Rezension: Dann denk ich an dich

Mit Dann denk ich an dich brachte Egmont Manga im August einen neuen Kurzgeschichten-Band im Boys-Love-Genre heraus. In ihm geht es um Neuanfänge, die erste Liebe und das Einstehen für sich selbst. Allesamt gefühlvoll erzählt und für Einsteiger geeignet.

Dann denk ich an dich ist ein Kurzgeschichtenband von der Mangaka Komatsu, für die es gleichzeitig das Debüt auf dem deutschen Markt ist. Erschienen sind die Geschichten zwischen Oktober 2013 und Juni 2015 im japanischen Canna-Magazin, ehe sie später auch als Sammelband veröffentlicht wurden. Es gibt allerdings keine chronologische Anordnung der jeweiligen Storys in dem Sammelband. Durch eine Notiz am Ende des Bandes kann der Leser aber sehr gut nachvollziehen, wann die jeweiligen Kurzgeschichten erschienen.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Komatsu
Originaltitel: Sorekara, Kimi o Kangaeru
Genre: Boys Love, Romance, Drama
Verlag: Egmont Manga
Preis: 7,50 €

In einem Band abgeschlossen

Weitere Informationen zu “Dann denk ich an dich” & Leseprobe

Wie war’s?

Der Kurzgeschichtenband besteht aus vier Geschichten, die alle eine unterschiedliche Länge haben. Die kürzeste Geschichte geht dabei gerade einmal über 14 Seiten, die anderen Episoden aber sind deutlich länger. Die Handlungen der jeweiligen Geschichten überzeugen mit viel Abwechslung und unterschiedlichen Thematiken.
Herausstechen kann insbesondere die titelgebende Geschichte, welche den Band eröffnet.

Die erste Kurzgeschichte ist in einer kleinen Küstenstadt angesiedelt und hat einen melancholischen Unterton. Takashi und Yasu leben in dem kleinen Ort und kennen sich schon von kleinauf. Doch anders als Yasu möchte Takashi aber unbedingt ausbrechen und strebt nach dem Schulabschluss eine Universität in Tokio an. Ihn hält nichts an dem Ort, in dem es nichts zu geben scheint und in dem die Bewohner immer älter werden. Er ahnt nicht, was derweil in Yasu vorgeht. Der macht zwar gute Miene und unterstützt Takashi beim Lernen, doch in ihm selbst geht es ganz anders aus: Er empfindet mehr als nur bloße Freundschaft.

Die Geschichte setzt sich damit auseinander, was wir eigentlich nach Außen tragen. Es geht um unterdrückte Gefühle, aber auch um Trennungsschmerz. Komatsu erzählt die Geschichte dabei sehr rund und mit viel Augenmerk auf die Charaktere und deren Emotionen. “Dann denk ich an dich” endet wie viele der Kurzgeschichten in diesem Band relativ offen, dennoch hat man das Gefühl, dass es ein gelungener Abschluss ist, wenn man auch die Story um die beiden jungen Männer hätte noch weiterführen können.

Die zweite Geschichte hingegen ist kurzgehalten und eher als eine Art inneren Monolog zu verstehen. Der Protagonist denkt darin an seine Zeit in der Oberschule zurück und an den Mann, der ihm das Herz stahl. Auf den ersten Blick wird die Story deutlich oberflächlicher als die erste, aber auch hier schwingt ein eher melancholischer Unterton mit, wenn auch deutlich verdeckter und unauffälliger als in der deutlich ausführlicheren ersten Geschichte.

Im dritten Kapitel “Young Oh! Oh!” geht es darum, zu sich und seinen Hobbys und Vorlieben zu stehen. Die Geschichte spielt zwar mit typischen Klischees von Romance-Storys und dem Boys-Love-Genre, kann aber dennoch überzeugen und die Botschaft rüberbringen. Auch die finale und gleichzeitig längste Geschichte in dem Band beschäftigt sich mit junger Liebe, aber auch mit den Thematiken wie zerbrochenen Familien und Egoismus.

Auch wenn alle Geschichten andere Handlungen haben, bleibt die Mangaka einer melancholischen Grundthematik treu, die sie gefühlvoll erzählt. Die jeweiligen Handlungen der Charaktere sind nachvollziehbar und mit Ausnahme der doch recht kurzen zweiten Geschichte fällt es trotz der wenigen Seiten Story nicht schwer, sich in die jeweiligen Figuren hineinzuversetzen.

Komatsu besitzt einen sehr weichen, skizzenhaften Zeichenstil, der sich insbesondere auf die Mimik konzentriert und dadurch Gefühle besonders gut darstellen kann. Hintergründe setzt die Mangaka selten ein, wenn dann sind diese aber detailliert und unterstreichen die Atmosphäre der Kapitel sehr gut. Der Panelstil ist typisch für das Genre: Kurusu arbeitet mit unterschiedlicher Panelgröße, die sich auch mal überlappen können und nicht klar von einander getrennt sind. Dennoch ist dem Geschehen leicht zu folgen.

Positiv sticht auch die Aufmachung von Egmont Manga hervor. Dem Band wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im Inneren des Umschlags gibt es jeweils Ausschnitte, die als kleiner Zusatz zur Titelstory gesehen werden können. Der Umschlag selbst ist sehr ruhig und unauffällig gehalten. Der Titel ist in Schreibschrift gestaltet und fügt sich gut in das gewählte Coverbild ein. Zudem setzt sich der Titel durch Reliefdruck von dem restlichen Cover ab. Die gleiche Drucktechnik wurde auch auf dem Buchrücken gewählt, was diesen ebenfalls sehr hochwertig erscheinen lässt. Der Band enthält zudem eine Farbseite.

Fazit & Bewertung

Dann denk ich an dich konnte mich überzeugen und zählt sicherlich zu den besseren Kurzgeschichtenbänden, die ich gelesen habe. Die vier Geschichten in dem Band waren recht unterschiedlich gestaltet und boten so genug Abwechslung. Auch die Figuren waren sehr abwechslungsreich erarbeitet. Insbesondere die erste Geschichte hatte mir gefallen und ich hätte gerne mehr erfahren.

Insgesamt ist der Band nicht nur für eingefleischte Boys-Love-Fans zu empfehlen, sondern auch für Anfänger in das Genre. Ausufernde erotische Szenen, gibt es in diesem Band nicht und einzig die letzte Geschichte geht überhaupt in eine erotische Richtung.

Es wäre sehr schön, mehr von der Mangaka zu lesen und ich hoffe, dass es auch ein längeres Werk zu uns schafft.

Vielen Dank an Egmont Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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