Vinland Saga

Vinland Saga - Englische Bände

Ich war auf der Suche nach einem guten Manga mit komplexen Charakteren und einer gut durchdachten Story, gerne mit Wikingern. Gesucht, gefunden mit Vinland Saga. Eine Reihe, die unbegründet viel zu unbeachtet ist.

Ehe in den nächsten Tagen ein paar Beiträge rund um die “Vorlage” des Mangas oder der Hauptperson kommen, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, euch in einer Rezension den Manga selbst einmal vorzustellen. Ohne Spoiler versteht sich.

Zum ersten Mal gehört habe ich von dem Manga während des Studiums. Ich habe Skandinavistik studiert und da fiel er am Rande eines Referats über die Vinland Sagas, die (wie der Name schon andeutet) Vorlage für die Grundidee der Reihe sind. Nachdem ich aktiv mit dem Mangasammeln angefangen habe, kam mir der Manga immer wieder in den Sinn und schließlich wurde es durch Umwege die englische Omnibus-Fassung als Hardcover. Ihr könnt den Manga aber auch auf Deutsch bei Carlsen erwerben. Beide Versionen sind ungefähr auf den gleichen Stand, da Japan aufgeholt wurde. Mal ist der deutsche für ein paar Monate vorn, mal der Englische. Und auch wenn einige Leute Panik schieben, es seien bald Bände vergriffen. Carlsen druckt sie weiterhin nach. Es gibt momentan auch keine Pläne für eine teurere Kleinauflage.

ECKDATEN ZUM MANGA
Ich habe euch die deutschen Ecktdaten angefügt. Informationen zur englischen Hardcover-Ausgabe gibt es u.a. beim Verlag Kodansha.

Text&Zeichnungen: Makoto Yukimura
Originaltitel: Vinland Saga
Kategorie: Seinen | Genre: Historisch, Action, Drama
Übersetzung: Hiro Yamada
Verlag: Carlsen
Preis: 7,99€

Leseprobe

Worum geht es?

Aber zurück zum Manga. Die Geschichte von Vinland Saga ist im Europa des 11. Jahrhunderts angesiedelt und konzentriert sich auf das Leben von Thorfinn. Einem isländischen Jungen, dessen Leben schon früh aus dem Fugen gerät. Thorfinn schleicht sich mit auf das Boot seines Vaters, Thors, und muss dort miterleben, wie dieser in einen Hinterhalt gerät und durch einen Wikinger-Kommandeur Namens Askeladd ermordet wird. Thorfinn schwört daraufhin Rache an Askeladd und tritt seiner Bande bei, damit er dessen Nähe sein und ihn in einem fairen Duell Mann gegen Mann töten kann.

Durch seine Reisen und Abenteuer wird Thorfinn zu einer tödlichen und effizienten Tötungsmaschine, denn alles was für ihn zählt ist der Lohn: Ein Duell mit Askeladd. Doch Thorfinn wird immer wieder von den Erinnerungen an seinen Vater heimgesucht und der Frage, was es bedeutet, ein wahrer Krieger zu sein.

Meine Meinung

Ich musste in der Kurzzusammenfassung einige Details weglassen, da sie einfach zu viel über den Inhalt gespoilert hätten. Insgesamt aber ist es eine Geschichte über Veränderung. Es geht um Thorfinn, der in eine Situation gerät, die außerhalb seiner Kontrolle liegt und sich dabei selbst verliert. Eine Geschichte über das sich verlieren und sich wiederfinden. Eine Geschichte, die viel Action bietet, in den richtigen Momenten aber auch auf Humor und Wehmut setzen kann und ernstere, nachdenkliche Töne anschlägt.

Eine der großen Stärken des Mangas sind die Charaktere. Ich habe viele Reihen gelesen, es ist aber selten, welche zu finden, die eine so tiefe Charakterentwicklung vorweisen können. Die Hauptfiguren haben dabei einen sehr detaillierten Hintergrund, der dabei hilft ihr Handeln nachzuvollziehen. Auf die einzelnen Charaktere möchte ich an dieser Stelle aber nicht ausführlich eingehen, da es einige gibt, die wir erst im späteren Verlauf der Reihe kennenlernen.

Nicht verschweigen möchte ich, wie brutal der Manga ist. Ihr solltet euch darüber bewusst sein, dass es sich bei Vinland Saga um keine romantisierende Darstellung der Wikinger handelt. Es handelt sich um eine ziemlich reale Darstellung in allen Bereichen. Es wird getötet, geplünderte und Frauen werden Opfer von Vergewaltigungen. Hierbei gilt aber herauszuheben, dass diese Szenen (die übrigens im Anime zensiert wurden) wichtig sind in Bezug auf die Charakterentwicklung und dabei nie explizit oder gar erotisch dargestellt werden, wie es in doch manchen Manga leider der Fall ist. Man sollte sich dessen aber bewusst sein und kein seichtes Action-Abenteuer erwarten.

Der Zeichenstil von Makoto Yukimura ist besonders im späteren Verlauf wahnsinnig detailliert und kommt insbesondere im englischen Großformat sehr gut zur Geltung. Die Darstellung der Wikinger und deren Kleidung und Waffen ist dabei sehr realistisch gehalten. Auch die typischen Wikingerboote sind historisch genau gezeichnet worden. Sowohl Figuren als auch Hintergründe sind dabei sehr detailliert.

Die Action-Sequenzen sind dabei leicht zu folgen und aus verschiedenen Perspektiven aufwendig dargestellt. Auch die Sequenzen, in denen es nicht um Action geht sind durch die Panelgestaltung nie langweilig. So bleibt die Reihe kurzweilig, auch wenn wir uns gerade in keinem Kriegs-Arc befinden.

Zusammenfassung & Bewertung

Vinland Saga war für mich eine Reihe, die es in kurzer Zeit unter die Alltime-Favoriten geschafft hat. Der Manga verfügt über eine unheimlich dichte Charakterentwicklung mit viel Tiefe in der Story, die man selten findet. Eine Reihe, die zu Unrecht ein Schattendasein führt. Welches, so hoffe ich es zumindest, durch den Anime ihr Ende findet.

Es ist ein Manga für diejenigen, die gerne einen erwachseneren Manga lesen wollen, vor brutalen Szenen aber nicht zurückschrecken und ein Werk suchen, welches auch mal zum Nachdenken anregt und einen ungewöhnlichen Hauptcharakter bietet.

  • 9/10
    Story - 9/10
  • 9/10
    Charaktere - 9/10
  • 10/10
    Zeichenstil - 10/10
  • 9/10
    Cover - 9/10
9.3/10

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