Die Klingen der Wächter

Mit “Die Klingen der Wächter” möchte ich euch heute in die Comic-Welt abseits von Japan mitnehmen. Denn der Titel ist kein Manga, sondern ein Manhua. Also ein chinesischer Comic. “Die Klingen der Wächter” ist in China ein Hit und auch in Japan wurde der Titel mit viel Lob überschüttet.

Einige bekannte Mangaka haben “Die Klingen der Wächter” in dermaßen hohen Tönen gelobt, da sind meine Ansprüche schon vor dem Lesen Richtung Himmel gewachsen. Geschrieben und gezeichnet ist die Reihe von Xu Xianzhe. Für Manga-Fans übrigens heißt es sich nicht groß umorientieren, denn “Die Klingen der Wächter” gehört zu den Manhua, die in der japanischen Leserichtung veröffentlicht werden. Man beginnt also auch hier hinten und liest von rechts nach links. Bisher gibt es in China neun Bände, auf dem deutschen Markt sind bislang drei Bände des Werkes erschienen.

ECKDATEN ZUM TITEL

Text&Zeichnungen: Xu Xianzhe
Genre: Action, Fantasy, Historisch
Verlag: Chinabooks
Preis: 14,90€ | Großformat

Leseprobe und weitere Informationen zum Titel

Worum geht es?

In den ersten drei Bänden dreht sich alles um Daoma und den Beginn einer spektakulären Reise. Daoma macht sich als Kopfgeldjäger verdient, denn er möchte die Schulden, die er beim einflussreichen Händler Mo hat, abzahlen. Dieser hatte Daoma und seinen Sohn Xiaoqi vor einiger Zeit unterstützt, als sie in Not waren. Doch dann wird Daoma sein Temperament zum Verhängnis und plötzlich wird der Jäger selbst zum Gejagten. Als Mo ihm einen Auftrag und die Möglichkeit gibt, all seine Schulden mit einem Schlag zu begleichen, wenn er einen mysteriösen Mann mit Maske in die Hauptstadt Chang’an bringt, sagt Daoma zu, nichts ahnend, auf welche Dimensionen er sich eingelassen hat …

Meine Meinung

Was mich sofort sagen lassen hat, dass ich diesen Manhua lesen muss, war der Zeichenstil. Ich habe in die Leseprobe reingeschaut und mich sofort darin verliebt. Der Stil geht ins Realistische, hat harte, skizzenhafte Linien und einen Touch von Takehiko Inoue. Mir gefällt, wie der Zeichner es schafft, seinen Szenen mit seinen Zeichnungen eine besondere Dynamik zu verpassen. Man konnte die Bewegungen spüren und sehr gut nachverfolgen. Besonders in den actionreichen Szenen hat mir der Stil unglaublich gut gefallen. Man hatte dadurch das Gefühl mittendrin zu sein.

Aber auch neben seinen Zeichnungen konnte mich der Manhua überzeugen. Die Handlung nimmt nach einer kurzen Einführung sofort an Fahrt auf und entwickelte sich schnell zu einem echten Pageturner. Die Geschichte spielt 607 n. Chr. zur Zeit des Kaisers Yangdi der Sui-Dynastie, man muss aber nicht besonders geschichtlich gebildet sein, um die Handlung nachvollziehen zu können. Ich selbst kenne mich in der chinesischen Geschichte nicht sehr gut aus, hatte aber keine Schwierigkeiten mit der Materie. Neben historischen Elementen lässt Xu in sein Erstlingswerk auch fantastische Elemente einfließen und neben den Gefahren, die von ihm feindlich gesinnten Menschen ausgehen, hat es Daoma auch mit blutrünstigen Dämonen zu tun. Auch verschiedene Religionen und Weltanschauungen finden ihren Platz in der Reihe. Diese zu werten, das überlässt Xu dabei ganz dem Leser.

Mit Daoma trifft man in der Reihe auf eine Hauptfigur, die frischen Wind reinbringt. Verglichen mit vielen Seinen-Helden aus japanischen Comics, ist er doch ein eher offener Charakter, der nicht in das Klischee “einsamer Wolf” passt. Er ist von der gesprächigen Sorte, ohne dabei aber nervig oder aufdringlich rüberzukommen. Dabei fällt schnell auf, dass er sich seine eigenen Regeln aufstellt, sie aber auch gerne bricht. So sagt er seinem Sohn in einer Szene, man solle nicht von den Toten stehlen, um es nur wenige Panel später selbst zu tun. Eine Einstellung, die sich auch in anderen Bereichen bei ihm beobachten lässt.

Es gefällt mir auch, dass wir in den bisherigen Bänden zwar einiges über Daoma erfahren haben, viele Dinge aber noch im Verborgenen bleiben. Wir wissen nur, dass er Schulden bei Mo hat, aber noch nicht, wie er auf Mo gestoßen war oder was mit der Mutter seines Sohnes passiert ist.

Einen Pluspunkt bekommt der Manhua auch für seine Frauenfiguren. Ayuya ist eine starke Frau, die sich auch ohne die Hilfe von Männern in einer brutalen Welt zu behaupten weiß und ihren eigenen Willen hat. Auch eine weitere Weggefährtin Daoma überzeugt durch ihre Kühnheit.

Keinesfalls sollte man unterschätzen, dass es sich bei „Die Klingen der Wächter“ doch eher um ein Werk handelt, welches für die ältere Leserschaft geschrieben ist. Trotz all der Wortgewandtheit und lockeren Sprüche von Daoma spielt das Ganze in einer brutalen und gnadenlosen Welt. Es gibt viele blutige Szenen und auch einige Körperteile verbleiben nicht an ihrer vorgesehenen Stelle.

Fazit & Bewertung

Die Klingen der Wächter ist für all diejenigen etwas, die erwachsene Comic-Literatur mögen und eine mitreißende Geschichte mit interessanten Hauptcharakteren lesen möchten. Wer nicht allzu versteift ist, dass alles in seinem Regal auch ein Manga sein muss und sich auch für die Literatur anderer Länder begeistern kann, wird seine Freude an dem Erstling von Xu Xianzhe finden.

Vielen Dank an Chinabooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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