Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Rezension - Blue Period Band 3

Blue Period (Band 3)

Blue Period gehört für mich zu den besten Neustarts im Jahr 2020 und ich habe jeden Band mit Freude erwartet. Blue Period nutzt zwar viele bekannte Züge, kann sich aber durch die Herangehensweise an das Thema als auch den Zeichenstil von der Masse absetzen.

Auf dem japanischen Markt ist kürzlich der neunte Band der Reihe erschienen, die in diesem Jahr mit dem renommierten Kodansha-Award ausgezeichnet wurde. Für Mangaka Tsubasa Yamaguchi ist es die erste längere Reihe, an der sie arbeitet.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu Band eins rein.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Tsubasa Yamaguchi
Originaltitel: Blue Period
Zielgruppe: Seinen | Genre: Slice-of-Life, Drama
Verlag: Manga Cult
Preis: 10,00 € | Großformat

Weitere Informationen & Leseprobe

Worum geht’s?

Yatora Yaguchi hat inzwischen die wichtigsten theoretischen Grundpfeiler des künstlerischen Schaffens erlernt und ackert weiter fleißig daran, es an eine der wichtigsten Kunsthochschulen Japans zu schaffen. Doch als die Aufnahmeprüfungen näher rücken, stößt Yataro plötzlich vor eine Wand …

Wie war’s?

Die “Reise zum Künstler” findet für Yatora ihre Fortsetzung und gemeinsam mit ihm erforschen die Leser*innen aus der Sicht eines Neulings, was alles zum künstlerischen Schaffen gehört. Durch Yatora haben wir bereits viel über Kompositionen und Techniken gelernt und auch in diesem Band kommen neue Dinge hinzu. Nachdem Yataro vor Energie nicht zu bremsen war, steht er erstmals vor einer großen Wand, die es zu überwinden gilt. Er kommt zur Erkenntnis, dass Kunst auch etwas mehr ist als nur Theorie, die man erlernen kann. Denn als er in seinem Vorbereitungskurs auf abstrakte Aufgaben trifft, tut Yataro sich schwer, sie zu greifen und umzusetzen.

Er stagniert, wird frustriert und Zweifel machen sich breit. Yatora zeigt sich in diesem Band menschlicher als in den Bänden zuvor. Er beginnt, die Welt der Kunst jenseits von Universitätsstatistiken und Grundtechniken zu verstehen. Yataro wächst in seiner Persönlichkeit und begreift, dass etwas wirklich mit voller Leidenschaft zu bestreiten auch mit schwierigen Momenten einhergehen kann. Dass nicht alles so leicht von der Hand geht, wie er es sich erhofft hatte.

Mit Unterstützung von außen kann Yatora diese Phase schließlich überwinden und begreift, dass man sich manchmal auf etwas Neues einlassen muss, um neue Energie und neue Inspiration zu erlangen. Sei es eine größere Leinwand oder neues Material. Auch erlebt er zum ersten Mal, dass ein winziger Moment, in ihm große Inspiration weckt. Eine Kleinigkeit führt zu einer Idee, die er sofort umsetzen muss, koste es, was es wolle.

Blue Period fokussiert sich in diesem Band vor allem auf den Protagonisten und seinem Leiden. Gleichzeitig lässt sich aber auch erahnen, dass auch Ryuji derzeit vor einer imaginären Wand steht. Er hat einige Tage den Vorbereitungskurs geschwänzt und scheint in seinem Zuhause Probleme zu haben. Auch Yotasuke wird in diesem Band am Rande beleuchtet. Er hat sich im vorherigen Band dazu entschieden den Vorbereitungskurs zu schmeißen, da er nicht glaubt, dass er ihn irgendwo hinführen wird. Den Kontakt zu Yatora hat er aber nicht verloren und auch wenn sich die Beiden nicht als Freunde sehen, treiben sie sich durch ihren Ehrgeiz gegenseitig an.

In dem Band zeigt Tsubasa Yamaguchi, dass sie ein großes Talent hat, ihre Charaktere menschlich und ihre Persönlichkeiten einzigartig wirken zu lassen. Kein Charakter ähnelt dem anderen, alle haben ihre ganz persönlichen Empfindungen und Ziele. Sie alle gehen anders mit verschiedenen Situationen um.

Die Illustrationen sind dabei wie immer beeindruckend und heben sich von der Masse auf dem Mangamarkt ab. Die Ausdruckskraft der Charaktere und ihre Bilder lassen die Leser*innen wirklich in den Titel eintauchen. Die Figuren sind unterschiedlich gezeichnet und leicht zu unterscheiden. Sie arbeitet mit dem in der Seinen-Zielgruppe weitverbreiteten Panel-System. Es gibt rechteckige, abgeschlossene Panels. Auffällig ist, dass der Großteil davon sogenannte Tachikiri-Panels sind. Bei ihnen handelt es sich um Panel, die bewusst über den Randabschnitt hinaus gezeichnet werden.

Die Panelgröße und Anzahl variierten von Seite zu Seite, je nachdem, welches Tempo oder welcher Fokus angestrebt wird. Besonderen Augenblicken und wichtigen Szenen wird wie gewohnt viel Raum gegeben und so finden sich auch in diesem Band einige Splash-Panels.

Fazit & Bewertung

Blue Period kann auch im dritten Band der Serie überzeugen. Yatora hat bereits einige lange Reise hinter sich und nun beginnt er auch die Seiten der Kunst zu verstehen, die nicht durch Theorie greifbar ist. Dabei überzeugt die Mangaka erneut in der Charakterisierung. Sie liefert vielschichtige Figuren, die greifbar und menschlich sind.

Die Reihe bleibt spannend und ist nicht nur für Kunstfans einen Blick wert. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie es Yatora und den anderen Charakteren im kommenden Band ergehen wird.

Weitere rezensierte Bände der Serie:
Band 1
Band 2

Schreibe einen Kommentar