Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Goodbye, Eri - Manga Rezension

Goodbye, Eri

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Tatsuki Fujimoto ist vor allem für seine erfolgreichen Manga-Serien Fire Punch und den Megahit Chainsaw Man bekannt. Nach dem ersten Arc von Chainsaw Man legte der Mangaka eine Pause in der Veröffentlichung der Reihe ein und nutzt diese Zeit, um einige Kurzgeschichten zu veröffentlichen.

Nachdem im Juli 2021 Look Back veröffentlicht wurde, folgte gut ein Jahr später im April 2022 der Oneshot Goodbye, Eri. Dieser war zunächst frei in der App von Verlagshaus Shueisha lesbar und wurde anschließend als Printband herausgebracht.

Die Rechte auf dem deutschen Markt sicherte sich Egmont Manga, die den Großteil der Werke von Tatsuki Fujimoto in ihrem Katalog aufzuweisen haben.

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Story&Zeichnungen: Tatsuki Fujimoto  | Originaltitel: Sayonara Eri | Übersetzung: Gandalf Bartholomäus | Demografische Zielgruppe: Shonen| Genre: Drama, Slice-of-Life | Verlag: Egmont Manga | Preis: 12,00 € | In einem Band abgeschlossen | Weitere Informationen zum Titel

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Wie war’s?

Yuta Ito bekommt zu seinem sechszehnten Geburtstag ein Smartphone von seinen Eltern geschenkt. Kurz nach dem Öffnen seines Geschenks beauftragt Yutas todkranke Mutter ihn damit, sie zu filmen und im Falle ihres Todes einen Film über sie zu machen. Yuta folgt dem Wunsch seiner Mutter, sammelt große Mengen Filmmaterial und nachdem seine Mutter stirbt, beschließt er, den Film in der Schule vorzuführen. Doch seine Entscheidung für die finale Filmsequenz stößt auf Abneigung bei seinen Mitschülern. Yuta wird gemobbt und ausgestoßen und beschließt, Selbstmord zu begehen.

Als er sich gerade dazu entschließt, seinem Leben einem Ende zu setzen, begegnet er dem Mädchen Eri, die ihm offenbart, dass sie seinen Film geliebt hat und ihn auffordert, einen weiteren Film zu drehen. Zuvor aber soll er sich mehr Wissen über Filme aneignen und sie zeigt ihm einen Ort, an dem sie gemeinsam tonnenweise Filme sehen. Eri und Yuta werden enge Freunde und beginnen mit der Arbeit an einem neuen Film, der auf dem nächsten Schulfestival gezeigt werden soll, um sich für die Verspottung des ersten Films zu rächen.

Goodbye, Eri ist eine spielerische Auseinandersetzung über Erinnerung, Verlust, Trauer und die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion. Vor allem aber stellt Fujimoto einmal mehr sein Talent unter Beweis, die alltägliche Schönheit des Lebens in all seiner unordentlichen und unbeholfenen Pracht einzufangen. In seinem Oneshot lebt er die Liebe zum Kino ebenso aus, wie seinen rohen Humor.

Durch seine Filme ist Yuta in der Lage, seine Erinnerungen zu filtern. Er verarbeitet seine Trauer auf seine eigene Art und Weise und erlebt die Welt um ihn herum durch sein Smartphone. Der Großteil des Mangas wird aus der Perspektive dessen gezeichnet, was die Kamera aufnimmt. Wir bekommen nur das zu sehen, was Yuta filmt, und man hat das Gefühl, dass mehr hinter der Geschichte steckt als das, was wir gezeigt bekommen. Es fühlt sich sehr tiefgründig, roh und ergreifend an.

Auf einer Seite sind jeweils vier Panels untereinander abgebildet und man hat das Gefühl, dass er hier eine Kinoleinwand nachahmt, auf die wir während des Lesens blicken.

Beeindruckend ist auch, wie effektiv der Mangaka den visuellen Stil der Smartphone-Kamera nachahmt. Die “dynamische” Bewegung wird perfekt auf die statischen Seiten des Mangas übertragen. Fujimoto zeigt uns Nahaufnahmen, verwackelte Bilder und schafft es, mit wenigen Mitteln, viele Emotionen zu vermitteln. Panels, in denen sich scheinbar kaum etwas ändert, außer ein winziges Detail in der Mimik. Panels, die nur die Decke und wenige Details eines Zimmers zeigen oder sogar komplett schwarze Panels. All das trägt dazu bei, die filmische Komponente dieses Werkes zu verstärken. Die Gestaltung der Panels, die Liebe zum Detail und die Mimik der Charaktere. Fujimoto nutzt das alles, um uns einen tiefen Einblick zu gewähren.

Goodbye, Eri ist ein Werk, das zeigt, was Fujimotos Erzählkunst ausmacht. Die Art und Weise, wie er die Leserschaft auf falsche Fährten lockt und auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitnimmt. Die Geschichte wirkt sehr persönlich und authentisch, er fängt die Trauer ein, die Yuta empfindet, und verzerrt sie gleichzeitig durch die Filme, die er macht. Und am Ende des Oneshots sitzen wir da und fragen uns: “Welche dieser Ereignisse sind real?”

Die Geschichte rund um Eri schafft das, was (aus meiner Sicht) ein Oneshot erreichen sollte. Man ist auch nach dem Lesen noch lange bei dem Werk und denkt über die Bedeutungen und Motive nach.

Egmont Manga bringt den Einzelband, wie auch die anderen kürzeren Werke von Fujimoto in einem Großformat heraus. Das gewählte Papier ist hochwertig und der Band relativ dick, womit der Preis von zwölf Euro durchaus gerechtfertigt ist.

Fazit

Ich hatte Goodbye, Eri in der Manga-Plus-App verpasst und so war es für mich das erste Mal, dass ich den Titel gelesen habe. Mit 200 Seiten und wenig Text ist es ein kurzes Werk, bei dem man durch die gekonnte visuelle Abbildung des Mangakas gerade so durch die Seiten fliegt.

Zu empfehlen ist aus meiner Sicht der Titel vor allem der älteren Leserschaft und denjenigen, die sich gerne auf experimentelle Werke einlassen. Für mich steht es in der Werkliste des Mangakas weit oben und zeigt perfekt, was Fujimoto ausmacht.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Egmont Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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