Brother for Rent - Band 4

Mit dem vierten Band von Brother for Rent findet die Geschichte rund um die junge Schülerin und ihren Leihbruder ihr Ende. Wie dieses mit gefallen hat, darüber soll es in der Abschlussrezension zum Titel gehen.

Geschrieben und gezeichnet ist der Manga von Hako Ichiiro, für die es gleichzeitig auch das Debüt auf dem deutschen Markt ist. Brother for Rent begann sie als Projekt in den sozialen Medien, ehe schließlich mehr aus dem Ganzen wurde und die Reihe auch in Sammelbänden veröffentlicht wurde. In Deutschland hat sich Egmont die Lizenz für die Reihe, die vier Bände umfasst, gesichert.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu Band eins rein.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Hako Ichiiro
Originaltitel: Rental Onii-chan
Genre: Drama, Slice of Life
Verlag: Egmont Manga
Preis: 7,00 €

In vier Bänden abgeschlossen

Weitere Informationen zu Brother for Rent & Leseprobe

Worum geht’s?

Kanami ist fest dazu entschlossen, dass sie fortan bei Makoto wohnen möchte. Doch dann bittet sie Misuzu um ein Gespräch und Kanami lernt eines der großen Geheimnisse ihres Bruders kennen. Nach diesem Gespräch möchte Kanami es unbedingt noch einmal versuchen und sucht den Kontakt zu ihrem Bruder, allerdings mit schlimmen Folgen …

Wie war’s?

Der vierte Band bringt Licht ins Dunkle und endlich erfährt der Leser auch die Geschichte von Kanamis Bruder Kazutaka und dessen Beweggründe, alle Kontakte zu seiner Schwester abzureißen. Es waren mehrere Faktoren, die schließlich dazu geführt hatten, dass er sich immer weiter von der Welt abkapselte: Schikane in der Schule, aber auch großer Leistungsdruck und Mobbing in den eigenen vier Wänden. Ein Druck, der schließlich dazu geführt hat, dass er alle anderen Menschen begann zu hassen und nichts mehr Gutes in die Leute um sich herum sehen konnte. Auch wenn durch den Tod der Eltern gleichzeitig Personen aus seinem Leben verschwinden, von denen er viel physische Gewalt erlitten hat, stellt sich durch geldgierige Verwandte, die sich um das Wohl der Kinder nichts scheren, eine neue Konstante des Hasses ein.

Wie die Mangaka seine Geschichte aufdeckt, wirkt dabei leider ein wenig zu “gewollt”. Denn Misuzu erinnert sich plötzlich daran, mit Kanamis Bruder in einer Klasse gewesen zu sein und berichtet ihr von seiner Situation in der Schule, welche zu einer Konfrontation der Geschwister und einer regelrechten Schocktherapie führt.

Wenn das Ende auch etwas überhastet ist, gelingt es der Mangaka aber dennoch zu zeigen, dass Kazutaka auch zwei Jahre nach all den Geschehnissen um die Leihbruderschaft noch an sich arbeitet und es eben keine große “Wunderheilung” ist.

Insgesamt wäre ein weiterer Band vielleicht sinnvoll gewesen, in dem man die beiden Geschwister in ihrer Annäherung beobachten kann, was auch dabei geholfen hätte, Kazutaka psychische Belastung mehr zu verstehen und in diesem Punkt nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. In der Summe aber gelingt es der Mangaka, mit ihrer Manga-Reihe aber ein rundes Bild zu schaffen, und sie schöpft die Thematik familiärer Probleme gut aus. Allerdings vor allem mit Fokus auf Kanamis Familie. Auch wenn wir von Problemen in Makotos Vergangenheit und auch Misuzus Familie wissen, so erfahren wir nach dem Aufgreifen dieser in vorherigen Bänden wenig darüber, wie sie nun damit leben und wie es ihnen in ihrer jeweiligen familiären Umgebung ergeht.

Was dem Manga gefehlt hat, ist auch ein größerer Fokus auf Kazutaka, um seine Gedankengänge besser nachvollziehen zu können. Insbesondere was die Phase nach dem Tod der Eltern angeht, in denen er auch seine bisherige Konstante Kanami beginnt immer mehr zu hassen.

Charakterlich fällt auf, dass sich die Hako Ichiiro dazu entschieden hat, mit den beiden “Brüdern” Kanamis ein gegensätzliches Paar zu schaffen. Auf der einen Seite haben wir Makoto, dem in seiner Kindheit früh Unterstützung durch Freunde angeboten wurde und der so zum großen Teil selbstbewusst durchs Leben geht. Auf der anderen Seite ist Kazutaka, der eben diese Unterstützung nicht hatte. Einzig Kanami schien ihm etwas Liebevolles entgegenzubringen, während er sonst nur Leid oder Mitleid erfuhr. Auch die Charakterentwicklung von Kanami ist sehr gut gelungen. Auch bei ihr merkt man, dass sie sich durch ein Vorbild – in diesem Fall Makoto – in ihren jungen Jahren weiterentwickeln konnte und seither versucht, mutig durchs Leben zu gehen.

Die große Bandbreite an Emotionen, auf die der Leser in dem Band trifft, kann die Mangaka durch ihre Zeichnungen gut umsetzen und vor allem durch die Darstellung der Mimik gelingt es, die Emotionen abzubilden. Ihr Stil ist auch in diesem Band wieder sehr klar. Zudem gibt es viele größere Panel, die auch mal über eine Seite oder Doppelseite gehen. Dadurch kann die Mangaka in diesen Szenen die Emotionen noch einmal deutlich besser darstellen.

Fazit & Bewertung

Brother for Rent war in der Summe für mich eine überraschende Reihe, bei der ich durch den Klappentext etwas völlig anderes erwartet hätte. Die Dramatik ist über große Teile der Serie gut gesetzt und nur zum Ende ist eine gewisse Hektik zu verspüren. Ein Band mehr hätte der Reihe da sicherlich gutgetan, um tiefer in die neue Beziehung der beiden Geschwister einzugehen und der Hilfe, welche sie nun von außen erfahren.

Dennoch ist Brother for Rent eine gute, emotionale Reihe, die sich für den kleinen Lesehappen zwischendurch allemal lohnt.

Weitere rezensierte Bände der Serie:
Band 1
Band 2
Band 3

Vielen Dank an Egmont Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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