Manga online zu lesen, wird noch immer häufig mit illegalen Scan-Seiten in Verbindung gebracht. Viele denken bei dem Thema sofort an schlecht übersetzte Fan-Scans, fragwürdige Webseiten und Kapitel, die irgendwo im Netz auftauchen, obwohl sie dort eigentlich nichts verloren haben.
Dabei hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe legaler Möglichkeiten, Manga digital zu lesen. Ob auf dem Smartphone, Tablet, E-Reader oder direkt im Browser: Wer Manga online lesen möchte, ist heute längst nicht mehr automatisch auf illegale Quellen angewiesen.
Durch das Wachstum des Manga-Marktes ist auch das digitale Angebot größer geworden. Besonders auf dem US-Markt haben sich viele Apps und Plattformen etabliert, über die Manga legal angeboten werden. Dort ist die Auswahl inzwischen so groß, dass man schnell den Überblick verlieren kann.
Im deutschsprachigen Raum sieht die Lage zwar noch etwas anders aus, aber auch hier gibt es erste Ansätze.
Warum legale Quellen wichtig sind
Natürlich ist es verlockend, einfach nach einem Titel zu suchen und irgendwo direkt weiterzulesen. Viele illegale Seiten sind schnell gefunden, kostenlos und wirken auf den ersten Blick bequem. Diese Seiten bieten allerdings Inhalte an, ohne dass die Rechteinhaber, Verlage oder Künstler*innen dahinter dafür bezahlt werden. Manga entstehen nicht einfach nebenbei. Hinter einem Band oder Kapitel stecken viel Arbeit, enge Deadlines und zahlreiche Menschen, die übersetzen, redigieren, lettern, gestalten, lizenzieren und veröffentlichen.
Zumal es inzwischen immer öfter vorkommt, dass Inhalte nicht von Fans übersetzt sind, sondern einfach von Verlagen geklaut werden.
Wenn man Manga legal kaufen oder über offizielle Plattformen lesen, landet natürlich nicht automatisch der gesamte Betrag bei den Mangaka. Trotzdem zeigen legale Käufe und offizielle Abrufe den Verlagen, dass Interesse an bestimmten Serien besteht. Das kann auch beeinflussen, welche Titel lizenziert werden, welche Reihen fortgesetzt werden und ob digitale Angebote weiter ausgebaut werden.
Digital lesen heißt nicht weniger wertschätzen
Lange Zeit wurde digitales Lesen bei Manga eher skeptisch betrachtet. Manga sind schließlich auch Sammelobjekte. Viele lieben es, ihre Regale zu füllen, Cover nebeneinanderzustellen und Reihen vollständig im Schrank stehen zu haben. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Trotzdem hat digitales Lesen aus meiner Sicht auch viele Vorteile. Man hat seine Bibliothek unterwegs dabei, kann neue Kapitel sofort lesen und muss nicht warten, bis ein gedruckter Band verfügbar ist.
Gerade bei langen Reihen ist es praktisch, nicht jeden einzelnen Band physisch besitzen zu müssen. Auch zum Ausprobieren neuer Serien eignen sich digitale Angebote gut. Wer vorher ein paar Kapitel liest, kann besser entscheiden, ob sich der Kauf eines gedruckten Bandes lohnt.
Deutsche Anbieter sind noch rar gesät
Im deutschsprachigen Raum ist das Angebot an legalen digitalen Manga leider weiterhin überschaubar.
Wenn ihr vor allem deutsche Übersetzungen sucht, gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten. Einige Verlage bieten einzelne Kapitel oder Leseproben auf ihren Webseiten an. Altraverse hat beispielsweise bei ausgewählten Titeln Simulpub-Angebote genutzt. Auch bei Egmont gab und gibt es immer wieder Möglichkeiten, einzelne Kapitel online zu lesen.
Solche Angebote sind schön, bleiben aber meistens auf bestimmte Reihen oder zeitlich begrenzte Aktionen beschränkt. Eine besondere Ausnahme ist Manga Plus. Dort sind einige Serien auch auf Deutsch verfügbar. Das deutschsprachige Angebot fällt allerdings deutlich kleiner aus als das englische.
Was bisher fehlt, ist ein wirklich breites deutsches Abo-Modell, bei dem man Manga verschiedener Verlage bequem digital lesen kann. Während es im Anime-Bereich längst normal ist, Serien legal zu streamen, wirkt der Manga-Bereich in Deutschland digital noch deutlich zurückhaltender.
Manga legal auf Englisch lesen
Ganz anders sieht es auf dem englischsprachigen Markt aus. Dort gibt es inzwischen mehrere Apps und Plattformen, über die ihr Manga legal lesen könnt. Der US-Markt ist in diesem Bereich deutlich stärker gewachsen und bietet eine größere Auswahl an digitalen Modellen.
Nicht jede Plattform funktioniert allerdings gleich. Manche bieten nur Titel bestimmter Verlage an. Andere konzentrieren sich auf aktuelle Kapitel. Wieder andere verkaufen vor allem digitale Bände. Deshalb lohnt es sich, vorher zu überlegen, was ihr eigentlich sucht. Einige Plattformen arbeiten mit Abos. Ihr zahlt monatlich einen festen Betrag und könnt dafür auf eine bestimmte Auswahl an Titeln zugreifen. Das lohnt sich besonders, wenn ihr viel lest und gerne unterschiedliche Reihen ausprobiert. Dann gibt es Plattformen, bei denen ihr die Kapitel nur gegen „Coins“ oder „Points“ kaufen könnt. Die Eigenwährung der jeweiligen App. Manchmal bekommt ihr Punkte fürs Einloggen, oft müsst ihr sie vorher kaufen.
Je nach Anbieter können die Kapitel kostenlos, kostenpflichtig oder nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar sein.
Worauf ihr bei Plattformen achten solltet
Nicht jede Plattform passt zu jedem Leseverhalten. Bevor ihr euch für eine App oder einen Anbieter entscheidet, lohnt sich deshalb ein Blick auf einige Punkte. Du solltest prüfen, welche Titel überhaupt zum Angebot gehören. Manche Plattformen konzentrieren sich vor allem auf Shōnen-Serien. Andere bieten Romance, Fantasy, Action, Comedy oder Boys Love an. Wieder andere beschränken sich auf Manga bestimmter Verlage.
Auch das Bezahlmodell spielt eine Rolle. Bei einem Abo solltet ihr darauf achten, ob wirklich alle Kapitel enthalten sind oder ob für einzelne Titel zusätzliche Kosten anfallen.
Ein weiterer Punkt ist die regionale Verfügbarkeit. Nicht jede App und nicht jeder Manga ist in jedem Land abrufbar. Außerdem solltet ihr prüfen, auf welchen Geräten ihr lesen könnt. Manche Plattformen funktionieren nur über eine App, andere zusätzlich im Browser.
Digitale Bände kaufen?
Was den Kauf von ganzen Bänden angeht, habe ich diese in der Übersicht rausgelassen. Hier geht es wirklich nur um digitale Plattformen, die Kapitelkauf anbieten oder in denen ihr Kapitelweise lesen könnt. Wenn ihr digitale Bände kaufen möchtet, kann ich euch für den deutschen Markt Thalia oder andere Tolino-Plattformen empfehlen. Hier habt ihr anders als bei Amazon mehr Spielraum, wenn ihr in einer von euch ausgewählten App lesen möchtet.
Für den US-Markt habe ich lange Zeit Kobo genutzt, habe kürzlich aber zu Bookwalker gewechselt, nachdem hier nun auch die Möglichkeit besteht, die Bände runterzuladen und in einer separaten App zu lesen, die nicht von Bookwalker selbst stammt.