Brother for Rent - Rezension

Während sich gerade gefühlt die ganze Mangawelt bei den frischen Titeln von Egmont auf “Love is War” stürzt, hat mich ein anderer Neustart mehr interessiert und ich habe mir “Brother vor Rent” vorgenommen.

Der Titel hatte mich sofort angesprochen, als Egmont ihn in seinem Frühjahrsprogramm angekündigt hatte. Die Kurzbeschreibung klang nach einer Geschichte, die mir durchaus gefallen könnte und auch die Cover sahen ansprechend aus. Also hieß es ab auf die Liste damit. Geschrieben und gezeichnet ist der Manga von Hako Ichiiro, für die es gleichzeitig auch das Debüt auf dem deutschen Markt ist. “Brother for Rent” begann sie als Projekt in den sozialen Medien, ehe dann mehr daraus wurde. In Japan wurde die Reihe kürzlich in vier Bänden abgeschlossen.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Hako Ichiiro
Originaltitel: Rental Onii-chan
Genre: Drama, Slice of Life
Verlag: Egmont Manga
Preis: 7,00 €

In vier Bänden abgeschlossen

Weitere Informationen zu Brother for Rent & Leseprobe

Worum geht es?

Für Kanami ändert sich nach dem Tod ihrer Eltern alles. Das Verhältnis zu ihrem Bruder kühlt von einem auf den anderen Tag ab und plötzlich steht sie völlig alleine da. Als ihren einzigen Ausweg aus der Einsamkeit sieht sie Makoto, den sie eines Tages durch einen Zufall trifft und den sie schließlich gegen Bezahlung als ihren “Leihbruder” in ihr Leben lässt.

Meine Meinung

“Brother for Rent” legt in seinem ersten Band einen guten Auftakt hin. Der Titel mag vom Cover her zwar auch ein wenig nach Fluff aussehen, innendrin steckt aber eine Drama-Story, die es durchaus in sich hat. Es geht um den Verlust der Eltern in einem noch sehr jungen Alter, der Entfremdung zweier Geschwister, Ausgrenzung und der Angst alleine zu sein. Die Reihe nimmt sich dieser Themen auf einer glaubwürdigen Ebene an und setzt sich mit diesen auseinander.

Im ersten Kapitel wird man direkt in eine alltägliche Geschichte geworfen und zunächst fragt man sich, wieso Kanami jemanden dafür bezahlt, dass er Zeit mit ihr verbringt, doch dann erfährt man als Leser über ihr Leben hinter geschlossenen Türen. Umso mehr davon im Laufe der nächsten Seiten gezeigt wird, desto mehr begreift man, dass hier alles anders ist, als es nach Außen scheint. Kanamis Leben ist ganz und gar nicht das, welches ein Mädchen in ihrem Alter leben sollte.

Sie möchte vor allem eines: Den großen Bruder zurück, den sie vor dem Tod der Eltern kannte. Sie wünscht sich Geborgenheit und Nähe, denn nicht nur zu ihrem Bruder hat sie sich entfremdet, sondern auch zu ihren Klassenkameraden. Für sie ist der “geliehene Bruder” dieser Ausweg, so scheint es zunächst. Doch im Laufe des ersten Bandes beginnt man sich zu fragen, ob das wirklich alles so glattgehen kann. Entfremdet sie sich dadurch nicht noch viel mehr? Kann sie Makoto wirklich so sehr auf Abstand halten, wie sie es sich erhofft, oder schließt sie ihn am Ende sogar mehr ins Herz als ihren eigenen Bruder?

Kanamis Charakter hat mir sehr gut gefallen. Zunächst denkt man, dass sie doch an einigen Stellen, für ihr sehr junges Alter, sehr erwachsen handelt. Wie alt sie genau ist, wird nicht erwähnt, die Szenen aus der Schule aber lassen darauf schließen, dass sie noch in der Grundschule ist, entsprechend also zwischen sechs und zwölf. Allerdings muss man sich vor Augen führen, dass Kanami einfach sehr früh in ihrem Leben schon Verantwortung für sich selbst übernehmen musste, da ihr Bruder dieser Rolle nicht einnehmen konnte.

Über Makoto, ihren Leihbruder, haben wir im ersten Band noch relativ wenig erfahren. Er möchte Kanami unbedingt helfen, da auch er in seinem Leben Einsamkeit erfahren hat. Auch erfahren wir, dass er die Bezahlung eigentlich gar nicht möchte, für Kanami aber schließlich zustimmt. Auch als es zu einer Szene zwischen ihm und dem wirklichen Bruder kommt, merkt man, dass sie ihm im Grunde doch viel bedeutet. Trotzdem schwebt immer dieses “Falsche” über ihm. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es am Zeichenstil liegt oder aber ob Makoto sich tatsächlich in vielen Szenen verstellt und verkrampft lächelt. Kurz wurde das schon angedeutet, aber ich denke, da steckt mehr hinter diesem Charakterzug und bin gespannt darauf , mehr darüber zu erfahren.

Auch über Kanamis Bruder erfahren wir ein bisschen, erhalten aber keinen tieferen Einblick in sein Seelenleben. Der Umschwung seines Benehmens zu seiner jüngeren Schwester kam ziemlich plötzlich. Ich habe die Stelle zweimal gelesen, um nachzusehen, ob mir da nichts entgangen ist. Eine kleine Vermutung habe ich inzwischen, was sein Benehmen angeht und auch seine Haltung gegenüber Makoto.

Der Zeichenstil von Hako Ichiiro hat mir sehr gut gefallen. Sie hat einen sehr klaren Stil und man kann den Panels leicht folgen. Auf Hintergründe wird häufig verzichtet oder sie sind sehr einfach gehalten. Der Fokus liegt klar auf den Figuren, die aber sehr sauber gezeichnet sind.

Fazit & Bewertung

“Brother for Rent” hat im ersten Band gut vorgelegt und ein solides Drama rund um Kanami und ihren Leihbruder Makoto geliefert. Es wurden einige Fragen und Konflikte aufgeworfen, weshalb ich schon ganz gespannt darauf bin, zu erfahren, wie es für die Beiden weitergeht.

Der Manga ist eine Empfehlung, für all diejenigen, die sich mit einem tiefgehenden Manga befassen wollen, der neue, frische Themen aufgreift.

Vielen Dank an Egmont Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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