Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Mushishi (Band 8)

Mushishi (Band 8)

Mushishi hat mich seit dem ersten Band in seinen Bann gezogen und gehört inzwischen zu meinem liebsten Reihen im Regal. Auch auf meinem Blog ist Mushishi seit seinem Beginn fester Bestandteil und es bereitet mir Freude, jeden neuen Band mit einer Rezension zu beschenken.

In Japan lief Mushishi seit November 1999 im Seinen-Magazin Afternoon von Verlagsriese Kodansha. Im August 2008 fand der Titel seinen Abschluss. Yuki Urushibara wurde für Mushishi 2003 mit dem Media Arts Award als Preis für Exzellenz und 2005 mit dem Kodansha-Manga-Preis in der Kategorie “Allgemeines” ausgezeichnet. Der Manga wurde zudem als Anime adaptiert.

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Text/Zeichnungen: Yuki Urushibara | Originaltitel: Mushishi | Verlag: Manga Cult | Zielgruppe: Seinen | Genre: Fantasy, Mystery | Preis: 15,00€ | Großformat | In zehn Bänden abgeschlossen | Weitere Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Der siebte Band von Mushishi besteht aus insgesamt fünf Geschichten.

In “Das Tal der Gezeiten” fließt, wird Ginko mitten im Winter von einer Familie aufgenommen, die im Herzen eines Berges lebt. Zu seiner großen Überraschung stellt er fest, dass das Reisfeld trotz der Jahreszeit Triebe bildet, als ob der Frühling schon da wäre. Dieses Phänomen ist auf die intensive Arbeit des Eigentümers zurückzuführen. Der Mann arbeitet ununterbrochen und schläft kaum.

In “Die Tiefen des Winters” ist Ginko gefangen in einem Berg, der nicht aus dem Winterschlaf erwachen möchte. “Der verborgene Fluss” handelt von einer jungen Frau, die regelmäßig in eine seltsame Starre fällt. Ginko bemerkt dies und warnt den Vater. Es ist ein Mushi, der sie einnimmt. Wenn sie nicht schnell geheilt wird, wird sie nach und nach den Verstand verlieren. Aber die Jugendliche will sich nicht behandeln lassen, weil sie in diesem Zustand mit einer Person kommunizieren kann, die ihr sehr am Herzen liegt und die in einem anderen Dorf lebt.

In “Sonnenschauer” begegnet Ginko einer jungen Frau. Immer wenn sie an einem neuen Ort ankommt, beginnt es gleich am nächsten Tag zu regnen. Das ist ein wahrer Segen inmitten der Dürre, aber es bedeutet auch, dass sie immer wieder umherziehen muss, damit es an einem Ort nicht zu viele Regen gibt, der für die Pflanzen ebenso schädlich ist wie die siedend heiße Sonne. Ginko möchte versuchen, ihr zu helfen.

In der finalen Geschichte “Schlammiges Gras” wird Ginko von den Bewohnern eines Dorfes beauftragt, bei denen Knospen an ihren Beinen wachsen. Es scheint, dass sie von einem Mushi infiziert sind, der aus dem Berg kommt. Doch bald darauf stößt Ginko auf eine dunkle Geschichte.

Mit Ausnahme der Geschichte “Die Tiefen des Winters”, greift Yuki Urushibara auf ihr bekanntes Erzählschema zurück. In dem Band befinden sich Kapitel, die völlig unabhängig voneinander zu lesen sind und in denen Ginko bei anderen Menschen ein Mushi-Problem feststellt.

Ein Erzählmuster, welches auch im achten Band der Reihe keinesfalls langweilig wird, weil es Urushibara immer wieder gelingt, jeder ihrer Erzählungen das gewisse Etwas zu verschaffen. Manche Menschen wollen die Mushis nicht loswerden, andere können es nicht. Manche Geschichten enden dramatisch, andere weniger. Der Mensch wird mit seinen Schwächen, aber auch mit seinem ganzen Potenzial an Großzügigkeit, seinem Wunsch zu leben oder zu überleben, dargestellt. Und jedes Mal gelingt es Urushibara, eine echte Verbindung zwischen Natur und Mushi, zwischen Mushi und Mensch herzustellen und uns poetische Passagen in einem Universum zu bieten, in dem eine tiefe, geheimnisvolle Atmosphäre herrscht.

Urushibaras einzelnen Geschichten finden auf vielen Ebenen statt und oft sind die Mushishi nur eine Art Metapher, um etwas anderes zu zeigen. Die Episoden haben eine poetische Bildsprache und hinter zunächst einfach scheinenden Handlungen verbirgt sich häufig mehr, als es zunächst den Anschein hat.

“Das Tal der Gezeiten” behandelt so das Element der Heimat und der Verbundenheit mit dem Land. Ginko stößt auf die wohl idyllischste Darstellung einer Familie in der gesamten Serie: Wohlhabend und glücklich, profitiert die Familie von einer übernatürlichen Verbindung zum Land, die bedeutet, dass der Reichtum nie endet, selbst mitten im Winter. Aber auch all der Reichtum bringt seine Schattenseiten mit.

In “Der verborgene Fluss” macht ein junges Mädchen die schwierige Erfahrung des Erwachsenwerdens und muss lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. In “Sonnenschauer” lernen wir, dass ein Fluch auch zu einem Geschenk werden kann.

Auf unterschiedliche Weise können in diesem Band zwei Geschichten hervorstechen. In „Die Tiefen des Winters“ haben wir zum ersten Mal eine Geschichte, in der Ginko niemanden zur Hilfe eilt, der ein Mushi-Problem hat, sondern er ist selbst Mittelpunkt des Kapitels.

“Die Tiefen des Winters” ist eine elegante, einfache Geschichte mit minimalem Dialog, die sich auf die Bilder verlässt, um die Leser*innen anzusprechen. Ginko ist auf dem Weg durch einen Berg, um einem Auftrag nachzukommen, als er Zeichen wahrnimmt, die darauf hindeuten, dass das “Erwachen des Berges” aus dem Winterschlaf bevorsteht. Da dies die Rückkehr der hungrigen Frühlings-Mushis aus ihrem Winterschlaf bedeutet, beschließt Ginko, sich für ein paar Tage in einem selbstgebauten Unterstand zu verkriechen, geschützt durch Mushi abwehrenden Weihrauch. Doch als er erwacht, stellt er fest, dass er sich inmitten eines Schneesturms befindet und das, obwohl in den umliegenden Bergen der Frühling begonnen hat.

Die Kurzgeschichte ist etwas ganz anders und erfrischend. Nur Ginko, die Mushi, und der intensive Winter. Es ist eine Story, die die ästhetische Schönheit und das Geheimnis der Welt von Mushishi so gut zeigt, wie es nur möglich ist, und die Leserschaft am Ende mit einem Lächeln im Gesicht zurücklässt.

In diesen Seiten zeigt die Mangaka, dass sie sehr gut darin ist, die Bilder sprechen zu lassen. Da Ginko alleine ist, verzichtet sie auf große Dialoge und konzentriert sich stattdessen auf die Landschaft und die Wesen um ihn herum.

Die Geschichte “Schlammiges Gras”, die den Band abschließt, ist das genaue Gegenteil. Mushishi ist eine Serie, die sich auf die fantastische, unsichtbare Welt der Mushi konzentriert, aber sich ebenso sehr mit der verborgenen Welt der Verstrickungen, die den menschlichen Beziehungen zugrunde liegen, befasst. Beide Welten können sowohl wundersame als auch erschreckende Dinge hervorbringen. In “Schlammiges Gras” liegt der Fokus auf den menschlichen Abgründen.

Das in dieser Episode vorgestellte Mushishi mag wie Gras aussehen, aber als erzählerisches Motiv erinnert es an Blut.

Die von der Folklore inspirierten Geschichten werden von Grafiken untermalt, die die besondere Atmosphäre der Storys gut abbilden. Yuki Urushibara verwendet einen kratzigen, fast rauen Strich mit einigen Schraffuren. Die Mangaka arbeitet viel mit abgeschlossenen, durch Linien begrenzte Panels, bricht diese starren Muster aber auch auf und es gibt ebenso Panel, die ohne klare Abgrenzung funktionieren. Diese sind in den anderen Panels eingebettet und wirken dadurch wie eine weitere Ebene. Besondere Szenen hebt sie durch große Panels hervor.

Fazit

Poetisch, philosophisch, traumhaft, faszinierend, wunderbar, nachdenklich, phantastisch, untypisch. All das sind Wörter, mit denen man die Reihe gut umschreiben könnte. In der Welt von Mushishi ändert sich nicht viel und doch entdeckt man immer wieder Neues.

Es ist keine Reihe für jeden, aber wenn man die ersten Bände mochte, wird man sicher die komplette Serie mit all ihrer tiefsinnigen Schönheit lieben.

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Weitere rezensierte Bände der Serie

Band 1 | Band 2 | Band 3 | Band 4 | Band 5 | Band 6 | Band 7

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