vor allem durch eine breite Palette an Boys-Love-Titeln aus, von denen viele für die erwachsene Leserschaft gedacht sind. Einer davon ist Two Sides of the Same Coin, welcher in zwei Bänden abgeschlossen sein wird. Die erotischen Szenen im Titel sind unzensiert, weshalb die Reihe vom Verlag eine Leseempfehlung ab 18 Jahren erhalten hat.

Die Reihe von Rou Nishimoto lief 2018 im Magazin Canna im Canna-Magazin von Printemps Shuppan an, der japanische Herausgeber FRANCE SHOIN hat außerdem die Printausgabe dazu veröffentlicht.

Für Rou Nishimoto ist es der erste Manga auf dem deutschen Markt.

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Text/Zeichnungen: Rou Nishimoto | Originaltitel:   Two Sides of the Same Coin | Verlag: Hayabusa | Genre: Drama, Boys Love | Preis: 10,00€ | Großformat | Weitere Informationen

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Wie war’s?

Yuji ist ein Student, der unter einem großen Minderwertigkeitskomplex gegenüber seinem Vater leidet. Letzterer ist Polizist und in allem begabt. Er gibt er seinem Sohn regelmäßig zu verstehen, dass er ihn für einen Versager hält.

Als Yuji Zeuge wird, wie sein Vater kurz nach dem Tod seiner Mutter jemanden in einem Auto küsst, läuft er schockiert davon und rennt direkt in die Arme einer anderen Person. In diesem Moment trifft er auf Kou. Kou ist ein Boxer mit silbernem Haar, der ihm einen Kuss als Entschuldigung gibt! Yuji kann die Begegnung nicht vergessen und wie es der Zufall möchte, treffen die beiden Männer wenig später erneut aufeinander. Ohne, dass Yuji etwas dagegen unternehmen kann, fühlt er sich zu Kou hingezogen und muss bald feststellen, dass die erneute Begegnung ihn nicht nur in die Abgründe von Kous Persönlichkeit blicken lässt.

Two Sides of the Same Coin ist ein Manga, der nicht für die breite Leserschaft geeignet sein dürfte. Der zweibändige Titel spiegelt Gewalt und psychische Probleme wider. Die Geschichte ist berührend, verstörend und unerwartet zugleich.

Die Reihe beschäftigt sich mit der unvorhersehbaren Begegnung zwei jungen Männern, bei denen alles gegensätzlich ist: auf der einen Seite Yuji, ein junger Student, der unter Minderwertigkeitskomplexen gegenüber seinem Vater leidet, und auf der anderen Seite Kou, ein Boxer, der Gewalt und Schmerzen als etwas Stimulierendes empfindet.

Dennoch sind beide Figuren auf ihre Weise vom Leben gezeichnet und können das, was sie waren, nicht loslassen. Yuji ist gefangen in den Vorstellungen seines Vaters. Er versucht, sich daraus zu befreien, kommt doch immer wieder an den Punkt zurück, an dem er glaubt, dass er weniger wert ist, weil er nicht so ist, wie sein Vater. Er ist auf der Suche nach sich selbst und kämpft damit, mit seinem wahren Ich ins Reine zu kommen. Seine Reaktion zeigt, wie sehr er sein Blut verabscheut und seine Angst so zu sein wie sein Vater, obwohl er das immer wollte.

Auch Kou scheint auf der Suche zu sein, nach einem Ort, der ihm Geborgenheit gibt und an dem er auch eine andere Seite von sich zeigen kann. Er lebt in ungesunden Beziehungen und scheint diese vor allem aus Geldnot aufrechtzuerhalten. Yuji setzt alles daran, Kou auf irgendeine Weise zu helfen und auch wenn dieser ihm zunächst die kalte Schulter zeigt, gibt er nicht auf und scheint damit hohe Mauern einzureißen.

Die erotischen Szenen sind unzensiert und könnten in ihrer Gewaltdarstellung die Leser*innen durchaus überfordern, dennoch sind sie von großer Bedeutung, um die Welt von Kou zu verstehen. Aber auch um Yujis Verzweiflung und Zerrissenheit abzubilden.

Darüber hinaus entwickelt der Titel eine dramatische Dreiecksbeziehung. Denn Kou hat bereits jemand, denn er immer wieder sieht und dessen Enthüllung Yuji vor eine emotionale Hürde stellt. Es ist eine Enthüllung, die gewagt ist, aber zur Entwicklung beider Figuren beitragen dürfte.

Rou Nishimoto besitzt einen Zeichenstil, der eher ins Realistische geht. Besonderes Augenmerk schenkt sie der Mimik und Gestik, wodurch die Emotionen sehr gut abgebildet sind. Einen erwachseneren Touch erhält der Manga auch durch für das Genre eher untypische anwenden von detaillierten Hintergrundzeichnungen in vielen der Panels. Rasterfolie verwendet die Mangaka zum Definieren von Schattierungen und Texturen. Verzierungen finden sich indes nicht wieder.

Hayabusa bringt den Titel in einem Großformat heraus. Als Extras gibt es Farbseiten sowie in der ersten Auflage eine sogenannte SNS-Card. Dabei handelt es sich um Karten, die einem Instagram-Post nachempfunden sind und jeweils einen oder mehrere Charaktere zeigen, die auf einer halb durchsichtigen Folie gedruckt wurden. Die Karte von Two Sides of the Same Coin zeigt Kou. Etwas schade ist, dass der Druck zum Teil durch die Seiten scheint und man so vor allem in hellen Abschnitten der Panels Linien von der jeweils anderen Seite sieht.

Fazit

Two Sides of the Same Coin ist ein Manga, der aufgrund einer doch gewagten Thematik nicht jeden Geschmack treffen dürfte und mit Vorsicht zu genießen ist. Der zweibändige Titel spiegelt Gewalt und psychische Probleme wieder. Die Altersangabe von über 18 Jahren ist dabei unbedingt zu beachten, denn auch wenn der Auftakt durchaus einige lockerere Momente hatte, geht es doch eher in eine düstere und psychologische Richtung.

Für Fans von dieser Art von Manga ist Two Sides of the Same Coin aber sicherlich ein Blick wert. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie die Mangaka die Geschichte um ihre beiden Hauptcharaktere im finalen Band zu einem Ende bringen wird.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Hayabusa Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

One Comment

  • Lisa

    17. Oktober 2021 at 10:27

    Vielen Dank für die ausführliche Rezension!
    Man hat ja schon viel von diesem Manga mittlerweile gehört und ich bin mir immer noch unsicher ob ich ihn wirklich lesen sollte. Ich bin zwar ein “Fan” davon (ich setze das mal in Anführungszeichen weil das sonst falsch rüber kommen könnte) wenn Charaktere eine düstere Vergangenheit haben und das auch mit der Storyline zusammen passt und etwas rüber bringt, aber ich habe dennoch ein bisschen Respekt vor der – auch von dir angesprochenen – Gewalt. Ich habe auch irgendwo gelesen, dass Band 2 ja noch krasser sein soll. Aber vielleicht schaue ich wirklich mal rein um mir ein eigenes Bild zu machen.

    Liebe Grüße, Lisa

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