Stand up - Band 2

Stand Up! legte in Japan eine holprige Veröffentlichung hin. Der Manga startete im Januar 2021 zunächst im Bessatsu-Magazin von Shueisha, wurde nach einer Unterbrechung von mehreren Jahren aber im Schwestermagazin Margaret fortgesetzt, in dem der Titel im Frühjahr 2018 seinen Abschluss fand.

Ihr Debüt in Deutschland machte Aiji Yamakawa 2020 als Zeichnerin des Oneshots Das Geheimnis der Freundschaft an der Seite von Autorin Kazune Kawahara. Stand Up! ist auf dem deutschen Markt die erste Reihe, bei der sie neben den Zeichnungen auch für die Story verantwortlich ist. Abgeschlossen ist die Kurzreihe in vier Bänden.

Text/Zeichnungen: Aiji Yamakawa | Originaltitel: Stand up! | Verlag: Egmont Manga | Kategorie: Shojo | Genre: Romance | Preis: 7,00€ | In vier Bänden abgeschlossen | Weitere Informationen & Leseprobe

Inhalt

Furuya Utako ist schüchtern und zurückhaltend, aber wegen ihrer Größe sticht sie überall heraus. Etwas, das ihr so gar nicht gefällt. Auch glaubt sie, dass Jungs nichts von ihr wissen wollen, da sie so groß ist. Doch Harada Naoyuki, ihr Sitznachbar, begegnet ihr offen und sagt, dass er gerne mit ihr befreundet wäre. Sie ist ein wenig überrascht von seiner direkten Art, aber langsam beginnt sich die Distanz zwischen ihnen zu schließen…

Wie war’s?

Nachdem der erste Band ein eher schnelles Tempo vorlegte und eine größere Zeitspanne behandelte, geht es im zweiten Band ruhiger zu und wir verfolgen das Paar nur über einen Zeitraum von wenigen Tagen. Der Band setzt an der Stelle an, an der der erste Band sein Ende gefunden hatte und das junge Paar steht vor dem ersten Date, bei welchem die Leser*innen zum stillen Begleiter werden. Dieses nimmt den Großteil des Bandes ein und erzählt ausführlich über die gemeinsamen Stunden.

Wie schon im Auftaktband zeigt sich auch hier wieder, dass der Manga vor allem für diejenigen etwas ist, die eine ruhige, aber dichte Atmosphäre zu schätzen wissen. Die hektische Dramatik anderer Shojo-Romanzen vermisst man komplett und die Mangaka konzentriert sich intensiv auf die ersten, schüchternen Schritte in der Beziehung zwischen Furuya und Harada.

Die Unerfahrenheit und Unschuld von Furuya werden in authentisch erzählt und lassen die Leser*innen daran teilhaben, wie sie mit der ersten Verliebtheit umgeht. Der Verlauf des Dates ist wirkungsvoll und realistisch erzählt. Vom schüchternen Aufeinandertreffen am Bahnhof, bis zu peinlich berührten Aussagen, hin zu vorsichtigen Berührungen tauen sie immer mehr auf und reißen die Barriere ein. Wie schon im ersten Band zeigt Yamakawa, das sie ein besonderes Gespür dafür hat, wie Situationen erzählt werden müssen, damit sie etwas in der Leserschaft auslösen. Yamakawas Erzählweise ist subtil, fast zurückhaltend und doch tiefgründig. Sie verlässt sich nicht auf übertriebenes Drama, um die Geschichte voranzutreiben, sondern entwickelt die Handlung auf eine ehrliche Weise. Die Figuren lernen über den Ausflug mehr über den jeweils anderen, kommen sich schüchtern näher und suchen die Nähe zueinander. Man spürt die Natürlichkeit hinter diesen Szenen.

Es sind die kleinen Dinge, an denen sie aufzeigt, wie unterschiedlich der Charakter der beiden Figuren ist. Harada ist offen, freundlich und immer hilfsbereit. Er ist auch Außenstehenden offen gegenüber und schottet sich nicht ab. Das wird in diesem Band deutlich, als er einem anderen Paar ohne zu zögern, Hilfe anbietet. Furuya bewundert diese Eigenschaften, denn sie selbst ist schüchtern und verlegen. Trotzdem ist sie keinesfalls schwach und macht sich vom männlichen Hauptcharakter abhängig. In Umgang mit Jungen fühlt sie sich weiter unbeholfen, taut aber auch gegenüber Haradas Freunden immer mehr auf.

In den Band eingegliedert ist eine handlungsunabhängige Kurzgeschichte, die etwa 50 Seiten ausmacht. In der Geschichte geht es um ein Mädchen, dass aus Neugier den Mann aufsucht, der die Jugendliebe ihrer Mutter war. Darin eingebettet ist in einer Rückblende die Erzählung ihrer Mutter. Die Geschichte ist zwar nur wenige Seiten lang, zeigt aber erneut auf, dass Yamakawa ein großes Talent hat, frische und neuartige Liebesgeschichten zu erzählen. Die Story ist gefühlvoll erzählt, mit einer Spur Melancholie, aber auch einen positiven Blick auf die Vergangenheit und Zukunft. Es ist kein typisches Happy End, was sie hier serviert und sie bewegt sich einmal mehr auf einem realistischen, für jedermann greifbaren Weg.

Wieder einmal sticht Aiji Yamakawa durch ihre Illustrationen hervor. Das Artwork ist für das Genre passend zwar durchaus niedlich und sanft, hat aber einen skizzenhaften Touch. Besonders sticht sie auch durch ihre Panelsetzung hervor. Sie hat einen guten Blick für Perspektiven, wählt Ausschnitte gekonnt, so dass sie im Lesefluss zu einer Kameraführung werden und sich die Leserschaft gut in die Charaktere und die Situation hineinfinden können.

Fazit

Stand up! setzt auch im zweiten Band seine ruhige, aber authentische Atmosphäre fort und liefert den Leser*innen ein ehrliches Leseabenteuer rund um die erste Liebe zwischen zwei Schülern. Die Reihe kommt ohne unnötiges Drama aus und lässt die Charaktere auf natürliche Weise näherkommen. Auch die eingebundene Kurzgeschichte wirkt nicht wie Beiwerk, sondern kann durch eine interessante Perspektive beeindrucken und fügt sich sehr gut in das Thema der ersten Liebe ein.

In der Summe bleibt Stand up! für mich eine echte Empfehlung für diejenigen, die auf der Suche nach Shojo-Manga sind, die sich fernab der üblichen Klischees bewegen.

Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1 

Vielen Dank an Egmont Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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