Banana Fish Band 1 - Rezension

New York, 1985: Mit seinen 17 Jahren ist Ash Lynx bereits Anführer einer Straßengang. Eines Nachts bekommt er eine mysteriöse Droge mit dem Namen “Banana Fish” in die Hände und bringt damit etwas ins Rollen, was nicht nur für ihn große Gefahr bedeute.

Neugierig bin ich auf Banana Fish schon seit einigen Jahren, habe den Manga aber nie gekauft, da er sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch verlagsvergriffen war. Erst eine in die Gegenwart angelegte Anime-Adaption hat dazu geführt, dass sich dieser Zustand änderte und sowohl in den USA als auch hier in Deutschland erhielt der Klassiker eine zweite Chance. Nachdem im Rahmen von “1 Manga, 3 Meinungen” die Bewertungen der drei Leserinnen sehr positiv ausfielen, war das ein weiterer Grund für mich, endlich selbst mal reinzuschauen, um mir ein Bild von dem Manga zu machen.

Bei Panini Manga erscheint die Reihe in einer Omnibus-Ausgabe im Großformat mit einem PVC-Umschlag. In einem Band sind jeweils zwei Bände der japanischen Originalausgabe enthalten. Insgesamt wird die Neuauflage zehn Bände umfassen.

Banana Fish wurde in den Jahren 1985 bis 1994 gezeichnet und dürfte damit älter sein als so manch einer der heutigen Fans. Übrigens: Der Manga erschien in einem Shojo-Magazin, lasst euch davon aber nicht blenden, seichten Schul-Shojo, wie sie heute massenhaft produziert werden, werdet ihr nicht vorfinden.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen
: Akimi Yoshida
Originaltitel: Banana Fish
Zielgruppe: Shojo | Genre: Thriller, Action, Drama
Verlag: Panini
Preis: 19,00 €

mehr Informationen bei Panini

Worum geht es?

Ash Lynx, ein 17-Jähriger mit großen Kampfkünsten, ist Anführer einer Straßengang in New York. Eines Nachts bekommt er eine mysteriöse Droge mit dem Worten “Banana Fish” in die Hände gedrückt– dieselben zwei Worte, die sein älterer Bruder seit seiner Rückkehr aus dem Vietnam-Krieg immer wieder murmelt. Etwa zur selben Zeit begegnet er Eiji Okumura, dem Assistenten eines Reporters aus Japan.

Wie war’s?

Schon nach wenigen Seiten wird klar: Als Leser sollte man sich nicht davon täuschen lassen, dass Banana Fish seiner Zeit in einem Shojo-Magazin erschien und den Fehler machen, es mit neumodischen Shojo-Manga zu vergleichen. Was man hier bekommt, ist keineswegs eine bittersüße Geschichte mit Bishonen-Charakteren. Banana Fish liefert knallharte Realität ab und bewegt sich mehr auf den Gebieten Action, Thriller und Psychodrama. Zudem liefert der Manga narrative Komplexität, die es gerade im modernen Shojo nur noch selten gibt.

Die Handlung folgt dabei verschiedenen Figuren. Der größte Handlungsstrang ist der von Hauptcharakter Ash. Es werden allerdings auch Stränge aus der Sicht eines Polizisten, Eiji sowie Ash’s Gegenspieler erzählt. So erhält der Leser mehr Einblicke und hat ein großes Ganzes. Zu tief in die Handlung gehen möchte ich an dieser Stelle nicht, um euch nicht zu spoilern, bisher aber ist die Handlung aus meiner Sicht sehr gut durchdacht. Die Mangaka deckt das Geheimnis um “Banana Fish” nicht auf und lässt uns als Leser miträtseln. Die jeweiligen Twists sind gut und logisch nachvollziehbar. Es werden heikle Themen wie Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen angesprochen. Auf explizite Darstellungen oder generell Darstellungen in diese Richtung verzichtet die Mangaka aber, was ich sehr positiv fand. Dafür stellt sie diese Themen anderweitig sehr gut da, in dem sie zum Beispiel auf die Mimik Außenstehender setzt, wenn sie ein solches Material zu Gesicht bekommen. Auch muss man sich als Leser darauf einstellen, dass es nicht für alle Figuren ein Happy End gibt und der Tod allgegenwärtig zu sein scheint.

Insbesondere die Hauptcharaktere sind gut durchdacht. Sowohl Ash als auch Eiji besitzen im ersten Band eine sehr gute Tiefe und man lernt verschiedene Seiten von ihnen kennen, was mir sehr gut gefallen hat. Auch Widersacher Dino ist gut ausgearbeitet. Bei den Nebencharakteren gibt es hier und da hingegen ein paar kleinere Schwächen, insgesamt aber fällt auch hier auf, dass fast jede eingeführte Charakter eine tiefere Funktion besitzt und nicht bloßes Beiwerk ist. Etwas schade ist lediglich, dass die Mangaka fast komplett auf weibliche Charaktere verzichtet. Einzig eine Arzthelferin tritt hier auf, deren Funktion aber eher nebensächlich ist.

Wenn Leute erfahren, dass es zur erfolgreichen Anime-Serie auch einen Manga gibt, ist der Zeichenstil häufig einer der Gründe, sie am Ende doch nicht zu lesen. Der Zeichenstil ist mit den Stilen, die der Leser von heute gewöhnt ist natürlich nicht zu vergleichen. Wenn man sich auf den Stil einlässt, kommt man aber relativ schnell in den Manga hinein. Da die Serie in den 80er- und 90er-Jahren spielt, spiegelt sich auch die Mode der damaligen Zeit in den Charakteren wider: übergroße T-Shirts, Hemden und Jacken sowie Röhrenjeans.

Leider fehlt es in punkto Charakterdesign insbesondere bei Nebencharakteren an Variation und einige Figuren sehen sich sehr ähnlich, weshalb man aufpassen muss, sie nicht zu verwechseln. Akimi Yoshida setzt auf rechteckige, durch dicke Rahmenlinien voneinander abgetrennte Panels. Die genaue Panel-Aufteilung variiert dabei aber von Seite zu Seite.

Die Aufmachung von Panini Manga als großformatige Omnibus-Ausgabe ist gelungen. Ein großer Fan des Plastik-Umschlags bin ich aber nicht. Er sorgt zwar für einen schönen und einzigartigen Design-Effekt, wirkt aber gleichzeitig auch sehr steif, weshalb man ihn beim Lesen doch eher entfernt und später wieder draufzieht. Positiv hat mir der Buchrücken gefallen. Er ist nicht zu fest und so braucht man beim Lesen keine Angst vor lästigen Leserillen zu haben.

Fazit & Bewertung

Banana Fish legt im ersten Sammelband einen starken Auftakt mit viel Action und spannenden Plottwists hin, die auf jeden Fall Lust auf mehr machen. Der Mangaka gelingt es, ihre Hauptfiguren mit viel Tiefe zu gestalten und schafft es auch schwierige Themen respektvoll anzusprechen.

Ich bin bereits gespannt, wohin die Geschichte um Ash noch gehen wird.

Vielen Dank an Panini Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.