In der Kategorie “Ein Manga, drei Meinungen”, wird euch nicht nur eine Meinung zu einem Manga präsentiert, sondern drei und damit gleichzeitig auch drei unterschiedliche Einblicke zu einem Titel. Im Mittelpunkt steht dieses Mal mit Piece ein ungewöhnlicher Shojo-Manga.

Mangaka von Piece ist Hinako Ashihara, die ein paar von euch vielleicht durch die Reihe “Sunadokei: Die Sanduhr” kennen. Piece ist bereits vor einigen Jahren von 2012 bis 2015 bei Tokyopop erschienen. Für die Reihe erhielt Hinako Ashihara 2013 den Shogakukan Manga Award für den besten Shojo-Manga.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Hinako Ashihara
Originaltitel: Piece
Zielgruppe: Shojo | Genre: Drama, Mystery, Romance
Verlag: Tokyopop
Preis: 6,50€

In zehn Bänden abgeschlossen

Weitere Informationen zum Titel

Worum geht’s?

Eines Tages erhält Universitätsstudentin Mizuho die Nachricht, dass ihre Klassenkameradin aus der Highschool, Haruka Origuchi verstorben ist. Auf der Beerdigung bezeichnet sie die Mutter als ihre beste Freundin. Mizuho ist ehrlich mit der Mutter und berichtet ihr, dass sie mit Haruka kaum gesprochen hat, einen Wunsch aber kann sie der Mutter nicht abschlagen und so beginnt eine Suche. Die Suche nach dem Jungen, mit dem sie in der Highschool zusammen war und von dem sie offenbar schwanger wurde, dann jedoch abtrieb. Mizuho beginnt Harukas Spuren zu folgen und entdeckt dabei nicht nur bei der verstorbenen Mitschülerin unbekannte Seiten.

Wie war’s?


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In Piece – Erinnerung an eine Fremde begleiten wir die Protagonistin Mizuho auf der Suche nach der Wahrheit über die Vergangenheit. Die Beerdigung einer eher unscheinbaren Mitschülerin bringt die Geschichte in Fahrt. Anfangs scheint dieses Ereignis nur für kurze Zeit die ehemaligen Klassenkameraden zusammenzubringen, doch das Ganze ändert sich, als sich die Mutter der verstorbenen Haruka an Mizuho wendet. Angeblich soll Mizuho die beste Freundin von Haruka gewesen sein, doch davon weiß Mizuho leider überhaupt nichts. Wie kann das sein?! Somit beginnt die Suche nach den Puzzlestücken, die diese unerwartet tiefgreifende und komplexe Story zusammensetzen.

Mich hat diese Geschichte überraschenderweise sehr stark in ihren Bann gezogen und ich konnte nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Die Geschichte wird unglaublich gut erzählt und birgt viele unvorhersehbarer Wendungen. Hat man das Gefühl, die nächsten Schritte durchschaut zu haben, kommt es unverhofft doch auf einmal komplett anders. Mit Mizuho und ihren Freunden ist der Leser auf der Suche nach der wahren Geschichte von Haruka. Doch nicht nur die Geschichte wirkt unglaublich gut durchdacht, auch die Charaktere tragen ihren Teil dazu bei. Denn so erfährt man nicht nur die Hintergründe zu Harukas handeln, sondern auch offenbart sich die Vergangenheit von Mizuho und ihren Freunden.

Ich bin sehr froh, dass ich durch Zufall auf diese Reihe gestoßen bin. Unscheinbar auf den ersten Blick, aber ein richtiger Mystery Knaller auf den zweiten. Es ist schade, dass diese Reihe scheinbar recht unbekannt ist. Wer Mystery Fan ist, sollte Piece auf jeden Fall eine Chance geben.


speckolga

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Als ich mir die Reihe gekauft habe, hatte ich ehrlich gesagt keine Vorstellung, was mich erwartet. Im Grunde wusste ich nur, dass es mehr in Richtung Drama geht, als die Genreeinteilung „Romance 15+“ erwarten lässt. Das und die schwarzen Cover haben als Kaufgrund gereicht. Und was soll ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht!

Zuerst denkt man, es geht darum, das Leben der verstorbenen Haruka aufzudecken. Die Charaktere entdecken nach und nach das typische „Stille Wasser sind tief“. Aber das ist nur ein kleiner Teil dieser großartigen Geschichte. Denn der Kern dieses Titels besteht eigentlich darin, dass jeder der Charaktere etwas zurückgehalten hat, ob wissentlich oder unwissentlich, woran er sich nicht erinnern möchte. Jeder hatte sein Päckchen zu tragen und manche wussten nicht mal, dass Haruka damit zutun hatte. Genau das fand ich genial! In den 10 Bänden dieser Reihe verstricken sich die Charaktere, die vorher fast alle kaum etwas miteinander zutun hatten, miteinander und finden die Wahrheit hinter den Geschehnissen in ihrer Highschool-Zeit heraus. Zeitweise könnte man denken: Das ist doch total unglaubwürdig, dass so etwas passiert! Aber zumindest mir kam alles plausibel vor. Das liegt hauptsächlich am Aufbau der Geschichte. Zuerst kratzen Mizuho und ihre ehemaligen Klassenkameraden nur an der Oberfläche. Immer wieder denkt man, jetzt wäre der „Fall“ gelöst. Wie in einem Krimi tauchen wir immer tiefer ein und dringen dann zum eigentlichen Kerncharakter vor. Und dieser hat mich wirklich sehr überrascht! Ich bin noch unsicher, ob ich das Ende wirklich komplett verstanden habe. Aber zumindest fand ich es sehr heftig und musste wirklich schlucken.

Piece ist eine Mischung aus Romance, Drama und ein bisschen auch Krimi, was ihn emotional aufgeladen und interessant macht. Ich war wirklich in den Bann gezogen und kann sehr empfehlen diese Geschichte am Stück zu lesen, um auch alle Zusammenhänge zu verstehen.


Kerstin (lostinmanga)

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Wie beschreibt man diesen Manga, ohne zu spoilern? Keine leichte Angelegenheit. Was ich aber sagen kann, Piece ist genau die richtige Reihe für diejenigen, die keine Lust mehr haben auf den neumodischen Einheitsbrei im Romance-Shojo. Die Mangaka liefert eine narrative Komplexität ab, die man in vielen Titeln der Zielgruppe vermisst.

In Piece steht der Romance-Anteil nicht in Vordergrund und es geht schon einmal gar nicht um gepuderte, rosarote Welten. Der Manga beschreibt eine harte Realität und bildet ihre Charaktere auf beeindruckende Weise mehrdimensional ab. Sie sind keine Stereotype, sondern haben viele Facetten, die einem erst nach und nach offenbart werden. Piece ist eine Reihe mit vielen kleinen Twist, Überraschungen und Mystery-Elementen. Es geht um vertane Chancen, Fehler in der Jugend und das Finden des richtigen Weges. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Piece auf für die Leser etwas ist, die ansonsten mit der Zielgruppe Shojo nicht viel anfangen können.

Der Zeichenstil der Mangaka ist rau, skizzenhaft und ab und an ein wenig unperfekt. Die Panels sind doch typisch Shojo und es gibt keine starre Anordnung, sondern auch mal Formen Abseits von Rechtecken. Dennoch kann man dem Geschehen leicht folgen. Auf der narrativen Ebene entscheidet sich die Mangaka dazu, immer wieder Rückblenden einzubauen und so nach und nach setzen sich dadurch auch beim Leser die Puzzle-Teile zusammen. Sehr passend fand ich an dieser Stelle, dass die Rückblenden auch häufig sehr lang waren, so dass man beim Lesen insgesamt doch im Fluss blieb und nicht rauskam.

Insgesamt ist Piece wirklich ein Manga, der es in sich hat und zeigt, dass Shojo so viel mehr kann, als man der Zielgruppe mit starren Schubladen-Denken zutraut. Solltet ihr die Chance haben Piece über dem Weg zu laufen, greift zu.

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