Rezension - Mushishi Band 2

Die Reise von Mushishi Ginko durch die geheimnisvolle Welt der Mushi geht weiter und in diesem Monat ist bei Manga Cult Band zwei der awardprämierten Serie erschienen. Wie er mir gedallen hat, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Nachdem für mich der erste Band der insgesamt zehnteiligen Reihe einen richtig starken Auftakt hingelegt hatte, musste ich natürlich auch den zweiten Band lesen. In Japan ist dieser bereits 2002 erschienen, in Deutschland kommen wir durch Manga Cult in diesem Jahr zum ersten Mal in den Genuss der besonderen Reihe, die in Japan einige Preise einheimsen konnte.

Worum geht’s?

Ginko reist von einem Ort zum anderen und trifft dabei auf so manches Problem, welches mit den geheimnisvollen Mushi zusammenhängt. Es führt ihn von einem alten Mushishi, in die tiefen einer Bibliothek und auf geheimnisvolle Inseln. Nur mit ein paar Werkzeugen, medizinischen Kräutern und seinen Zigaretten bewaffnet, versucht Ginko, das Leben derjenigen, die von Mushi befallen wurden, besser zu machen, muss aber auch feststellen, dass das nicht immer gelingen kann.

Wie war’s?

Der zweite Band untermauert, dass die Reihe ohne Actionszenen oder eine große zusammenhängende Story auskommt. Auch dieses Mal konnten die einzelnen Episoden wieder völlig unabhängig voneinander gelesen werden und es gab bis auf der Existenz von den Mushi und Ginko keinen roten Faden im Aufbau. Dabei bleibt die Reihe ihrem ruhigen, aber zugleich mystischen und ab und an philosophischen Aufbau treu.

Band zwei besteht aus insgesamt fünf Geschichten. In “Der schlafende Berg” kommt Ginko einem anderen Mushishi zur Hilfe, von dem die Dorfbewohner glauben, dass ihm etwas zugestoßen ist. “Das Meer der Pinsel” erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren Familie seit Generationen Erzählungen über Mushi sammelt und Hüter einer riesigen Bibliothek wertvollen Wissens sind. Ginko reist auf eine abgelegene Insel, die aufgrund der Gezeiten und Strömungen, nur einem im Monat besucht werden kann und auf der seltsames vor sich geht. Auf dem Festland trifft er in der vierten Geschichte einen Mann, der durch die Landschaften wandert und Regenbögen jagt. In der finalen Geschichte “Baumwollsporen” muss Ginko ein Paar davon überzeugen, ihre Kinder zu töten, von denen trotz ihres Erscheinungsbildes keines menschlich ist.

Urushibara beeindruckt im zweiten Band einmal mehr mit der Fähigkeit, so viele Geschichten zu erschaffen, die sich einerseits vom Aufbau unglaublich ähnlich sind, aber doch so voneinander unterscheiden. Es gibt nichts, was sich wiederholt, es sind immer andere Geschichten, immer andere Schicksale. Mushishi schafft etwas, was nur wenigen Kurzgeschichtensammlungen gelingt. Trotz der geringen Seitenanzahl hat doch jede Geschichte eine gewisse Tiefe und wirkt fast wie ein Stück Mythologie.

Zu den wichtigsten Themen gehören auch in diesem Band wieder die Bedeutung des Lebens und die Koexistenz zwischen Menschen und Mushi. Es wird zwar deutlich, dass Ginko dem menschlichen Leben den Vorrang einräumt, gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass er immer sein Bestes gibt, um zu vermeiden, dass die Mushi zerstört werden. Eine Eigenschaft, die neben ihm wohl nur wenige Mushishi zu besitzen scheinen, wie sich in “Das Meer der Pinsel” zeigt. Dort ist eine junge Frau froh, endlich einmal Geschichten zu hören, in denen es nicht um das Töten von Mushi geht.

“Auch heute geht die Sonne unter und wieder auf. Überall blühen die Blumen, aber es sind andere als gestern. Auch heute geht die Sonne auf und wieder unter. Blumen, die am Morgen blühen, lassen ihre Köpfe hängen und werden welk.”

aus: Die den Tau atmen

In einigen der Geschichten bekommt man den Eindruck, dass nicht immer die Mushi das Unheil bringen, sondern es vielmehr die menschliche Arroganz und der falsche Umgang mit ihnen ist, die zu einer gefährlichen Situation oder Entwicklung führen. Insbesondere in “Die den Tau atmen” tritt dieses Element zu Tage, aber auch in der ersten Geschichte ist die Arroganz gegenüber dem anderen Leben eines der Grundthemen. Besonders gefallen hat mir in diesem Band die letzte Geschichte, in der sich viel um Verlust und die menschliche Psyche dreht. Dieses Kapitel hat einem viel zum Nachdenken mitgegeben.

Auch wenn die Geschichten völlig alleine stehen können, erfährt man durch sie doch einiges über die Welt. Über Ginko lernen wir ebenfalls etwas Neues, wenn auch wieder nur kleine Bruchstücke. Es scheint einige Orte zu geben, zu denen er gerne zurückkehrt und Menschen, mit denen er sich verbunden fühlt. Auch erwähnt er, wieso er immer auf Reisen ist und nie lange an einem Ort aufhält. Er bleibt aber trotz allem ein Mann ohne wirkliche Vergangenheit.

Der Zeichenstil von Urushibara passt auch hier wieder sehr gut zur Handlung. Ihr doch skizzenhafter, aber einzigartiger Stil schafft insbesondere durch detaillierte Hintergründe eine tolle Grundatmosphäre und katapultiert den Leser direkt in diese fantasievolle Umgebung. Die Panels sind übersichtlich gestaltet. Die Mangaka arbeitet viel mit in sich abgeschlossenen Panels, bricht diese starren Muster aber auch aus und arbeitet auf einigen Seiten auch mit Panel, die ohne Ränder funktionieren und zwischen die anderen eingebettet sind. Besondere Szenen hebt sie durch große Einzelbilder hervor, die auch mal über eine Doppelseite gehen können.

Fazit & Bewertung

Mushishi bleibt eine packende und atmosphärische Reihe, die starke Emotionen in den Leser hervorruft, ohne dass es zu gewollt rüberkommt. Es gab zwar in dem Band Geschichten, die mir weniger gut als Andere gefallen haben, insgesamt war es aber wieder eine tolle Mischung, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ich freue mich schon richtig auf die nächsten Abenteuer von Ginko im dritten Band der Reihe.

Weitere rezensierte Bände der Serie:
Band 1

Vielen Dank an Manga Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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