Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Kitaro (Band 3) Rezension

Kitaro (Band 3)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Kitaro hat eine auf dem ersten Blick komplizierte Veröffentlichungsgeschichte: Kitaro erschien erstmals ab 1959 im Leih-Magazin Yokiden. Nachdem sie kurzzeitig im Garo erschien, zog die Serie 1965 ins Weekly Shonen Magazine von Kodansha um, wo sie bis 1971 lief.

Von der Manga-Serie gibt es inzwischen sieben Anime-Adaptionen. Die jüngste lief vom April 2018 bis zum März 2020 und umfasste 97 Episoden.

Mizuki ließ sich von Hakaba Kitaro (Graveyard Kitaro) inspirieren, einer Papiertheater-Serie, die vor dem Zweiten Weltkrieg populär war. Die meisten Aufzeichnungen der Serie wurden während des Krieges zerstört, aber Mizuki nahm das, was bekannt war, und gestaltete es neu.

Mit seinem Werk rund um den Yokai-Jungen als auch seiner Yokai-Forschung trug im Wesentlichen dazu bei, den Volksglauben an Yokai aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu bewahren und zu popularisieren. Ohne Mizuki und seine Yokai-Geschichten gäbe es heute wohl kein Pokémon, Digimon oder Ghibli-Kassenschlager wie “Chihiros Reise ins Zauberland” und “Mein Nachbar Totoro”.

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Text/Zeichnungen: Shigeru Mizuki | Originaltitel: GeGeGe no Kitaro | Übersetzung: Gandalf Bartholomäus| Verlag: Reprodukt | Zielgruppe: Shonen| Genre: Comedy, Action| Preis: 6,90€ | In 13 Bänden abgeschlossen| Weitere Informationen

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Wie war’s?

Wer ist eigentlich dieser Kitaro? Kitaro ist ein ebenso gruseliger wie geheimnisvoller, kleiner Junge, der in einem seltsamen Haus im Sumpf lebt und die Menschen mit seinen magischen Kräften vor bösen Yokai rettet. Aber auch nicht davor zurückschreckt böse Menschen zu bestrafen. Am Ende eines jeden Abenteuers zirpen und krächzen die Grillen, Kröten und anderen Krabbeltiere Kitaros Siegeslied “Ge Ge Ge”, woher auch der Originaltitel stammt.

Wie in den vorherigen Bänden werden die Abenteuer von Kitaro auch im dritten Band episodisch erzählt. Wobei die Länge der Geschichten variiert. Es gibt kurze Storys, aber ebenso längere Erzählungen, die sich über mehrere Kapitel oder Bände ziehen.

Der Band setzt zunächst die Geschichte “Das riesige Seeungeheuer” aus dem vorherigen Band fort. Fünf weitere Kapitel warten hier auf die Leserschaft.

Die Geschichte wurde vom 15. Mai bis zum 3. Juli 1966 veröffentlicht. Es war ein Remake aus dem Leihmanga-Kapitel „A Secret Story“. Die Geschichte gehört mit zu den bekanntesten rund um Kitaro und fand Platz in den Anime-Adaptionen in den Jahren 1986, 1985 und 1996.

Kitaro begleitet darin den egoistischen, aber genialen Forscher Shuichi Yamada nach Neuguinea, um eine Blutprobe von einem riesigen Monster zu holen. Ihre Expedition ist erfolgreich, aber um den ganzen Ruhm für sich zu beanspruchen, injiziert Yamada Kitaro das Blut, um ihn zu töten, was aber dazu führt, dass unser Held zu einem haarigen Monster wird, das Tokio heimsucht, mit zerstörerischen Folgen. Gleichzeitig versucht Yamada, Kitaro zu stoppen. Natürlich nicht ohne ganz eigennützige Hintergrundgedanken, denn er fürchtet, Kitaro würde ihn verraten.

Die titelgebende Story “Schloss Yokai” umfasst ihrerseits zwei Kapitel, wurde aber wie “Das riesige Seeungeheuer” zahlreich in den Anime-Adaptionen, so auch in der jüngsten von 2018, umgesetzt. In ihr geht es um Kinder die verschwinden. Kitaro wird beauftragt, der Ursache auf den Grund zu gehen und stößt auf ein Yokai-Schloss, welches einst versiegelt war.

Daneben finden die Leser*innen noch zwei Einzelepisoden vor sowie den Beginn der nächsten größeren Geschichte “Der Vampir Elite”. Die Geschichte beruht wie die erste Geschichte des Bandes auf einem Ausleih-Manga aus dem Jahr 1962 und wurde vom Mai bis Juni 1967 im Shonen Magazine neu aufgelegt und überarbeitet. Insgesamt wird die Geschichte acht Kapitel umfassen. Außerdem wurde die Story in den Anime-Versionen in den Jahren 1968, 1996, 2007 und 2018 gezeigt.

Hauptgegner darin ist Elite, ein alter Vampir, der seine Opfer mit Gitarrenmusik verführt. Elite ist nach zwanzig Jahren, in denen er in Frankreich Schönheiten gejagt hat, nach Japan zurückgekehrt und hat nun eine Liste mit japanischen Berühmtheiten, die er aussaugen will. Ganz oben auf der Liste steht der Verteidigungsminister, denn Elite hat noch nie das Blut eines Regierungsministers getrunken.

Die japanische Regierung hat von dieser Bedrohung des Ministers erfahren, ist aber hilflos gegenüber den Monstern. Daher wenden sie sich an Kitaro.

Kitaro hat schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel und dennoch ist es ein Titel, der gut gealtert ist und auch heute noch zu unterhalten weiß. Insbesondere Band drei lässt sich gut lesen, da wir hier auf längere Abenteuer um Kitaro treffen. Insbesondere “Das riesige Seeungeheuer” weiß in den Bann zu ziehen und durch interessante Ideen des Mangakas zu überzeugen.

Anders als der Großteil aktueller Comics, die auch für die junge Leserschaft geeignet sind, hat Kitaro einen derben Unterton, bleibt aber dennoch liebevoll erzählt und bietet spannende Abenteuer. Ältere Leser können auf die Suche nach dem Ursprung der Yokai-Geschichten gehen, die sich noch heute in der modernen Manga-Literatur finden. Man wird nicht umherkommen, Erzählmuster zu erkennen, die wir auch heute noch in Shonen-Literatur haben.

Die Geschichten sind spannend und witzig. Mizuki bedient sich vor allem der Yokai und Ayakashi der japanischen Überlieferung, die er in eine neue Form verpackt und so dem Publikum verständlicher macht. Dennoch finden sich auch Fabelwesen anderer Länder wieder, wie zum Beispiel Vampire.

Die Illustrationen sind cartoonhaft, aber Mizuki platziert seine Figuren gerne in realistisch gestalteten Hintergründen. Dörfer, Häuser, Wälder, Berge und Innenräume werden bis ins kleinste Detail gestaltet. Die Posen, die Wahl der Komposition und des Bildausschnitts und die Tatsache, dass einige der Monster sehr detailliert sind, zeigen das Handwerk Mizukis. Es ist diese Mischung aus klassischem Stil und Cartoon, die Mizuki kennzeichnet.

Anders als die übrigen Werke von Shigeru Mizuki, die sich an das ältere Publikum richten, bringt Reprodukt die Kitaro-Reihe im Taschenbuch-Format heraus. Als besonderes Extra wird der Reihe ein Rückenbild spendiert, welches am Ende Kitaro und seine engsten Yokai-Begleiter zeigen wird.

Fazit

Kitaro ist eine der beliebtesten Manga-Figuren der Geschichte und in Japan vielfach neu adaptiert. Die deutschen Mangaleser*innen kommen nun ebenfalls in den Genuss des Yokai-Titels. Wie die vorherigen Bände kann Mizuki auch in Band drei abwechslungsreiche Geschichten liefern, wenn man auch vor allem längere und zusammenhängende Storys vorfindet.

Im persönlichen Vergleich ist der dritte Band bisher klar mein Favorit und ich hatte das Gefühl, ein flüssigeres Lesevergnügen vorzufinden. Kitaro bleibt demnach auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die sich auf ältere Mangaliteratur einlassen möchten und sich für den Ursprung der modernen Yokai-Storys interessieren.

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Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1&2

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Bei diesem Band handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Reprodukt zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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