Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Rezension - Sunny Band 2

Sunny (Band 2)

Taiyo Matsumoto gehört international schon lange zu den bekanntesten Mangaka. Neben zahlreichen japanischen Preisen ist er zweimaliger Träger des prestigeträchtigen Eisner Award. 2008 wurde er für Tekkon Kinkreet ausgezeichnet, 2020 folgte die Auszeichnung für Cats of the Louvre.

Auf dem deutschen Markt dauerte es seine Zeit, bis Werke von Matsumoto veröffentlicht wurden. Erst 2018 erschien mit Tekkon Kinkreet eines seiner Werke bei Manga Cult. Sunny ist die zweite Reihe von Matsumoto auf dem deutschen Markt, in diesem Jahr wird bei Reprodukt ein weiterer Titel aus seiner Feder folgen.

Matsumoto lässt sich bei seinen Thematiken in keine Schublade stecken. Er arbeitet zwar viel im Fantasy und Science-Fiction-Bereich, gleichfalls taucht er aber auch in das Drama- und Sportgenre ab. Sunny dürfte sein persönlichstes Werk sein. Matsumoto wuchs selbst in einem Pflegeheim auf und obwohl er erwähnt, dass Sunny mehr Fiktion als Autobiografie ist, gibt es wohl doch einen Funken an Aufarbeitung in dem Werk.

Text/Zeichnungen: Taiyo Matsumoto | Originaltitel: Blue Period | Verlag: Manga Cult | Kategorie: Seinen | Genre: Drama, Slice-of-Life | Preis: 16,00€ | Großformat | Weitere Informationen & Leseprobe

Inhalt

Sunny ist eine Manga-Reihe, die in den 1970er Jahren spielt und sich um eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen dreht, die im Kinderheim Star Kids ihr Zuhause haben. Allen gemeinsam ist ihr Zufluchtsort, das Wrack eines Nissan Sunnys 1200, in den sie sich zurückziehen, um ihre Ruhe vor den Erwachsenen zu haben, oder aber um sich in Fantasien zu flüchten und in den Gedanken ihnen ferne Orte zu bereisen.

Wie war’s?

Wer von Band eins begeistert war, den dürfte es auch nach Band zwei so gehen. Matsumoto gelingt es wie nur wenigen Mangaka, aus dem Blickwinkel des Kindes zu schreiben und es ist spürbar, dass er hier auch seine eigenen Erfahrungen verarbeitet. Matsumoto hat seine Kindheit selbst in einem Kinderheim verbracht. Er weiß, wie es ist, wenn ein Kind sich von seinen Eltern verlassen fühlt.

Wie schon im ersten Band wählt er auch hier den Ansatz von einzelnen Episoden, die jeweils eines der Kinder aus dem Heim in den Mittelpunkt rücken. Dabei sind einzig die letzten beiden Kapitel direkt verknüpft.

In der ersten Geschichte geht es um Kiko und ihrer Beziehung, zu den Kindern ihrer Schulklasse, die nicht im Kinderheim aufwachsen. Sie versucht, für sie zu existieren, in dem sie Lügen erfindet. Im zweiten Kapitel wird Sei zu einem Beschützer eines Neuankömmlings, in dem er sich selbst wiedersieht. Doch anders als bei dem neuen Jungen hat sich Seis großer Wunsch bisher noch nicht erfüllt. Im nächsten Kapitel geht es um den Elterntag an der Schule. Einer Veranstaltung, an der Adachi, der Heimleiter, anstelle der Eltern teilnimmt. An dieser Stelle blickt Matsumoto auch auf die Erwachsenen, die sich als Bezugspersonen von dutzenden Kindern behaupten müssen. Das vierte Kapitel dreht sich um Kenji, dem ältesten Jungen des Heims. Er möchte abhauen und zu seiner Mutter ziehen, muss jedoch in seiner Planung feststellen, dass alles, was er sich dadurch erhofft, Wunschdenken ist. Immerhin wolle seine Mutter nie zuvor etwas von ihm wissen. In den letzten beiden Kapiteln geht es schließlich um Haruo, der für drei Tage Urlaub bei seiner Mutter macht. Insbesondere diese Kapitel sind besonders wehmütig und melancholisch, da hier der Verlust des Kindes besonders spürbar ist. Haruo versucht, stark zu bleiben, fühlt sich aber gleichzeitig von seiner Mutter verlassen. Die ihrerseits scheint mit ihrem Sohn nicht emotional nicht umgehen zu können und ist bemüht, eine große Distanz zu wahren.

In allen Kapiteln überzeugt Matsumoto durch seinen besonderen Erzählstil. So mögen die Erzählungen auf den ersten Blick banal und alltäglich sein, haben aber eine packende Atmosphäre und eine unglaubliche Empathie gegenüber den jungen Protagonisten. Matsumoto weiß, wovon er spricht, und kann diese Erfahrungen auch gut vermitteln. Es ist das Unterschwellige, was zu packen, und begeistern weiß.

Die einzelnen Charaktere haben ein großes Facettenreichtum und keiner gleicht dem anderen, auch wenn alle den Wunsch nach Geborgenheit und der Nähe der Eltern gemeinsam haben. Insbesondere Haruo bekommt hier Aufmerksamkeit und der Kontrast zwischen der Person, die er nach Außen zeigt und der in seinem Inneren weiß in den Bann zu ziehen.

Durch Matsumotos Zeichenstil und Erzähltechniken wird die Geschichte zum Leben erweckt. Der Stil des Mangakas ist zwar nicht für jeden Mangafan etwas, wer sich aber darauf einlässt, wird mit ausdrucksstarken Bildern und interessanten Perspektiven belohnt. Es ist ein rauer, skizzenhafter Stil, bei dem häufig Wasserfarben zum Einsatz kommen, beispielsweise um Flächen zu füllen, Haare zu malen, Wangen zu färben oder Hintergründe darzustellen. Auf den Einsatz von Rasterfolie, die gerade im modernen Manga viel genutzt wird, um Schattierungen und Texturen zu füllen, wird indes verzichtet.

Im Sinne der Herstellung fällt leider ein Detail negativ auf. So ist der Autorenname auf dem Cover leider nicht ganz abgedruckt und der Nachname wurde abgeschnitten. Was insbesondere deshalb schade ist, weil ansonsten dem Werk eine große Aufmerksamkeit in der Optik und Haptik geschenkt wurde.

Fazit

Taiyo Matsumoto gehört für mich zu den großen Erzählern in der Mangaszene und ich habe bereits einige seiner Titel verschlungen und geliebt. Auch in Sunny beeindruckt der Mangaka mich bisher mit seiner ganz besonderen, mitreißenden Atmosphäre und insbesondere die Episode rund um Haruo hat es mir angetan.
Wer den ersten Band mochte, der wird an Band zwei noch größere Freude finden, denn dadurch, dass man die Charaktere nun kennt, wirkt alles noch um ein vielfaches Intensiver.

Für mich bleibt Sunny ein echter Geheimtipp für diejenigen, die gerne neben dem Mainstream lesen und keinen perfekten, gradlinigen Zeichenstil für ihr Lesevergnügen brauchen.

Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1

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