Der freie Vogel fliegt - Rezension

Ich gehe heute mal wieder eine Affäre mit der Comic-Literatur abseits von Japan ein und möchte euch einen Manhua vorstellen, der mich in seinen ersten drei Bänden doch sehr berührt hat.

Nachdem ich ja schon mit “Die Klingen der Wächter” in einen Manhua reinschnuppern durfte, war ich schon richtig gespannt auf diesen Titel. Schon alleine von der Aufmachung ist “Der freie Vogel fliegt” völlig anders und auch die Thematik hat bei Weitem nichts mit actionreichen Kämpfen zu tun.

Die Reihe ist in einem großen DIN-A4-Format herausgebracht und komplett in Farbe. Es handelt sich um eine zweisprachige Ausgabe in Deutsch und Chinesisch, womit sich der Manhua auch für diejenigen eignen würde, die die Sprache gerade erlernen. Gelesen wird dieser Manhua in der westlichen Leserichtung.

Die beiden Autorinnen Jidi und Ageng gehören in China zu den wichtigsten Comickünstlerinnen ihrer Generation. Für dieses Werk haben sich die Beiden zu einem Team zusammengetan. In Asien hat “Der freie Vogel fliegt” bereits wichtige Auszeichnungen erhalten. So haben sie den Japan International Manga Award, den ICC Comic Award aus Südkorea und den China Animation & Comic Competition Golden Dragon Award erhalten. In Deutschland erscheint die Reihe bei Chinabooks.

ECKDATEN ZUM TITEL
Text&Zeichnungen
: Jidi & Ageng
Genre: Drama
Verlag: Chinabooks
Preis: 24,90€ | A4-Format, Vollfarbe

Leseprobe und weitere Informationen zum Titel

Worum geht es?

Der Manhua handelt von Lin Xiaolu, die durch die Scheidung ihrer Eltern und ihrer lockeren Einstellung dazu von einem Tag zum anderen zu einer Außenseiterin wird. Xiaolu hat viel Fantasie und flüchtet sich in eine Gedankenwelt mit bunten Cartoon-Welt. In jungen Jahren lebt sie bei ihrem Vater und fühlt sich an der Mittelschule mehr als unwohl, nachdem sie nicht die Leistungen erbringen kann, die das System und ihr Vater von ihr erwarten. Erst als die Mutter wieder in ihr Leben tritt und sie auf eine Kunstschule wechselt, scheint sich ihr Leben zu bessern und sie kann ihre künstlerische Ader ausleben. Anschluss aber findet sie weiterhin nicht und erst die Begegnung mit einem Jungen namens Han Che, in den sie sich Hals über Kopf verliebt, sorgt dafür, dass sie sich langsam aus ihrer Fantasiewelt hinausbewegt.

Meine Meinung

“Der freie Vogel fliegt” ist ein in Farbe illustrierter Manhua. Die richtige Wahl, denn die bunten, fantasievollen und zugleich ausdrucksstarken Zeichnungen hauchen der Geschichte Leben ein. Die Figuren kann man gut untereinander unterscheiden und die Mimik und Gestik ist gut dargestellt.

Die Handlung selbst ist sehr realistisch. Es geht hauptsächlich um die Kindheit und Jugend eines Mädchens in China, das unter dem strengen Schulalltag und der Scheidung der Eltern leidet. Wichtiger Handlungsstrang ist auch die erste große Liebe, die ohne großen Kitsch und Dramen dargestellt wird. Xiaolu traut sich nicht, ihm ein Geständnis zu machen und begnügt sich, aus der Ferne für ihre Liebe zu schwärmen.

Der Leser begleitet Lin Xiaolu vom Kindes- bis ins Jugendalter und erfährt dabei so einiges über ihr Innenleben. Man sieht ihr dabei zu, wie sie einen Wandel durchlebt und sich langsam aus ihrer Fantasiewelt hinauswagt. Ihre Entscheidungen werden immer reifer, sie wird offener und findet sogar auf einige Umwege Freundinnen. Die Autorinnen greifen dabei schwierige Thematiken auf. Dem Aufwachsen als Scheidungskind in China, Mobbing an der Schule sowie dem massiven Schuldruck, der sogar im Suizid enden. Auch junge Liebe und heimliche Abtreibungen sind Themen, die in der Reihe aufgegriffen werden.

Xiaolu ist dabei eine Hauptprotagonistin, mit der man sich als Leser identifizieren kann. Ich fand sie gut greifbar und habe sie ziemlich schnell in mein Herz schließen können. Viele ihre Erlebnisse und Empfindungen lassen sich sicherlich auch auf Jugendliche in Deutschland übertragen. Auch die übrigen Figuren fand ich rund und abwechslungsreich gestaltet.

Berührt hat mich Jidis Nachwort zur deutschen Ausgabe und ihre eigene Geschichte, die sie in diesem Werk verarbeitet.

Fazit & Bewertung

So bunt “Der freie Vogel fliegt” von außen wirkt, umso nachdenklicher ist doch das Innere des Werkes gestaltet. Die beiden Autorinnen treffen die richtigen Töne in ihrem Manhua und liefern eine interessante und herzliche Geschichte ab, die unter die Haut geht. Ich bin schon sehr gespannt, wohin Xiaolus Weg noch führen wird.

Vielen Dank an Chinabooks für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.