Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Mein Weg - Rezension

Wo de lu – Mein Weg (Band 1 & 2)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Von Jidi durfte ich, vor einiger Zeit, bereits die Reihe Der freie Vogel fliegt lesen, welche in Zusammenarbeit mit Ageng entstand. Eine Erzählung, die mir in Erinnerung blieb und die dafür sorgte, dass ich inzwischen gerne über den Tellerrand schaue und mich mit Comickunst abseits von Japan befasse.

Jidi ist eine in China sehr bekannte Künstlerin und Autorin und nachdem wir in Deutschland bereits in Genuss von einem ihrer späteren Werke gekommen sind, publiziert Chinabooks nun mit Mein Weg die Debüt-Reihe der Autorin.

Mein Weg erschien in China bereits 2004 und es wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft. Darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen für das Werk. Die chinesische Presse betitelte sie als „Magierin der Farben und Emotionen“. Eine Bezeichnung, die man direkt unterschreiben kann, wenn man in eines ihrer Werke blickt.

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Story&Zeichnungen:  Jidi | Originaltitel: Wo de lu  | Übersetzung: Elisabeth Wolf| Genre: Drama, Slice-of-Life| Verlag: Chinabooks | Preis: 18,90€ | Mehr Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Im Mittelpunkt von Mein Weg steht der Protagonist Mr. V. Ihn begleiten wir auf der Reise durch eine fantasievolle Welt. Auf seinem Weg begegnet er den unterschiedlichsten Menschen. Herr V. lässt sich ihre Lebensgeschichte erzählen und wird Zeuge von vielen verschiedenen Schicksalen.

Das Erste, was ins Auge fällt, wenn man die Bände öffnet, sind die Zeichnungen. Die Illustrationen von Jidi sind atmosphärisch und ziehen direkt in den Bann. Die in einen Wasserfarben-/Aquarellstil gehaltenen Bilder sind in den einzelnen Geschichten farblich aufeinander abgestimmt und die gewählte Farbpalette passt zu den Emotionen, die Jidi bei ihrem Publikum hervorrufen möchte. So gibt es Geschichten, in der sie helle Farben wählt, während sie in anderen – düsteren Erzählungen – auf eher dunkle und kalte Farben zurückgreift.

Dies geschieht dabei nicht nur in den Panels selbst, sondern auch auf der übrigen Seite. So sind die Gutter – also die Lücken zwischen den Panels – in jedem Kapitel in einer anderen Farbe unterlegt, die zu den gewählten Tönen der Geschichte passte. Dadurch erhält man ein noch farbenprächtigeres Werk.

Auch die puppenartig gehaltenen Figuren mit einem doch eher melancholischen Gesichtsausdruck passen zur Atmosphäre des Bandes und bilden die Emotionen sehr gut ab.

Nicht nur in den Bildern gelingt mit Mein Weg ein völlig neuer Comic, sondern auch durch die Erzählstruktur selbst. Die Reihe setzt sich aus verschiedenen Kurzgeschichten zusammen, die jeweils losgelöst voneinander gelesen werden können. Als einzige Verbindung gilt der reisende Herr V., der auf seiner Reise den anderen Figuren begegnet.

Auf jedes Kapitel folgt ein kurzer Fließtext, der zum Thema der Comic-Geschichte passt, allerdings in einer realen Welt angesiedelt ist. Oft sind es noch einmal kleine Extrageschichten, manchmal kurze Gedanken oder Erinnerungen, die sich noch einmal mit dieser Problematik auseinandersetzen und die jeweiligen Geschichten vertiefen.

Darüber hinaus fällt direkt auf, dass es keine Textblasen gibt. Jidi verzichtet in ihrem Werk komplett auf jegliche Art von Textblasen, sondern ordnet die gesprochene Sprache als Fließtext neben die Figuren in den Panels an. Ein Vorgehen, was zunächst ungewohnt erscheint, aber nach wenigen Seiten kaum mehr ins Gewicht fällt und vor allem im Hinblick auf das schöne Artwork auch zu begrüßen ist. So werden keine Elemente des Bildes verdeckt.

Einziger Nachteil an dieser Umsetzung ist die Schriftgröße, die recht klein gehalten wurde. Auch weil Chinabooks hier einen anderen Weg wählt, als zum Beispiel bei Der freie Vogel fliegt. Dort wurde die chinesische Version der Geschichte ans Ende des Buches noch einmal abgedruckt. In Mein Weg wird der chinesische Originaltext unterhalb der deutschen Übersetzung abgebildet. Ein Vorgehen, welches angesichts der Handlichkeit des Werkes aber auch große positive Effekte hat. Manchmal hob sich der Text auch farblich nicht ausreichend ab, was die Lesbarkeit ebenfalls erschwerte.

Aber auch inhaltlich weiß Jidi zu überzeugen. Das metaphernreiche Manhua bietet eine große Palette an Geschichten, die zwar durch den Reisenden jeweils einen Fixpunkt haben, aber völlig neue Blickwinkel auf verschiedene Themen zulassen. Die Themen sind dabei unterschiedlich, wenn sich auch durchaus Thematiken wie ein roter Faden durch die Bände ziehen. So konzentriert sich der erste Band vor allem auf Geschichten rund um das Thema Liebe, während im zweiten Band Tod und die Trauerbewältigung mehr Raum einnehmen.

Die Geschichten sind poetisch und tiefgründig angehaucht und Jidi arbeitet viel mit Metaphern und bildlicher Symbolik, mit denen sie die Botschaft des Werkes kunstvoll verpackt. Auch wenn die Kurzgeschichten jeweils nur über wenige Seiten gehen, gelingt es der Autorin sehr gut, das Wichtige zu sagen, und es fühlt sich niemals so, als würde etwas fehlen. Jidi schafft es, mit nur wenigen prägnanten Bildern und Worten etwas zu erschaffen, für das andere zig Bände brauchen.

Mit 18,90 Euro sind die Bände vom Preis her sicherlich in der oberen Preisklasse anzusiedeln, wenn man allerdings viele Punkte in die Gewichtung einbezieht, handelt es sich um einen durchaus fairen Preis. Der Band ist komplett in Farbe gehalten und aufwendig gestaltet. Der Manhua ist als Großformat herausgebracht und erhält einen hochwertigen Schutzumschlag. Darunter ist der Umschlag mit einer atmosphärischen Illustration von Jidi versehen. Zu Bedenken gilt bei der Preisgestaltung auch, dass es sich bei Chinabooks um einen recht kleinen Verlag handelt.

Fazit

Mit Mein Weg ist Jidi ein Werk gelungen, welches sowohl durch die Illustrationen als auch den Inhalt noch lange nach dem Lesen in Erinnerung bleibt und zum Nachdenken anregt. Die Erzählweise und auch die Bebilderung dürften insbesondere für Mangafans neu sein, hineinzuschnuppern lohnt sich aber aus meiner Sicht.

Ich habe am Ende unüblich lange für die zwei Bände benötigt. Ich habe für mich schnell bemerkt, ich möchte den einzelnen Geschichten mehr Raum geben und so habe ich jeweils nur wenige Kurzgeschichten an einem Tag gelesen. Ein Vorgehen, welches das Werk noch einmal mehr wirken ließ.

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Bei diesen Bänden handelt es sich um ein Rezensionsexemplare, welche mir freundlicherweise von Chinabooks zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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