Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Phantom Seer Band 1 - Rezension

Phantom Seer (Band 1)

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Phantom Seer ist eine vierbändige Serie, die von Togo Goto erdacht und von Kento Matsuura gezeichnet wurde. Matsuura illustrierte zuvor bereits den Manga Tokyo Shinobi Squad.

Phantom Seer wurde als Oneshot geboren. Die Oneshot-Version wurde 2017 in Shueishas Jump GIGA und im September des folgenden Jahres in Weekly Shonen Jump veröffentlicht, wo sie den Golden Future Cup 2018 gewann. Daraufhin wurde die Idee in eine längere Reihe umgesetzt. Phantom Seer wurde in Weekly Shonen Jump vom 31. August 2020 bis zum 5. April 2021 fortgesetzt. Obwohl die Serie durchaus Erfolge und gute Verkaufszahlen vorweisen konnte, wurde die Reihe in Japan nach nur 30 Kapiteln beendet.

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Story: Togo Goto| Zeichnungen: Kento Matsuura  | Originaltitel:  Phantoom Seer | Übersetzung: Claudia Peter | Genre: Action, Drama| Demografische Zielgruppe: Shonen | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 7,50€ | In vier Bänden abgeschlossen |  Weitere Informationen zum Titel

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Wie war’s?

Die Geschichte führt uns an eine japanische Schule zu Riku. Die Schülerin hat alle Eigenschaften, um bei ihren Mitschülern beliebt zu sein. Sie ist intelligent, fürsorglich und von großer Gutmütigkeit. Alle lieben sie und sie scheint sogar eine Art natürliches Gespür zu haben, das sie vor nahen Gefahren warnt. Auf diese Weise hat sie vielen Menschen in ihrer Umgebung geholfen und ist zu einer Art Glücksbringer für ihre Mitschülerinnen geworden. Doch was, wenn es in der Realität ganz anders ist?

Zumindest lässt Iori, ein anderer Schüler, dies vermuten. Dieser hat keinen guten Ruf und ist im Unterricht eher zurückhaltend. Iori lädt Riku nach dem Unterricht in ein leeres Klassenzimmer ein. Da sie neugierig ist und sich fragt, was der Junge von ihr möchte, willigt sie schließlich ein, sich mit ihm zu treffen. Und was er ihr erzählt, ändert ihr Leben drastisch. Iori stellt sich als Schamane vor. Allein sein Name würde ausreichen, um selbst den bösartigsten Geist zu erschüttern.

Die Begegnung mit Iori stellt Rikus bisherige Vorstellungen und ihr ruhiges Leben völlig auf den Kopf. Ehe sie sich versieht, findet sie sich an der Seite von Iori in einer Welt voll düsterer Phantome wieder.

Das Setting von Phantom Seer erinnert an bekannte Shonen-Hits wie Bleach, Demon Slayer oder Jujutsu Kaisen. Auf den ersten Blick macht Phantom Seer also nicht unbedingt viel Neues. Das ist auch nicht das, was man von der Reihe verlangen sollte und es war sicherlich nicht die Intention des Autors und Redakteurs, etwas vollkommen Neues abzuliefern.

Dennoch gelingt es dem Manga, im ersten Band einen interessanten Auftakt zu bieten, der vor allem Fans von Action-Reihen gefallen dürfte. Der erste Band ist alles andere als uninteressant und bietet einige sehr gute Ideen für die Entwicklung seiner Geschichte.

Iori, der Hauptprotagonist, ist insofern interessant, als er nicht ganz motiviert ist, der Held zu sein. Anfangs ist es sogar das Gegenteil: Während andere Shonen-Helden geradezu übermotiviert scheinen, denen um sich herum zu helfen und Aufmerksamkeit zu erhalten. Wir haben einen Helden, der manchmal faul sein kann, wie jeder von uns. Darüber hinaus ist Iori ein Protagonist, der bereits zu Beginn der Geschichte über Kraft verfügt und in seiner Welt als mächtig gilt. Seine Fähigkeiten, sich mit Geistern und Schatten verbinden, und die Art und Weise, wie er sie einsetzt, sind gut ausgeführt und machen die Geschichte angenehm zu verfolgen.

Dennoch ist es keinesfalls so, dass Iori kein Ziel hat. Iori hat sich vorgenommen, irgendwann wie ein ganz normaler Junge leben zu können. Frei von seinen besonderen Fähigkeiten.

Riku wirkt anfangs eindimensional, wird aber mit der Zeit mehrdimensionaler. Sie ist eine weibliche Figur, die durchaus für sich selbst einsteht und bereit ist, sich zu opfern. Auch merkt man, dass sie sich weiterentwickeln möchte. Auch Yayoi, die Schwester von Iori, ist ein starker weiblicher Charakter.

Das Duo aus Iori und Riku harmoniert perfekt. Mit ihrer komischen Ader ist Iori eine Protagonistin, die es sowohl schafft, uns zum Schmunzeln zu bringen, als auch uns zu beeindrucken, wenn es zu ernsteren Szenen kommt.

Eingebettet ist die Handlung in eine Welt, die einen gewissen Touch japanischer Folklore aufweist. Die Phantome sind an Fabelwesen aus japanischen Märchen und Erzählungen angelehnt oder direkt daraus entnommen. So unter anderem die Ookubi, die Tengu oder auch der Ongyouki, von dem unser Hauptcharakter besessen ist.

Der Rhythmus wechselt zwischen ruhigen Momenten, die unsere Bindung zu den Figuren stärken, und spektakulären Kampfszenen. Insbesondere in diesen tritt die Stärke des Zeichners hervor, der die Geschichte von Autor Togo Goto zum Leben erweckt. Er versteht es, Zeichnungen zu liefern, die dynamisch sind und einen in die Kämpfe eintauchen lassen. Auch die zahlreichen Phantome werden durch die Zeichnungen effizient eingefangen und bilden den Folklore-Touch des Werkes gut ab.

Carlsen Manga veröffentlicht den Manga in seinem Standard-Taschenbuchformat. Fans von Extras gehen im ersten Band leer aus. Sonderausstattung oder Farbseiten gibt es keine.

Fazit

Phantom Seer mag sich zwar in den Gefilden der klassischen Shonen-Action-Titel aus der Jump bewegen, dennoch macht der Auftakt in die Reihe Spaß. Wer nicht unbedingt auf der Suche nach etwas Neuem oder Originellem ist, sondern sich einfach nur zurückzulehnen, und ein Abenteuer genießen möchte, der ist mit Phantom Seer bestens bedient.

Die Zeichnungen wissen zu beeindrucken und entführen in eine interessante Welt, bei der man sich freut, mehr zu erfahren und den Charakteren auf ihren weiteren Weg zu folgen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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