Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Rezension - Search And Destroy (Band 1)

Search and Destroy (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Search and Destroy basiert auf Osamu Tezukas Werk Dororo. Während ihn wohl viele Manga-Fans kennen, dürfte Atsushi Kaneko ein neuer Name sein, vor allem wenn man sein erstes auf Deutsch erschienenes Werk, Wet Moon, nicht gelesen hat. Kaneko gilt in der japanischen Comicwelt als Rebell und Ausnahmetalent, der die Normen des japanischen Mangas sprengt. Sein grafischer Stil ist inspiriert von unabhängigen amerikanischen (insbesondere Paul Pope) und japanischen (Suehiro Maruo) Comics sowie der Punkszene und großen Filmemachern wie David Lynch, Alfred Hitchcock oder Quentin Tarantino. Sein dreibändiger Thriller Wet Moon wurde 2014 mit dem französischen Kritikerpreis (Prix Asie ACBD) ausgezeichnet, 2012 wurde er im Rahmen des Grand Prix de l’Imaginaire für Soil, in der Kategorie Manga ausgezeichnet. Zudem wurde er mehrmals auf dem Angoulême International Comics Festival nominiert.

Im Jahr 2005 gab Kaneko sein Debüt in der Welt des Kinos, die er schon immer zutiefst bewunderte. Er führte Regie bei einem der vier Teile des Films Ranpo Jigoku (Rampo Noir), der auf den Werken des Schriftstellers Ranpo Edogawa basiert.

Sein einzigartiger Zeichenstil führt dazu, dass er, im Gegensatz zu vielen anderen Mangaka-Kollegen, ohne Assistenten arbeitet. Auf diese Weise gelingt es ihm, die Besonderheit seines Stils zu bewahren.

ECKDATEN ZUM MANGA

Story & Zeichnungen:
 Atsushi Kaneko
Originaltitel: Search and Destroy
Zielgruppe: Seinen | Genre: Science Fiction, Thriller, Action
Verlag: Carlsen Manga
Preis: 15,00€

In drei Bänden abgeschlossen

Weitere Information & Leseprobe

Worum geht’s?

Am Ende des Krieges überfüllen Roboter, die als Arbeitskräfte in Massenproduktion hergestellt werden, die Stadt. Einige leben auf der Straße, andere im Untergrund. Wieder andere scheinen sich in die Gesellschaft integriert zu haben. Eines Nachts wird ein Yakuza-Roboter, der gerade das Waisenkind Doro gefangen genommen hat, von einem Mädchen angegriffen, das weder Mensch noch Roboter zu sein scheint. Wer ist sie und was sind ihre Ziele?

Wie war’s?

In einer nicht näher spezifizierten Zukunft leben die sogenannten “Sapos” (Menschen) und “Kreas” (“Roboter”, bzw. “Kreaturen”) gemeinsam in der Stadt. Eine wirkliche Koexistenz wird aber nicht angestrebt. Die Kreaturen werden diskriminiert und meist als Arbeitskräfte eingesetzt. Im Versteck des Mafiabosses Kick kommt es zur Begegnung zwischen der kleinen Diebin Doro und einem geheimnisvollen Wesen namens Hyaku. Doro ist ein Kind, das in der Kanalisation lebt und sein Bett mit Hunderten von Ratten teilt. Geschickt in der Kunst, sich durchzuschlagen und großer Willenskraft, wird sie schließlich von Hyaku, die auf der Suche nach den Körperteilen ist.

Die Handlung wird im ersten Band eingeführt und der Mangaka konzentriert sich vor allem darauf, den Leser*innen seine Charaktere und das Setting näherzubringen. Der Manga beginnt mit einer Szene, in der Hyaku noch ein Baby ist, ehe nach einem harten Schnitt eine Szenerie folgt, in der die Leser*innen Hyaku auf einem ihrer Rachefeldzüge folgen. Erst nach und nach werden die Beweggründe dahinter aufgedeckt und ihre Vergangenheit und ihr Aufwachsen gezeigt.

Das Ursprungswerk lässt sich nicht verleugnen und Kenner des Originalwerkes werden die Grundzüge sofort wiedererkennen, dennoch ist es kein einfacher Abklatsch. Atsushi Kaneko mischt Tradition und Innovation, um Search and Destroy mit Leben zu füllen. Die meisten Charakteristika, die dem Originaltext entnommen sind, werden von dem Mangaka neu adaptiert. Als Erstes fällt da die Verortung der Geschichte auf. Sie wird in eine imaginäre Zukunft gesetzt und nicht in das feudale Japan. Darüber hinaus stellt die Umkehrung des Geschlechts des Protagonisten einer der großen Unterschiede zum Original da. Hyakkimaru (Dororos Protagonist) wird zur starken und von Wut angetriebenen Protagonistin Hyaku. In einem gesellschaftlichen Kontext der Nachkriegszeit findet Hyakus Versuch statt, ihre Menschlichkeit, ihre gestohlene Identität, wiederzuerlangen. Statt ein Daimyo ist Hyakus Vater der Bürgermeister der Stadt und auch der Arzt und Ziehvater Hyakus bekommt ein Makeover.

Auch den Diebstahl von Hyakkimarus Körperteilen ändert Kaneko leicht ab, damit es in seine dystopisch, futuristische Handlung passt. Während die Körperteile Hyakkimaru im Original durch 48 Dämonen genommen werden, sind es in diesem Fall 48 Roboter.

Thematisch konzentriert Kaneko sich auf Inklusion und die Unterdrückung des Andersartigen, der durch den Konflikt zwischen Roboter und Mensch herausgearbeitet wird. Aber auch die moderne Gesellschaft und ihre hässlichen Seiten werden von dem Mangaka unterschwellig ins Blickfeld gerückt.

Kaneko begleitet die Geschichte in seinem gewohnten Zeichenstil. Er verwendet nur in ganz wenigen seiner Panels Rasterfolie. Er arbeitet stattdessen mit scharfen Kontrasten zwischen schwarz und weiß. Die sterile Darstellung von Details geht Hand in Hand mit der durchgehend drückenden Stimmung. Der Mangaka erschafft Roboter mit unglaublich vielfältigem Aussehen. Die Hauptfigur Hyaku erinnert an einen Metal-Rockstar. Ihr werden sowohl harte als auch sanfte Züge gegeben. Die Hintergründe und die Umgebungen sind ebenso akkurat und detailliert. Die Stadt Hachisuka wirkt dabei wie eine Mischung aus einer Stadt des sowjetischen Russlands und einer futuristischen Metropole. An Actionszenen mangelt es im ersten Band ebenso nicht und mit blutigen Szenenerien hält sich der Mangaka in diesen nicht zurück. Auch wirkt es so, als würde hier der scharfe Kontrast zwischen schwarz und weiß in diesen Szenen noch größer ist und ihnen dadurch mehr Wirkung geben kann.

Die Ausstattung des Bandes ist hochwertig mit Großformat, Klappbroschur sowie hochwertiges Papier. Anders als bei Wet Moon hat der Verlag hier allerdings keinen kartonartigen Umschlag gewählt.

Fazit & Bewertung

Atsushi Kaneko nimmt es in seinem Werk Search and Destroy mit einem der bedeutendsten, japanischen Manga auf und schafft es, eine Adaption zu liefern, die sowohl den Spirit des Originals trägt, aber auch viele frische und neue Ideen und Ansätze aufweisen kann. Er versetzt das Werk in eine Steampunk-Sci-Fi-Welt und verschafft dem Werk seine ganz eigene Note und das nicht nur durch seinen herausstechenden und einzigartigen Zeichenstil, der in der Comicwelt Japans seines Gleichen sucht.

Search and Destroy ist besonders den Mangafans zu empfehlen, die sich auch an spezielleren Werken erfreuen möchten oder Dororo-Fans, die sich nicht daran stören, dass Kaneko das Original nur als Ideenpool nimmt und etwas ganz Eigenes schafft.

Vielen Dank an Carlsen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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