Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Blue Giant - Manga Rezension

Blue Giant (Band 1)

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Blue Giant ist eine Mangaserie von Shinichi Ishizuka, die von 2013 bis 2017 in Japan erschien und insgesamt zehn Bände umfassen wird.

Sie wurde 2017 bis 2020 mit Blue Giant Supreme fortgesetzt, von welchem beim deutschen Verlag Carlsen Manga bereits im vergangenen Jahr die ersten Bände erschienen sind. Die Fortsetzung wurde vorgezogen, da man hoffte, mit Deutschland als Schauplatz das deutsche Publikum besser ansprechen zu können. Blue Giant Supreme ist ebenfalls abgeschlossen und wird insgesamt auf elf Bände kommen.

Blue Giant erhielt 2017 den Shogakukan-Manga-Preis als bester Manga für das allgemeine Publikum sowie den Grand Prize des 20. Japan Media Arts Festivals. Zuvor war Blue Giant bereits zwei Mal für den Manga Taisho Award nominiert worden, 2018 folge die Nominierung für den Osamu-Tezuka-Kulturpreis sowie 2019 für den Grand Prix de la Ville d’Angoulême.

Im Oktober 2021 wurde eine Anime-Adaption zum Manga angekündigt.

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Story&Zeichnungen:  Shinichi Ishizuka  | Originaltitel: Blue Giant | Übersetzung: Luise Steggewentz| Genre: Musik, Slice-of-Life | Demografische Zielgruppe: Seinen| Verlag: Carlsen Manga | Preis: 8,00 € | In zehn Bänden abgeschlossen | Weitere Informationen zum Titel

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Wie war’s?

Nachdem seit einigen Monaten das Sequel bereits auf dem deutschen Markt ist, bekommen die Leser*innen durch Blue Giant jetzt auch die Chance, Dai bei seinen ersten Gehversuchen in der Jazzmusik zu beobachten.

Dai Miyamoto ist in seinem Abschlussjahr der Oberschule. Er spielt seit einigen Jahren Basketball, ohne großen Erfolg, aber mit großer Leidenschaft. Neben der Schule arbeitet er halbtags an einer Tankstelle.

Eine große Leidenschaft ist auch die Jazzmusik, die er durch einen Freund entdeckte, und die dazu geführt hat, dass sich Dai ein Saxophon kauft. Dieses spielt er tagtäglich, vor allem an den Ufern des Flusses.

Doch Dai scheint mit seiner Leidenschaft für Jazz so ziemlich alleine zu sein: In seinem Umfeld gibt es niemand, der seine Liebe zum Jazz teilt und sein Bekanntenkreis scheint die Musikrichtung mit vielen Vorurteilen zu betrachten. Das führt auch dazu, dass er sich das Meiste selbst beibringt und von der Theorie wenig Ahnung hat.

In der Erzählstruktur bleibt der Manga sich treu. Die Leserschaft wird in einem ruhigen Erzählstil in die Welt von Dai eingeführt. Wir lernen auf den ersten Seiten zunächst, wie Dai zu seiner Jazzleidenschaft kam, aber auch, welche Dinge ihn daneben beschäftigen. So spielt Dai Basketball und auch wenn er dafür kein großes Talent zu haben scheint, macht ihm die Klubtätigkeit dennoch einiges an Spaß.

Daneben geht es viel um die Frage, was Jazz eigentlich ist und was an dieser Musik so verführerisch sein kann. In seinem Umfeld wird Dai von anderen Mitschüler*innen oft eine Reihe von Vorurteilen konfrontiert: Man sagt ihm, er sei kultiviert und stilvoll, nur weil er Saxophon spielt. Es sei Musik für erwachsene oder bizarre Musik, eine Musikrichtung für Angeber oder gar altmodische Menschen.

Dai geht mit diesen Vorurteilen gut um und kümmert sich nicht viel darum. Es ist eben das, was ihn mit Leidenschaft und Freude füllt. Dennoch fragt er sich oft, wie er Leuten mit wenigen Worten erklären kann, was Jazz eigentlich ist. Es ist schwierig für ihn, zumal er nicht wirklich ausmachen kann, wieso er eigentlich Jazz mag. Er hat ein Verständnis für Jazz, auch wenn es ihm schwerfällt, das zu erklären. Er mag ihn, weil er ihn eben mag. Dennoch aber gibt es eine Antwort zwischen den Zeilen, was Jazz für den Schüler ausmacht: Emotionen.

Auch wenn Dai noch viele Grundlagen fehlen, so lässt er die Emotionen schon in seine Musik einfließen. Freude, Traurigkeit, Aufgeregtheit. Dai ist bereits fähig, diese Emotionen in vielen Menschen zu bewirken. Deutlich wird dies, wenn er ein Stück zum Abschied seines besten Freundes spielt, welches ihn zum Weinen bringt.

Dinge wie seine völlige Unkenntnis von Musiktheorie sind ihm völlig egal. Und doch zeigt sich, dass sie für seine Zukunft wichtig sein dürften. Im Laufe des Bandes wird klar, dass Dai, obwohl er das Saxophon und die Jazzmusik liebt, nicht alles darüber weiß und noch viel lernen muss. Er spielt zu hart, so dass andere Instrumente untergehen, konzentriert sich zu wenig um das auf sich herum und scheint auch über die Pflege seines Instruments nicht viel zu wissen.

Die ersten Enttäuschungen lassen sich nicht lange auf sich warten und Dais unbedarfte Natur wird nach einem katastrophalen Konzert auf die Probe gestellt. An dieser Stelle kommt es zu einer in solchen Erzählungen bekannten “Jetzt gebe ich erst recht nicht auf”-Einstellung. Allerdings erst nachdem Dai seine erste Enttäuschung langsam vergessen kann und darüber reflektiert, was eigentlich passiert ist. Eine Stelle, in der der Mangaka geschickt Basketball als Parallele nutzt, wodurch die Leser*innen einen guten Zugang zu dem Problem von Dai finden.

Im Gegensatz zu den meisten Protagonisten, die oft Einzelgänger sind, spielt Dai in seiner Highschool-Basketballmannschaft, hat einen Teilzeitjob an einer Tankstelle und viele Freunde. Er fühlt sich dadurch real und greifbar an. Auch die Nebencharaktere von Blue Giant sind gut ausgearbeitet. Von seinem Chef an der Tankstelle bis hin zu seinem Freund Tamada, sie alle hinterlassen einen bleibenden Eindruck und tragen zu Dais Reise bei. Sei die Geste auch noch so klein.

Der Stil von Shinichi Ishizuka ist sehr realistisch und fein ausgearbeitet, was Hintergründe angeht. Ohne eine hörbare Komponente kann es schwierig sein, Musik in Mangas darzustellen. Blue Giant gelingt dieser Part außerordentlich gut. Mit starken Speedlines kann man die Leidenschaft in Dais Bewegungen erkennen, wenn er sein Saxophon spielt. Man sieht auch, wie die Charaktere auf seine Musik reagieren und wie die Musik sie inspiriert. Dais Spielstil spiegelt auch seine Persönlichkeit wieder: schwungvoll, schnell und voller Energie. Das macht es einfacher, sich vorzustellen, wie es klingen könnte.

Schließlich ist noch anzumerken, dass Ishizuka in wichtigen musikalischen Momenten keine oder nur sehr wenige Lautmalereien verwendet, was es ihm ermöglicht, sich von Überflüssigem zu befreien. Der Mangaka scheut nicht davor zurück, nur die Bilder wirken zu lassen. Manchmal braucht es einfach nicht viele Worte, um einer Situation Tiefe zu verleihen.

Fazit

Mit Blue Giant erhält die Leserschaft Einblick in die Anfänge von Protagonist Dai und verfolgt, wie er seine ersten Stehversuche auf der Bühne macht. Der Mangaka schafft es, durch intensive Zeichnungen zu fesseln und weiß, Musik grafisch abzubilden.

Der Manga ist ruhig, aber auf seine Weise auch sehr intensiv und emotional. Sollte man bei Blue Giant Supreme gezögert haben und erst auf den Vorgänger gewartet haben, ist jetzt der passende Augenblick, um Dais Reise als Jazzmusiker zu verfolgen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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