Levius

Heute ist mal wieder Zeit für eine Rezension eines englischen Mangas. Levius hat mich beim Lesen sofort gepackt und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, mit euch meine Eindrücke zu teilen.

Die erste Hürde bei dem Manga ist die Leserichtung. Ich gestehe, ich habe das total verplant. Ich habe angefangen zu lesen, dann bemerkt, dass da irgendwas nicht stimmt. Der Manga ist in der westlichen Leserichtung und liest sich von links nach rechts. Das ist jetzt aber nicht dem Publisher geschuldet (wer kenn das nicht, als die Leserichtung in den ganz alten Manga für den westlichen Markt geändert wurde?). Es handelt sich vielmehr um eine Hommage des Mangaka Haruhisa Nakata an die westlichen Comics, die ihn inspirieren.

VIZ hat den Manga der Hauptgeschichte in einem Hardcover-Omnibus zusammengefasst. Original sind es drei Bände. Es gibt noch eine Folgegeschichte, Levius/est, die aber in Einzelbänden im Großformat erscheinen wird.

Der Manga erhält noch eine Netflix-Adaption (ich habe Angst, wie bei vielen Netflix-Adaptionen. Die Animation ist oft nicht mein Fall) und soll in diesem Jahr noch erscheinen.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Haruhisa Nakata
Originaltitel: Levius
Kategorie: Seinen | Genre: Martial Arts, Mecha, Sci-Fi
Übersetzung: John Werry
Verlag: VIZ
Seiten: 680 | Großformat
Preis: 25 € (Preis kann abweichen, da es auf englische Bücher keine Preisbindung gibt.)

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Worum geht es?

In einem Land, welches sich gerade vor einem verheerenden Krieg erholt, wenden sich die Menschen mit Begeisterung dem MMA-Sport zu (MMA steht für Mechanical Martial Arts). Der Sport rückt immer mehr in den Mittelpunkt der Welt und Athleten, Milliardäre und Waffenhersteller kämpfen in großen Arenen im Nahkampf oft bis zum Tod. Dabei setzen sie auf mechanische Unterstützung unterschiedlichster Prothesen.

In dieser Welt versucht Levius, an die Spitze der MMA aufzusteigen, um Geld für seine komatöse Mutter zu verdienen. Mit einem Mal kämpft er aber nicht mehr nur für sich selbst, sondern auch gegen die Grausamkeiten des Krieges, die in seiner Nähe lauern.

Meine Meinung

Der erste Blick fällt auf Nakata’s Zeichenstil und hell, ich weiß, warum VIZ dieser Serie ein Omnibus-Format spendiert hat. Der Zeichenstil hat etwas ganz Eigenes und ist kaum mit einem anderen Manga zu vergleichen. Der Stil ist unglaublich detailliert und fein. Oft spielt er mit einem verschwommenen Hintergrund und es ähnelt der Technik von Foto und Fernsehen, in der bestimmte Bildteile im Fokus stehen. Er passt total zu der Steampunk -Atmosphäre. Die vielen enthaltenen Farbseiten setzten dem noch einen drauf. Sie ziehen einen regelrecht in den Bann.

Auch wenn ich die Anime-Adaption bisher noch nicht gesehen habe, vom Trailer her aber, ist klar, dass der Manga in Bezug auf das Design klar überlegen ist.

Die Story und die Charaktere hingegen waren in meinen Augen doch sehr typisch und so wird der Manga vor allem durch das Artwork getragen, welches einen in diese besondere Welt transportiert. Die Serie spielt in einem alternativen Europa des 19. Jahrhunderts. Der Titelheld, Levius, verlor im Krieg sowohl seinen Vater als auch seinen Arm. Seine Mutter liegt im Koma. Levius wird von der Schuld des Überlebenden getrieben. Er gibt sich die Schuld an dem Zustand seiner Mutter, die ihn beschützen wollte, um sein Leben bei einem Bombenangriff zu retten. Sein bionischer Arm ist so ausgestattet, dass er den Schmerz eines jeden Schlages spüren kann, den er seinen Gegnern zufügt. Die Kämpfe gleichen dabei denen in römischen Arenen (und sehen auch so aus). Levius glaubt, dass er seine Mutter retten kann, indem er es an die Spitze dieser Kämpfer schafft und versucht sie, durch das in der Arena gewonnen Geld zu unterstützen.

Der erste Part des Mangas hat mir dabei ziemlich gut gefallen. Es geht vor allem um gebrochene Menschen, die in den Kämpfen Bedeutung und so etwas wie Ehre finden. Als dann der dunkle Plan von Amethyst, einem privaten Militärunternehmer, ans Licht kommt, verliert der Manga für mich etwas an seiner Tiefe und steuert auf die üblichen Bahnen zu, in der es um den großen Endgegner geht. Das Ende wirkt dabei doch sehr überhetzt und es geht viel Charaktertiefe verloren. Auch konnte nicht jedem Charakter so viel Aufmerksamkeit zugewendet werden, wodurch ein paar Nebencharaktere blass wirkten.

Zudem ist das Ende leicht offen. Was durchaus nicht tragisch ist, immerhin geht ja die Story in der Folgereihe Levius/est weiter.

Zusammenfassung & Bewertung

Müsste man den Manga in einem Satz zusammenfassen, dann würde mein Urteil wohl lauten: Spektakuläre Bilder, die die flache Story wettmachen. Der Manga bleibt in den Punkten der Charaktertiefe auf der Strecke und die Geschichte wirkt abgesehen von dem MMA.-Thema abgenutzt. Trotzdem gab es da etwas an der Reihe, dass mich drangehalten hat und ich habe den Manga durchaus genossen.

Empfehlen würde ich ihn vor allem den Fans von melancholischen Geschichten und großartigen Kampfszenen, die über kleine Schwächen des Charakterbuildings hinwegsehen können. Ich werde mir die ersten Bände von Levius/est auf jeden Fall holen und bin gespannt, ob es dort gelingt, mehr Tiefe in die Story zu bringen.

  • 7/10
    Story - 7/10
  • 7/10
    Charaktere - 7/10
  • 9/10
    Zeichenstil - 9/10
  • 9/10
    Cover - 9/10
8/10

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