Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

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Bis wir uns fanden - Roman Manga

Bis wir uns fanden – Japans erstes schwules Ehepaar [Doppelrezension]

[Anzeige, da Manga ein Rezensionsexemplar]

In der heutigen Rezension möchte ich euch mit dem Manga und dem Roman gleich beide Veröffentlichungsvarianten von Bis wir uns fanden vorstellen.

Bevor es wirklich um den Titel geht, möchte ich euch kurz erzählen, wie es überhaupt zu dieser Doppelrezension kam. Denn geplant war das so eigentlich nicht. Den Manga habe ich freundlicherweise von Hayabusa zur Verfügung gestellt bekommen und ziemlich schnell gelesen, als er den Weg in meinen Briefkasten gefunden hatte. Um es schon einmal vorweg zu nehmen: Er hat mir gefallen.

Ich wurde neugierig auf den Roman und da ich meine Comicshop-Bestellung noch nicht erledigt hatte, kam der Roman noch schnell mit rein. Bis dahin hatte ich mir schon ein paar Merksätze für die Manga-Rezension gemacht, aber als ich den Roman begonnen habe, habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich euch darüber auch erzählen möchte. Und so kommt es zu dieser Doppelrezension. Denn anstatt euch noch einmal alles in einer zweiten Rezension zu erzählen, werde ich beide Rezensionen zu einer zusammenfassen und auf Vorteile und Nachteile eingehen.

Der autobiografische Roman erschien in Japan im Jahr 2019 unter dem Titel Boku ga Otto ni Deau made. Etwa ein Jahr später wurde die Adaption als Manga gestartet, welche den gleichen Namen trägt.

Veröffentlicht wurde der Manga im News-Magazin Bunshun. Später folgte eine Veröffentlichung als Sammelband.

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Manga Story: Ryousuke Nanasaki| Zeichnungen: Yoshi Tsukizuki | Originaltitel:  Boku ga Otto ni Deau made | Übersetzung: Doreaux Zwetkow | Genre: Autobiografie, LGBTQ+| Demografische Zielgruppe: Seinen| Verlag: Hayabusa | Preis: 10,00€ | Weitere Informationen zum Titel

Roman Story: Ryousuke Nanasaki | Originaltitel: Boku ga Otto ni Deau made | Übersetzung: Doreaux Zwetkow | Genre: Autobiografie, LGBTQ+| Demografische Zielgruppe: Seinen| Verlag: Hayabusa | Preis: 14,00€ | Weitere Informationen zum Titel

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Wie war’s?

Autobiografische Titel zu bewerten ist so eine Sache für sich, denn am Ende blicken wir hier auf das Leben einer realen Person.

Bis wir uns fanden, erzählt die Geschichte von des japanischen LGBTQ-Aktivisten Ryousuke Nanasaki. Von seinen ersten Erfahrungen als schwuler Mann auf der Suche nach seinem seelenverwandten und seiner letztendlichen Heirat – der ersten religiös anerkannten gleichgeschlechtlichen Hochzeit in der japanischen Geschichte.

Der Titel erzählt von den ersten Erfahrungen des Autors als junger schwuler Mann auf der Suche nach Liebe – vom Schwärmen in der Schule über unbeholfene Dating-Seiten bis hin zur Suche nach dem Mann, mit dem er sein Leben verbringen möchte. Dating ist nie einfach, aber das gilt umso mehr für Ryousuke, dessen Reise voller unerwiderter Liebe und vieler Stolpersteine ist. Auf dieser Reise werden also Fälle von Homophobie, Geisteskrankheit und riskantem Sexualverhalten geschildert.

Die bewegende Geschichte von Ryousuke Nanasaki wurde sowohl in einem Roman als auch in einer Manga-Adaption veröffentlicht. Beide Varianten wurden von Hayabusa Manga gleichzeitig auf den deutschen Markt gebracht.

Im Vergleich zur Manga-Vorlage punktet der Roman natürlich durch die Möglichkeit, Handlungsstränge erzählerisch zu vertiefen und den Protagonisten damit stärker zu charakterisieren. Das wird schon in der Anfangsphase deutlich und zieht sich durch das gesamte Werk.

Da es sich bei dem Manga um einen Oneshot handelt, werden viele Ereignisse im Leben von Ryousuke kürzer gefasst oder müssen sogar komplett gestrichen werden. Der Roman schafft eine stärkere Verbindung. So bekommen wir deutlich mehr und nuancierte Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt von Ryousuke. Und gerade hier liegt ein Großteil des Reizes des Titels.

Insbesondere im Hinblick auf eine Geschichte aus der Mittelschul-Zeit fällt dies auf. Hier berichtet Ryousuke von einer kurzen Beziehung, für die er sich später auch schämte und die bei seinem Outing als Erwachsener durchaus eine überraschende Wendung mitbringt. Ein Ereignis, welches im Manga leider keinen Platz findet, da hier vor allem wichtige Ankerpunkte behandelt werden. Gleiches trifft auf einige Beziehungen zu, die Ryousuke in Tokio hat.

Zumindest eine Szene wurde auch leicht verändert in der Mangaform und um eine weitere Person ergänzt.

Dennoch kann auch der Manga in seiner Umsetzung überzeugen. Der Oneshot liefert einen gefühlvollen Blick auf das Leben von Ryousuke, wenn auch nicht jede gescheiterte Beziehung und jede Station seines Lebens im Detail abgelichtet werden kann. Man kann auch in der kürzeren Form mitfühlen und versteht, welche Hürden und Steine Ryousuke in seinem Leben bewältigen musste.

In beiden Versionen wird seine Gefühlswelt gut abgebildet und deutlich gemacht, mit welchen Vorurteilen er in der japanischen Gesellschaft zu kämpfen hatte und weiterhin zu kämpfen hat. Wenn auch in diesem Zusammenhang der Roman deutlich mehr in die Tiefe geht.

Ryousuke Nanasaki schreibt im Nachwort des Mangas, er wollte mit dem Manga eine Brücke zwischen dem realen Leben und BL-Manga schlagen. Ein Vorhaben, welches im Zusammenspiel mit Yoshi Tsukizuki außerordentlich gut gelungen ist.

Yoshi Tsukizuki ist eine Boys-Love-Zeichnerin und das sieht man den Illustrationen durchaus an. Die Mangaumsetzung weist viele Merkmale von BL-Manga auf. Die Figuren sind sauber gezeichnet und der Fokus liegt klar auf den Charakteren, während Hintergründe zum Großteil einfacher gehalten sind.

Herausgegeben wird der Titel von Hayabusa in einem Großformat. Farbseiten gibt es in dem Band nicht und auch ansonsten keine Extras. Der Roman wird ebenfalls in einem Großformat veröffentlicht und wurde mit einer Klappenbroschur ausgestattet. Hinten gibt es zudem eine kleine Bildergalerie.

Bei der Roman-Umsetzung scheint dem Verlag jedoch ein Fehler auf dem Cover unterlaufen zu sein. Der Mangaka rutscht dort mit auf den Umschlag, obwohl es in dem Band selbst keinerlei Zeichnungen gibt.

Ein Fehler, der sicherlich auch dadurch passiert ist, dass man die beiden Veröffentlichungen aufeinander abgestimmt hat. Das Schriftdesign auf dem Cover und Buchrücken sind ähnlich gehalten.

Fazit

Mit Bis wir uns fanden erhält die Leserschaft einen gefühlvoll erzählten autobiografischen Titel, der sowohl in der Roman- als auch in der Mangaumsetzung seine Fans finden wird.

Nachdem ich den Manga gelesen hatte, hatte ich nicht direkt das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Die Umsetzung war gelungen und hat viele Emotionen in mir hervorgerufen. Am Ende war ich aber froh, dass ich mir den Roman zusätzlich gekauft habe und noch mehr in die Thematik abtauchen konnte.

Wenn ihr nicht lesefaul seid, dann lohnt sich also auf jeden Fall der Griff zu beiden Varianten, um sich ausführlich mit den Erfahrungen von Ryousuke Nanasaki zu befassen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Hayabusa Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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