Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Folge den Wolken nach Nord-Nordwest (Band 4)

Atemberaubende Landschaftsbilder Islands, eine spannende Story und etwas Fantasy. Das sind die Zutaten von Folge den Wolken nach Nord-Nordwest. Heute möchte ich euch Band vier der Reihe von Mangaka Aki Irie vorstellen.

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Meine erste Begegnung mit Aki Irie war über den Manga Ran and the Gray World. Ich habe damals das Cover von Band eins in den englischen Shops gesehen und mich direkt verliebt. Es hatte nicht lange gedauert und ich habe ihn gekauft, um mich dann auch in Iries Erzählungen zu verlieben. Die Reihe Folge den Wolken nach Nord-Nordwest war da natürlich dann ein Muss für mich und ich verfolge den Titel schon seit dem ersten Band.

In Japan erscheint der Manga unter dem Namen Hokuhokusei ni Kumo to Ike seit 2016 im Seinen-Magazin Harta des Verlags Enterbrain. Stand Februar 2021 sind fünf Bände auf dem japanischen Markt erschienen.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu Band eins rein.

Text/Zeichnungen: Aki Irie| Originaltitel: Hokuhokusei ni Kumo to Ike | Verlag: Carlsen Manga | Zielgruppe: Seinen | Genre: Drama, Slice-of-Life, Fantasy | Preis: 12,00€ | Großformat | Weitere Informationen & Leseprobe

Inhalt

Während Kei gerade dabei ist einen Vermisstenfall zu lösen, versucht in Japan ein Kommissar das Geheimnis um seinen Bruder Michitaka zu lüften, und verfolgt dessen letzten Spuren. Doch als Kei von seinem Auftrag mit neuen Fragen zurückkehrt, ahnt er nicht, dass er schon bald mit einem neuen Vermisstenfall konfrontiert werden sollte …

Wie war’s?

Bereits in den ersten Seiten des Bandes ist Aki Irie’s Liebe zu Island spürbar. Sie bringt die Landschaften des rauen Landes perfekt zum Ausdruck. Die ersten Panels beginnen mit der Darstellung der langen, kurvenreichen Straßen, die durch die Berge führen und schneebedeckten Wiesen. Es sind kleine Details, Banalitäten, mit denen sie die Schönheit der Landschaft ausdrückt. Jede Seite ist atemberaubend und strotzt vor Details. Die Leser*innen können die Landschaft geradewegs aufsaugen und sich darin verlieren.

Die Panelgröße und Anzahl variieren von Seite zu Seite, je nachdem, welches Tempo oder welcher Fokus angestrebt wird und weiß durch einen guten Fluss zu überzeugen. Das Timing passt und so können die Leser*innen der Geschichte leicht folgen.

Wie die Landschaft Islands dazu einlädt abseits der Wege in der Natur unterwegs zu sein, so erlaubt sich auch Irie immer wieder Umwege und Ablenkungen von dem Haupthandlungsstrang. Diese übergreifende Geschichte wird mal aufgenommen, dann wieder für fast banal wirkende und alltägliche Szenen fallengelassen. Es gibt auch in diesem Band wieder Kapitel, die nicht dazu beitragen, dass es rund um die Hauptgeschichte weitergeht, aber auch diese Kapitel können durch den Charme von Irie überzeugen.

Die übergreifende Geschichte, die sich um Kei‘s Bruder Michitaka dreht, kommt dabei aber nicht zu kurz. Michitakas Handlungsstrang erhält einige neue Informationen und wichtige Aspekte. Die Leser*innen begleiten einen Kommissar dabei, wie er Michitakas Vergangenheit untersucht. Ein Kapitel, welches auch dabei hilft, den Charakter des Ermittlers in ein anderes Licht zu rücken, nachdem wir ihn im ersten Band von einer ruppigen und gewalttätigen Seite kennengelernt hatten.

Michitaka scheint zwei Seiten zu haben, und je nachdem, ob er einen Menschen mag oder nicht, zeigt er ihm eine der beiden Seiten. Seine besitzergreifende Anhänglichkeit und sein Komplex Verlassen zu werden machen ihn dabei besonders gefährlich. Er ist gierig nach Aufmerksamkeit und Liebe, scheint sie aber selbst schwer geben zu können. Doch nachdem Michitaka eigentlich von Kei bei einem Bekannten untergebracht wurde, verschwindet er eines Nachmittags spurlos nach einem Spaziergang. Kei, der nichts anderes möchte, als die Wahrheit herausfinden und seinem Bruder zu helfen ist von diesem Ereignis seelisch erschüttert, dennoch scheint er auch zu erkennen, dass es eine Seite an Michitaka gibt, die ihm sein Bruder nicht zu zeigen scheint.

Im Bezug auf die Charaktere erhalten wir hier nicht nur einen Blick in Michitakas Vergangenheit, sondern es werden auch andere Seiten an Kei gezeigt. Zusätzlich gewinnt auch seine Beziehung zu Lilja immer mehr an Bedeutung und es lässt sich erahnen, dass sich zwischen den beiden Teenagern tiefere Gefühle zueinander anbahnen. Irie gelingt es, viele kleine Szenen in den Band einzustreuen, in dem sich die Charaktere näherkommen und den jeweils anderen in einem neuen Blickwinkel sehen.

Fazit

Folge den Wolken nach Nord-Nordwest bleibt auch im vierten Band geheimnisvoll und als Leser*in kann man nur erahnen, was sich hinter all den Toten verbirgt, die überall da auftauchen, wo Michitaka war. Jede Seite weiß, dank des Zeichenstils und der Detailverliebtheit mit atmosphärischer Dichte zu überzeugen, und lädt zum Fernurlaub in Island ein.

Da mag man es Irie verzeihen, dass sie viele kleine Umweg von der Hauptgeschichte nimmt und sich auch mal simplen Episoden widmet. Ich bin schon sehr gespannt, welche Wege sie im fünften Band der Reihe einschlagen wird.

Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1 | Band 2 & 3

Andere Meinungen zum Band

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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