Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Manga Rezension: Roter Schnee

Roter Schnee

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Susumu Katsumata wurde 1943 in Kahoku geboren und begann 1965 mit der Veröffentlichung in der “Garo”. Er war hauptsächlich als Zeichner von Vier-Panel-Strips tätig, hat aber auch eine Reihe von Kurzgeschichten verfasst. Einige davon sind in Roter Schnee zusammengefasst. Für den Band erhielt Susumu Katsumata 2006 den 35. Japanese Cartoonists Association Award Grand Prize.

Veröffentlicht wurden die in Roter Schnee abgedruckten Kurzgeschichten bereits Ende der 70er-/Anfang der 80er-Jahre in japanischen Magazinen. 2005 erschien dann Katsumatas Sammelband Roter Schnee.

Auf dem deutschen Markt wird der Kurzgeschichten-Band durch Reprodukt veröffentlicht.

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Text/Zeichnungen: Susumu Katsumata |Übersetzung: Daniel Büchner| Verlag: Reprodukt | Zielgruppe: Gekiga | Genre: Historisch, Drama | Preis: 16,00€ | Weitere Informationen

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Wie war’s?

Im Gegensatz zu den meisten seiner Gekiga-Zeitgenossen sind Katsumatas Geschichten nicht in den düsteren, städtischen Slums des modernen Japans angesiedelt. Roter Schnee beherbergt in der Summe zehn Kurzgeschichten über das ländliche Japan der Vorkriegszeit. Jede dieser Geschichten ist in sich abgeschlossen. Die Bandbreite darin ist groß. Es gibt Geschichten, die das Leben durchaus realistisch abbilden, bis hin zu Geschichten, die sich mit eher mythischen Aspekten der traditionellen japanischen Folklore, wie Kappa, Flüchen und anderen übernatürlichen Elementen befassen.

Ein Mädchen ist mit dem belebten Geist eines Baums verbunden, die Flussgeister kümmern sich um ein menschliches Ärgernis und eine Invasion von Glühwürmchen sorgt für Rache. Was für unsere Verhältnisse rätselhafte Eingriffe sind, wird von den Dorfbewohnern als selbstverständlich hingenommen und von Katsumata, der sich nie herablassend über spirituelle Angelegenheiten äußert, auch so dargestellt.

Bei nicht allen der einzelnen Geschichten war es einfach, herauszufinden, worum es eigentlich ging oder was die Bedeutung hinter den dargestellten Ereignissen ist. Da gibt es die Geschichte über die einsamen Dorffrauen, die einen Mönch entführen und ihn über mehrere Monate hinweg in einem Sack herumreichen oder die einer jungen Frau, die sich offenbar in einen Baumgeist verliebt. Daneben gibt es aber gradlinige Geschichten, deren Bedeutung schnell offenbart wird. Wie die seltsame Beziehung zwischen einem Jungen und der Tochter eines Gastwirts.

Was Roter Schnee am meisten leistet, ist die Darstellung der Menschen. Katsumata schreckt nicht davor zurück, die Härte des japanischen Landlebens darzustellen. Es sind Männer und Frauen, deren ganzes Leben auf harter Arbeit beruht. Jede der zehn Geschichten ist emotional komplex und häufig beschäftigen sie sich mit den niedrigsten Trieben der Menschen, deren Verhalten und deren Begehren.

Katsumatas Geschichten sind bodenständig und sie reichen von kleinen, sinnlosen Dingen, über Kämpfe zwischen den Kindern hin bis zu größeren Themen. Der Mangaka schreibt über Frauen, die in fast allen Geschichten den Männern und ihren Launen ausgesetzt sind. Die Männer sind körperlich stärker, aber auch sie haben kein glanzvolles Leben. Sie sind Bauern, kleine Ladenbesitzer und müssen tagein, tagaus die gleiche harte Arbeit verrichten.

Grafisch dürfte der Band vor allem für Leser*innen moderner Manga-Werke ungewohnt sein. Die Illustrationen sind einfach gehaltene, kontrastreiche schwarz-weiß-Zeichnungen. Das Charakterdesign der Figuren geht dabei in Richtung Cartoon-Stil, der aber dennoch durchaus ausdrucksstark ist. Katsumata zeigt uns, wie eine Fülle von Emotionen und Motivationen aus nur wenigen Strichen in einem Gesicht entstehen kann.

Es gibt einfache Panels, oft füllt Katsumata diese aber mit Zeichnungen von der Natur auf. Ab und an ist es aber auch schwierig zu erkennen, was sich genau zwischen den Panels und manchmal auch in den Panels selbst abspielt.

Die Kurzgeschichtensammlung ist von Reprodukt liebevoll gestaltet. Der Band ist als Klappenbroschur mit einem kartonartigen Umschlagpapier herausgebracht. Die Innenseiten des Umschlags sind jeweils in rot und weiß mit Illustrationen aus dem Band bedruckt.

Fazit

Mit Roter Schnee erhalten die Gekiga-Leser*innen auf dem deutschen Markt ein weiteres Werk. Anders als zuvor wenden wir uns von dem urbanen Japan ab und werfen mit Susumu Katsumata einen Blick auf das ländliche Japan. Ganz in der Gekiga-Tradition bekommen wir erwachsene Themen, zum Teil dunkle Geschichten, die das Japan der damaligen Zeit abbilden.

Zu empfehlen ist der Titel älteren Manga-Leser*innen und denen, die bereit sind, sich mit erwachsenen Themen in Manga jenseits von Shojo- und Shonen-Titeln auseinanderzusetzen.

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Bei diesem Band handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Reprodukt zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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