Hell's Paradise - Rezension

Wer genug hat von generischen Shonen, der könnte bei Hell’s Paradise genau richtig sein. Im ersten Band liefert die Reihe erwachsenere Shonen-Action mit emotionaler Tiefe und interessanten Charakteren.

Hell’s Paradise: Jigokuraku erscheint seit 2018 beim japanischen Verlag Shueisha und erscheint dort im Online-Magazin Shonen Jump+. Veröffentlicht sind in Japan bislang zehn Bände der Reihe, weitere werden folgen. In Deutschland ist Hell’s Paradise keinesfalls der erste Manga von Yuji Kaku. Seine Debüt-Reihe hierzulande war 2015 Fantsama, die ebenfalls bei KAZÉ-Manga veröffentlicht wurde und in drei Bänden abgeschlossen ist.

ECKDATEN ZUM MANGA
Text&Zeichnungen
: Yuji Kaku
Originaltitel: Jigokuraku
Kategorie: Shonen | Genre: Action, Mystery
Verlag: KAZÉ-Manga
Preis: 6,95€

Weitere Informationen & Leseprobe

Worum geht’s?

Gabimaru der „Seelenlose“ ist ein gefürchteter Ninja und hat die Todesstrafe erhalten. Doch nachdem alle Versuche scheitern, ihn zu töten, wird Scharfrichterin Sagiri hinzugezogen. Die erkennt hinter dem leeren Blick des Auftragskillers mehr und macht mit ihm einen Deal. Er soll sie auf eine gefährliche Insel begleiten und das “Elixier der Unsterblichkeit” finden. Im Gegenzug wartet die Begnadigung auf ihn.

Wie war’s?

Während einer der bekanntesten Shonen-Reihen der Jump, Naruto, den Leser glauben lassen hat, dass Ninja das Böse immerzu bekämpfen, bekommen wir hier den Blick auf die Realität: Ein Ninja als Auftragskiller, der seine Mission erfüllt, egal welche Konsequenz daraus folgen kann. In der doch erwachsenen Ninja-Welt des Mangakas treffen wir auf Gabimaru, der ein solcher Auftragskiller ist und den Spitznamen “der Seelenlose” trägt. Gabimaru jedoch wurde in einen Hinterhalt gelockt und nun wartet die Todesstrafe auf ihn. Seine unterbewussten “Ninja-Fähigkeiten” sorgen jedoch dafür, dass er jeden Tötungsversuch übersteht.

Scharfschützin und Hinrichtungsexpertin Asaemon Sagiri wird daraufhin dazugeholt und nach einigen Gesprächen und einem ungewöhnlichen Ergebnis gibt sie ihm ein Ultimatum: Entweder er akzeptiert eine letzte Mission von den Shogun, dem Clan, dem sie angehört, oder aber er stirbt durch ihre Hände. Gabimaru akzeptiert die Bedingungen und wenig später finden sich die beiden mit anderen Schwerverbrechern auf einer geheimnisvollen Insel wieder, auf der sich das Elixier der Unsterblichkeit befinden soll. Doch die Mission hat einen Haken: Viele wurden bereits auf die Insel geschickt, doch lebend zurück hat es nur einer geschafft und der ist von einer rätselhaften Krankheit befallen und redet wirr daher.

Der erste Band konnte Yuji Kaku gute Arbeit leisten und legt den Grundstein für eine spannende Ausgangslage. Die Hauptcharaktere sind auf einer Insel “gefangen”, bei denen sie sich nicht nur gegen andere Kriminelle behaupten müssen, sondern auch gegen die Gefahren des geheimnisvollen und bislang unerforschten Eilands. Nun bleibt abzuwarten, ob es in den kommenden Band auch gelingt, eine durchaus mystische Atmosphäre aufrechtzuerhalten oder ob es sich in einen stereotypischen Battle-Shonen verwandeln wird.

Besonders gelungen ist die Charakterisierung. Gabimaru ist ein frischer Shonen-Held. Er ist ein gefürchteter Ninja, der hingerichtet werden soll. Kein Underdog, der danach strebt, der stärkste zu werden. Niemand, der ein kompletter Außenseiter ist. Auch wenn Gabimaru zu den stärksten Kämpfern gehört, möchte er nicht mehr töten. Alles, was er möchte, ist ein ruhiges Leben mit seiner Frau. Seine Verbrechen werden ihm vergeben, wenn er das “Elixier der Unsterblichkeit” findet und nur deshalb lässt er sich auf die Mission ein. Er ist ein Mann, der alles dafür geben würde, um zu seiner geliebten Frau zurückzukehren – die Person, bei der er sich zum ersten Mal wie ein Mensch gefühlt hat. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt er auch nicht vor dem Töten zurück.

An seiner Seite ist Sagiri. Und auch hier eröffnet sich ein neuer, frischerer Weg im Shonen-Manga. Weg von den niedlichen Mädchen, die Hilfe brauchen oder nur als spätere Romanze für den Helden existieren. Sagiri ist wie Gabimaru ihr Leben lang vom Tod umgeben gewesen. Ihr Clan ist dafür bekannt, als Scharfschützen zu arbeiten und mit einem sauberen, emotionslosen Hieb zu töten. Viele raten ihr, sie solle sich einen Mann suchen und zur Ruhe setzen. Sie sei eine Frau und für’s Töten ungeeignet. Doch Sagiri möchte davon nichts hören und sie sucht weiter ihren Weg.

Zu überzeugen weiß auch der Zeichenstil, der gar nicht so “Shonen” daherkommt. Der Stil von Mangaka Yuji Kaku ist detailliert und besteht aus feinen, skizzenhaften Linien. Die Hintergründe sind häufig einfach gehalten, es gibt aber auch einige Panels, in denen die Hintergründe sehr detailliert gestaltet sind. Auch vor detaillierten Gewaltszenen schreckt der Mangaka nicht zurück, weshalb die ausgegebene Leseempfehlung von 16 Jahren unbedingt zu beachten ist.

Die Charaktere sind dabei sehr unterschiedlich gezeichnet und trotz der zu Beginn noch großen Anzahl leicht auseinanderzuhalten. In der Panelgestaltung setzt Kaku auf klar abgegrenzte Panels, die durch einen Rahmen abgeschlossen sind. Eine feste Anzahl oder Größe der Panels gibt es dabei aber nicht und insbesondere in ergreifenden Momenten und Kämpfen verleiht der Mangaka einer Szene durch besonders große Panel mehr Tiefe.

In der Ausstattung liefert KAZÉ-Manga als Extra ein Ausklapp-Poster mit, welches sehr schön gestaltet ist. Leider nicht übernommen wurden die Farbseiten zu Beginn der Geschichte. Sie wurden in schwarz-weiß abgedruckt. Gut gelungen ist auch das äußere Design. Der Umschlag wurde matt gehalten, während der Titel und der Farbklecks hinter der Bandanzahl mit Spottlack überzogen sind und sich durch Reliefdruck leicht vom Rest absetzen.

Fazit & Bewertung

Ich bin mit geringen Erwartungen an Hell’s Paradise herangegangen, wurde aber positiv überrascht. Hier bekommt man keinen 08/15-Shonen geliefert, sondern einen doch erwachsenen Jump-Manga, der mit frischen Charakteren und Zielen sowie einem wundervollen Zeichenstil überzeugen kann.

Sollte man dunklere Geschichten mit einer psychologischen Handlung mögen, wird man mit Hell’s Paradise eine gute Serie finden. Wenn ihr allerdings Probleme mit gewalttätigen und blutigen Szenen habt, dürfte Hell’s Paradise nicht eure Reihe senn, denn daran sparte der Mangaka nicht.

Vielen Dank an KAZÉ-Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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